Monthly Archives: April 2016

Beltane-Soloritual 2016

30. April 2016

Das Ritual ist für eine einzelne Person geschrieben, kann aber ganz leicht in ein Gruppenritual abgewandelt werden. Es richtet sich entsprechend der Vorarbeiten in den vergangenen Wochen an das slawische Pantheon. Ich habe nur das notiert, was ich jetzt speziell für dieses Ritual geschrieben oder zusammengestellt habe. In manchen Fällen würde ich Überleitungen oder weitere Textbausteine mit hineinnehmen, die ich standardmäßig verwende. Das mag aber jedem selbst überlassen sein. Auch Lieder etc. habe ich diesmal nicht extra notiert. Wer aber etwas sucht, wird hier auf der Seite und in den Weiten des WWW sicherlich fündig.

Euch allen ein schönes Beltane!

 

Einstimmung/Zweck:

Langsam werden die Tage länger,

langsam scheint die Sonne länger auf uns herab.

Ihr Feuer wärmt uns,

und wir sehnen uns nach mehr davon.

Die Erde tanzt einen Freudentanz,

und ich tanze mit ihr,

reihe mich ein mit den vielen anderen

und feiere das Fest des Lebens!

 

Reinigung:

(Teil 1 nach Ceisiwr Serith, Teil 2 nach Ian Corrigan in Übersetzung von Ishtar vom Sternenkreis?)

Möge ich rein sein, damit ich die Grenzen überschreiten kann. (Stirn mit Wasser benetzen)

Möge ich die Grenzen überschreiten, um dem Heiligen zu begegnen. (Lippen mit Wasser benetzen)

Möge ich dem Heiligen begegnen, um in allen Dingen gesegnet zu sein. (Herz mit Wasser benetzen)

Durch die Kraft des Wassers (Wasser aus dem Brunnen in alle 4 Himmelsrichtungen versprengen)

und den Rauch des Feuers (Feuerschale einmal im Kreis herumtragen):

Dieser Schrein ist hehr und heilig!

 

Mutter Erde rufen:

Matь Syra Zemja,

feuchte Mutter Erde,

du lässt dich von warmen Sonnenstrahlen einhüllen,

du badest in den Regenschauern, die über das Land fegen,

bis dein Leib schwer ist von Feuchtigkeit

und so Nahrung und Halt bietet

für die Samen und Keimlinge,

die in dieser Zeit so unbändig ans Licht drängen.

Ich bitte dich:

Halte mich in diesem Ritual,

wie du auch den Pflanzen Halt gibst.

Lass mir bewusst sein,

dass ich in dir wurzle wie sie und durch dich mit allem verbunden bin,

was lebt.

Amen!

 

Wiedererschaffung des Kosmos:

Am Anfang war das Urmeer,

voller Chaos, voller Potential.

Daraus wurde die Erde gehoben und das Land bildete sich: der feurige Erdkern, der fruchtbare Boden, die nährenden Flüsse und Quellen, die luftigen Höhen, und über allem wölbte sich der Himmel.

Hier kommen stehe ich nun, in der Mitte von allem:

Mit dem Land unter meinen Füßen, dem Himmel über meinem Kopf und dem Meer, das mich umgibt!

Und hier in der Mitte fließt dreifach das Wasser: Das Wasser aus den Tiefen, das Wasser des Himmels und das Wasser in mir. (Opfergabe an das Wasser)

Und hier in der Mitte brennt eine dreifache Flamme: Das Feuer aus der Tiefe, das Feuer des Himmels und das Feuer in mir. (Opfergabe an das Feuer)

Und hier in der Mitte wächst der Weltenbaum, der in alle Reiche ragt: Mit den Wurzeln in der Tiefe, mit der Krone hoch im Himmel und dem Stamm hier in dieser Welt. (Opfergabe an den Baum)

Hüter der Tore rufen und Tore öffnen:

Triglav, dreiköpfiger Gott,

du bist in allen Reichen zu Hause.

Ich bitte dich:

Begleite mein Tun, wenn ich nun die Tore öffne und mich mit den Kindred treffe.

Ebne den Weg und glätte die Wogen,

wirke als Mittler zwischen den Welten.

(Opfergabe an Triglav mit ein paar persönlichen Worten)

Nimm das Wasser und lass es zum heiligen Brunnen werden, das Tor, durch das ich meinen Vorfahren begegnen kann.

Nimm die Flamme und lass sie zum heiligen Feuer werden, das Tor, durch das ich den Göttern begegnen kann.

Nimm den Baum und lass ihn zum Weltenbaum werden, das Tor, durch das ich den Naturgeistern begegnen kann.

Triglav, nimm der Dinge drei, Tore soll’n sie sein

durch vereinte Magie geöffnet nun:

Die Kindred lade ich ein!

 

Kindred anrufen:

(in Anlehnung an SDF March Equinox 2014)

Vor dem heiligen Brunnen stehe ich, im Zentrum der Welt, und rufe meine Vorfahren!

Seid mir an meinem Feuer herzlich willkommen,

ihr, die hier vor mir wart,

ihr, die den Weg bereitet habt!

Ich bitte euch: Teilt euer Wissen mit mir und nehmt im Gegenzug meine Gaben an.

(Opfergabe an die Vorfahren)

Vor dem Weltenbau stehe ich, im Zentrum der Welt, und rufe die Naturgeister!

Seid mir an meinem Feuer herzlich willkommen,

Geister der Elemente,

Domovoi!

Ich bitte euch: Teilt euer Wissen mit mir und nehmt im Gegenzug meine Gaben an.

(Opfergabe an die Naturgeister)

Vor dem heiligen Feuer stehe ich, im Zentrum der Welt, und rufe die Götter!

Seid mir an meinem Feuer herzlich willkommen,

Leuchtende,

Hüter der kosmischen Ordnung!

Ich bitte euch: Teilt euer Wissen mit mir und nehmt im Gegenzug meine Gaben an.

(Opfergabe an die Götter)

Gott des Anlasses rufen:

Perún, dessen Donnern unüberhörbar ist,

Perún, Regenbringer,

Perún, Feuerträger,

Perún, der das Volk schützt

Perún, Eichenfreund!

Das Land macht sich bereit und erwartet dich und deinen Segen,

die kalte Erde verwandelt sich unter dir in fruchtbaren Boden,

du bringst die Ordnung, die das Leben ermöglicht.

Ich heiße dich an meinem Feuer willkommen.

Setz dich zu mir und teile mit mir den Wein, während ich von dir erzähle:

Geschichte von Perún und Veles erzählen, spielen oder singen

Perún,

deine Geschichte soll nicht in Vergessenheit geraten.

Wenn ich von dir erzähle, werden andere Ohren es hören und andere Münder es weitertragen.

Perún, nimm meine Gabe an!

(ggf. materielle Opfergabe an Perún)

 

Omen:

Ich habe euer Lied gesungen,

die Worte über euch weitergetragen.

Nun schweige ich und lausche,

was ihr mir sagen habt!

(Omen ziehen)

 

Segnung des Wassers und Kommunion:

Ich bitte euch nun, Kindred:

Seht diesen Kelch in meinen Händen und füllt seinen Inhalt mit dem Segen der Götter, den schützenden Kräften von Feuer, Wasser, Luft und Erde, und dem Rückhalt der Ahnen, damit ich, wenn davon trinke, erfüllt werde mit Gesundheit, Wohlstand und Weisheit.

Wie Perúns Regen und Feuer das Land fruchtbar machen, so möge auch mein Geist fruchtbar werden und überfließen vor Kreativität und Produktivität. Mögen meine Hände das, was ich plane, in die Tat umsetzen und euren Segen weitertragen.

 

Bestätigung des Segens:

Ich habe euren Segen empfangen, Kindred, und danke euch dafür.

Möge er in mir wachsen und reiche Frucht tragen.

 

Kernarbeit:

nach Bedarf, z.B. etwas zum Thema Fruchtbarkeit oder Feuer, Vertiefen der Verbindung zu den Naturgeistern….

 

Dankgebet und Verabschiedung:

Kindred, ich danke euch für eure Gesellschaft und euren Beitrag.

Götter, Naturgeister und Vorfahren:

Meine Liebe geht mit euch, so wie euer Segen mich begleitet,

bis wir uns wiedersehen.

Lebt wohl!

 

Schließen der Tore und Verabschiedung von Mutter Erde:

Triglav, dreiköpfiger Gott!

Du hast mein Tun begleitet, als ich die Tore geöffnet und mich mit den Kindred getroffen habe.

Du hast den Weg geebnet und die Wogen geglättet,

du hast als Mittler zwischen den Welten gewirkt.

Ich danke dir und bitte dich ein letztes Mal um deine Unterstützung, wenn ich dir Tore nun schließe.

Möge der heilige Brunnen wieder zur einfachen Wasserschale werden!

Möge das heilige Feuer wieder zur einfachen Flamme werden!

Möge der Weltenbaum wieder zum einfachen Baum werden!

Triglav, nimm der Tore drei, Feuer, Quell‘ und Baum,

geschlossen soll’n sie sein!

Alles wieder wie zuvor, doch die Magie bleibt hier im Raum.

 

Matь Syra Zemja,

feuchte Mutter Erde,

auf dir stehe ich, in dir ruhe ich,

in diesem Ritual wie zu aller Zeit.

Nimm von mir, was ich nicht gebraucht habe,

als Zeichen meiner Liebe und Dankbarkeit!

 

Beenden des Rituals:

Mein Ritual nähert sich dem Ende.

Ich habe den Kosmos wiedererschaffen und in seiner Mitte gestanden.

Ich habe die Erhaltung der Ordnung des Kosmos durch Perún gefeiert.

Ich habe meinen Bund mit den Kindred bestätigt und gefestigt.

Ich habe mit der Erde ihre erneuerte Fruchtbarkeit und das neue Leben gefeiert.

Ich habe den Sommer und die warmen Tage willkommen geheißen.

Nun gehe ich, allein, doch als Teil des großen Ganzen.

Die heilige Quelle ist versiegt, doch in mir fließt sie weiter.

Das heilige Feuer ist verloschen, doch in mir brennt es ewig.

Amen!

 

 

Die Mutter Erde anrufen – warum und wie?

28. April 2016

Nemeton 2016 - Mutter ErdeMutter Erde – das klingt freundlich, etwas kindlich naiv vielleicht. Man hat sofort ein kuscheliges Gefühl der Geborgenheit. Hier wird bedingungslos Liebe geschenkt, sie ist immer da für den, der sie ruft. Sie ist einfach da, so lange es irgendwie geht.

Erdmutter – das klingt schon ernsthafter, erinnert an die Venus von Willendorf, die dicken kleinen Statuen aus früheren Zeiten, mit ein bisschen Distanz darin.

Mutter des Landes – nein, damit ist nicht Frau Merkel gemeint. 🙂 Das Land hatte früher seine eigenen Gottheiten, je nachdem wo man sich gerade befand. Göttinnen mit eigenen Namen, eigenen leicht variierenden Eigenschaften und Ausprägungen, eigenständig handelnd. Häufig waren sie verbunden mit den großen Flüssen, die die Region durchzogen. Bei diesen Göttinnen wurde nicht selbstverständlich davon ausgegangen, dass sie einem bedingungslos zur Verfügung standen, sondern man behandelte sie als Wesen, die sich durchaus auch zur Wehr setzen konnten und würden, wenn man sie nicht respektvoll behandelte.

Mutter Erde – ich bleibe mal bei diesem Titel, weil er mir am meisten zusagt – ist aber noch mehr als das. Die Wikinger hatten das Konzept von einem Schicksalsnetz: Alles ist miteinander verwoben, und wenn ich an einem Faden ziehe, indem ich eine bestimmte Handlung ausführe, dann hat das auch Auswirkungen auf andere Teile des Netzes bzw. sogar auf das ganze Netz. Insofern bekommt der Grundsatz: ‚Tu, was du willst, solange du keinem Schaden zufügst‘ noch mal eine besondere Bedeutung. Ich verstehe mich als Teil eines größeren Ganzen, und was ich tue, beeinflusst die Entwicklung des Ganzen. Die Erde als Planet, auf dem wir leben, ist (derzeit noch) einzigartig in ihrer Bedeutung für das Überleben der menschlichen Spezies, da uns ja die Möglichkeiten fehlen, mal eben das Sonnensystem zu wechseln und uns auf einem anderen Planeten niederzulassen. Es empfiehlt sich daher ganz dringend für uns, mit diesem einen Planeten, den wir haben, schonend umzugehen und die Beschränkungen in Bezug auf die Ressourcen, die vorhanden sind, zu respektieren. Passiert häufig leider nicht so wirklich, wenn der Geschäftssinn das Verantwortungsgefühl überwiegt.

Ich halte die Erde allerdings nicht für ein rachsüchtiges Wesen: Wo man früher vielleicht von göttlicher Strafe gesprochen hat, sehe ich eher eine Konsequenz aus ablaufenden Prozessen, die nicht unbedingt denjenigen treffen, der ‚am falschen Faden gezogen hat‘. Wenn ich immer mehr Wasser in ein Litermaß gebe, dann wird es irgendwann überlaufen. Vielleicht werde ich selbst dabei nass, vielleicht aber auch die wichtigen Unterlagen, die jemand dort abgelegt hat, wo ich mein Litermaß hingestellt habe.

Eines Tages sind die Kompensationsmechanismen nicht mehr ausreichend, dann geschieht eine Katastrophe: Die Häuser, die im Boden verschwinden, weil die Bergwerke zu intensiv gegraben haben, die Lawine, die die Schifahrer verschluckt, weil die Hänge zu kahl sind, die überfluteten Felder und Stadtteile, weil der Fluss begradigt wurde und die Deiche nicht mehr halten…

Welches Fazit ziehen wir nun daraus?

Im Ritual

  • machen wir uns bewusst, dass wir durch die Erde miteinander verbunden sind
  • erinnern wir uns ihrer Funktion als unsere Ernährerin, als der Lebensraum, in dem unser Leben überhaupt erst möglich ist
  • zeigen wir der Erde, dass wir dies zu schätzen wissen und drücken ihr unseren Dank und Respekt dafür aus
  • wollen wir der Erde etwas für ihre Leistung, bewusst oder unbewusst) zurückgeben

Darum bitten wir sie am Anfang des Rituals darum, dass sie uns Halt gibt und uns im Hier und Jetzt verankert, und danken ihr am Ende für ihre Unterstützung.

Anm.: Ich spreche normalerweise danach noch ein paar spontane persönliche Worte und mache ein Geschenk aus Körnern, Samen oder einem Lied.

 

Gebete, um die Mutter Erde zu rufen

an Beltane:

Mutter Erde,

du lässt dich von warmen Sonnenstrahlen einhüllen,

du badest in den Regenschauern, die über das Land fegen,

bis dein Leib schwer ist von Feuchtigkeit

und so Nahrung und Halt bietet

für die Samen und Keimlinge,

die in dieser Zeit so unbändig ans Licht drängen.

Ich bitte dich:

Halte mich in diesem Ritual,

wie du auch den Pflanzen Halt gibst.

Lass mir bewusst sein,

dass ich in dir wurzle wie sie und durch dich mit allem verbunden bin,

was lebt.

Amen!

 

an Litha/Mittsommer:

Auf dem Feld vor meinem Haus wiegen sich die Ähren im leichten Wind,

so, als ob du dein goldbraunes Haar für mich schüttelst.

In dieser Zeit, wo die Kraft der Sonne am stärksten ist, bietest du uns Halt,

Mutter Erde,

einen Moment des Atemholens zwischen Säen und Ernten.

Schenke mir auch in diesem Ritual die Gewissheit,

festen Boden unter den Füßen zu haben,

so wie du es immer tust.

Amen!

 

an Lughnasadh/Lammas:

Braun der Boden, Mutter Erde,

krümelig in der Sommerhitze.

Blau der Himmel, Mutter Erde,

wolkenlos und unendlich.

Grün die Wiesen, Mutter Erde,

wogendes Gras in vollem Saft.

Ich bei dir, Mutter Erde,

geborgen in deiner Hand,

wenn ich über das Land schreite,

wenn ich zwischen den Welten wandle,

als Teil deines allumspannenden Netzes.

Amen!

 

zu Mabon/Herbst-Tagundnachtgleiche:

Ein Korb mit Äpfeln steht zu meinen Füßen,

rund und duftend, und dein Bild steigt vor mir auf:

Wie sonst selten wird uns in dieser Zeit der Ernte bewusst,

wie du uns täglich hältst und ernährst,

wie du alles Leben auf diesem Planeten hältst und ernährst.

Mutter Erde, ich bitte dich:

Halte mich auch in diesem Ritual

und lass mich sicher in dir ruhen,

so wie du es immer tust.

Amen!

 

zu Samhain:

Kühl streicht der Wind über meine Haut,

kühl streicht er über deine Haut, Mutter Erde.

Nebelschwaden hüllen dich ein

und verbergen dich oft vor meinem Blick.

Tautropfen glitzern auf den Spinnwebfäden,

die sich zwischen den Gräsern spannen,

die sich zwischen den Ästen spannen,

die sich zwischen mir und der Welt spannen:

Zeichen für das große Netz des Lebens,

in dem wir alle miteinander durch dich verbunden sind,

durch den Raum und durch die Zeit.

Nicht gefangen, nicht hilflos,

sondern als denkende, fühlende Wesen mit Verantwortung füreinander.

Halte uns, Mutter Erde,

sei unser Anker im Hier und Jetzt,

wenn sich die Schleier zwischen den Welten öffnen

und Zeit und Raum keine Rolle mehr spielen.

Amen!

 

zu Jul/Mittwinter:

Tief hast du dich in dich selbst zurückgezogen,

Mutter Erde,

und doch hast du wie jede gute Mutter immer ein Auge auf deine Kinder:

Auch in der längsten Nacht des Jahres, wenn alles still und starr zu sein scheint,

können wir darauf bauen, dass du für uns da bist

und uns hältst, so wie immer.

Mag auch Schnee dich mit einer Decke überziehen,

mag unwirtliches Wetter uns in die Häuser treiben:

Wir wissen: Du bist da draußen,

immer da,

und sammelst frische Kräfte,

um nach der langen Dunkelheit neues Leben hervorzubringen.

Sei auch in diesem Ritual bei uns und halte uns in deiner Hand.

Amen!

 

zu Imbolc:

Schneeglöckchen kündigen das neue Leben an, Hamamelis und Krokusse:

Der erste Blumenschmuck, ein Farbklecks nach den tristen dunklen Tagen.

Noch hat die Kälte dich fest im Griff,

aber schon werden die Tage länger

und die Sonnenstrahlen kitzeln dein Antlitz

und locken dich aus dem Winterschlaf.

Vor dir sind wir versammelt,

verstreut über den ganzen Planeten,

doch miteinander durch dich verbunden,

und weben dein Netz.

Du bist der Grund, über den wir schreiten,

achtsam und leichten Schrittes,

das Sicherheitsnetz, das uns hält,

im Ritual, wie auch im ganzen Leben.

Amen!

 

zu Ostara/Frühlings-Tagundnachtgleiche:

Wir stehen überwältigt vor deiner Pracht,

die sich gerade Bahn bricht,

Mutter Erde,

die Fülle des neuen Lebens,

die unsere Sinne erfüllt mit

Düften und Farben.

Erde im Wandel,

sich immer wieder verändernd,

immer wieder erneuernd

und doch unser fester Ruhepunkt:

Erde im Gleichgewicht,

uns immer wieder verankernd im Hier und Jetzt,

im Leben und im Ritual.

Amen!

 

 

Perún und Veles zum Letzten – als Puppentheater

24. April 2016

Wer mag, kann mit seinen Kindern die Geschichte auch nachspielen. Ich habe ein paar Vorlagen für Figuren und Gegenstände gezeichnet, die in der

Perún

Geschichte eine Rolle spielen.

Farblich gestaltet habe ich Perún als den feurigen Sturm- und Donnergott mit schwarzem Bart und Umhang in Feuerfarben. Unter einem feurigen Gesicht konnte ich mir einfach nichts vorstellen.

 

Bei Veles hat die Beschreibung von Patollo mit Pate gestanden: Die totenähnliche Blässe und der Turban stammen von ihm. Die Verbindung zum Wasser wollte ich durch das Farbmuster auf der Schlangenhaut ausdrücken und auch, wenn Patollo eher als alter Mann beschrieben wird, fand ich die Symbiose von Mann und Schlange einfach zu passend.

Druckt euch die Bilder aus. Die Asche braucht ihr mehrfach (siehe Anleitung). Das Bauernhaus gibt es zweimal. Eins davon könnt ihr ignorieren. Ich habe die Sachen z.T. Rücken an Rücken geklebt, mit einem Stab dazwischVeles 1en. Veles, der ja deutlich größer ist, habe ich dahinter gehalten, so dass man ihn noch sehen konnte, dann weggezogen und das Haus/den Steinhaufen umgedreht auf die Ascheseite.

Wenn Veles sich in ein Tier verwandelt hat, reichte mir das Tier, und ich habe anschließend die Asche hochgehalten.

Für die Schlussequenz habe ich wieder das Seebild ohne Hund genommen und Perún mit Blitz.

Viel Spaß beim Basteln und Spielen!

Perún und Veles- Puppentheater

Lied: Perún und Veles

24. April 2016

Das Thema lässt mich nicht los. Irgendwann in den letzten Tagen schlich sich ein Liedfragment in meinen Kopf und verlangte danach ausgebaut zu werden.  Das Ganze ist nicht so ganz ernst. Ich habe mich dabei an Thor orientiert, der ungefähr mit Perún vergleichbar ist und über den es viele lustige Geschichten gibt.

Perún und Veles 

Perún und Veles (PDF)

Perún_und_Veles (MIDI)

Veles stahl dem Perún das Vieh,

wusste genau: Das verzeiht der mir nie!

Perún, der sah es, und er warf

einen Blitz nach Veles -der leider nicht traf.

Veles, Veles, wo bist du?

Veles, Veles, keine Ruh‘

gönne ich dir, verbirgst du auch dich:

Veles, Veles, ich kriege dich!”

Doch Veles, der verwandelte sich

in eine Kuh, ganz gutmütig.

Perún, der sah es und er warf

einen Blitz nach Veles -der leider nicht traf.

Veles, Veles, wo bist du?

Veles, Veles, keine Ruh‘

gönne ich dir, verbirgst du auch dich:

Veles, Veles, ich kriege dich!”

Doch Veles, der versteckte sich

hinterm Stein, still und heimlich.

Perún, der sah es und er warf

einen Blitz nach Veles -der leider nicht traf.

Veles, Veles, wo bist du?

Veles, Veles, keine Ruh‘

gönne ich dir, verbirgst du auch dich:

Veles, Veles, ich kriege dich!”

Doch Veles, der verwandelte sich

in einen Bären, gefährlich.

Perún, der sah es und er warf

einen Blitz nach Veles -der leider nicht traf.

Veles, Veles, wo bist du?

Veles, Veles, keine Ruh‘

gönne ich dir, verbirgst du auch dich:

Veles, Veles, ich kriege dich!”

Doch Veles, der versteckte sich

hinterm Haus, sehr leichtsinnig.

Perún, der sah es und er warf

einen Blitz nach Veles -der leider nicht traf.

Veles, Veles, wo bist du?

Veles, Veles, keine Ruh‘

gönne ich dir, verbirgst du auch dich:

Veles, Veles, ich kriege dich!”

Doch Veles, der verwandelte sich

in einen Hund, ganz zutraulich.

Aber Perún hatte nun eine Idee,

und er ging zu Veles hinab an den See.

Komm, mein Hündchen, komm ruhig her.

Ich habe Fleisch für dich und noch mehr!”

Perún glaubte ihm und er kam,

das leckere Fleisch aus Perúns Hand nahm.

Veles, Veles, ich kriege dich!

Veles, Veles, jetzt habe ich dich!”

Perún nahm den Hund und er warf

ihn hinaus in den See -den er auch traf!

Doch Veles verwandelte sich

in eine Schlange, gar gewaltig.

Tauchte tief hinab bis zum Sand:

In der Unterwelt er wieder verschwand.

Veles, Veles, nun bleib auch dort!

Die Unterwelt, sie ist dein Ort!”

Perún, ganz der große Held,

brachte Ordnung wieder in die Welt!

 

Melodie folgt, so schnell ich es hinkriege

Tag der Erde 2016!

24. April 2016

Heute ist wieder der Tag der Erde. In den USA als Earth Day schon recht bekannt, dümpelt die Idee in Deutschland noch ein bisschen vor sich hin. Dabei gibt es auch hier reichlich Bedarf und Gelegenheit, sich mal bewusst zu machen, dass es nur eine Erde gibt, die uns ernähren und am Leben halten kann. Grund genug, einmal danke zu sagen und sich seinen Platz in diesem Biokosmos zu verdienen, indem man ihr etwas zurückgibt. Umweltbewusstsein stärken, Müll einsammeln und wegräumen, Gartenarbeit/-pflege…. Wie gestaltet ihr den Tag der Erde mit euren Kindern oder für euch selbst?

Ich habe die Gelegenheit genutzt und mich am Earth-Along Day des Three Cranes Grove beteiligt: www.threecranes.orgTag der Erde 2016 02

Mit den Kindern habe ich erst die Mutter Erde Schatzsuche gemacht: Obwohl unser Haus den ganzen Winter von Marienkäfern überrannt war, mussten wir uns jetzt mit einer Feuerwanze begnügen. Und Nester sind zwar in der Nähe, aber durch das dichte Laub bzw. Nadelwerk nicht zu sehen gewesen. Ansonsten haben wir alles gefunden.

Bei der Gelegenheit haben wir auch entlang der Straße Müll eingesammelt. Man merkte, dass das letzte Mal noch nicht so lange her waTag der Erde 2016 01r: weniger Weinflaschen als sonst. Aber immer noch zu viele!

Später haben wir ein Müll-Sortierspiel gemacht, damit die Kinder auch wissen, was denn nun in welche Tonne muss, und den Film WALL-E geguckt. Ich liebe ihn!

Die Kindred – wer oder was ist das?

16. April 2016

Der Begriff Kindred kommt aus dem Englischen. Wir, die deutschen ADF-Mitglieder, haben beim Übersetzen schließlich beschlossen, ihn beizubehalten. Es gab Übersetzungsversuche in ‚Stämme‘ (wobei ich immer an Indianer denke) oder ‚Sippen‘, aber nichts davon verbinde ich gleichermaßen mit dem dahinterstehenden Konzept wie eben ‚Kindred‘.

Was also genau sind die Kindred?

Wir unterscheiden hierbei 3 Arten von Kindred: Die Ahnen oder Vorfahren, die Naturgeister und die Götter. Nicht immer ist die Zuordnung eindeutig. Es gibt viele Grenzgänger oder Wesen, die von einer zu einer anderen Kategorie gewechselt haben.

Cernunnos in Hirschform als Torhüter hat seinen Sitz im Nemeton unter dem Ahnenbaum

Cernunnos in Hirschform als Torhüter hat seinen Sitz im Nemeton unter dem Ahnenbaum

 

  1. DIE AHNEN

Fangen wir mit den Ahnen an. Da wären zunächst die Vorfahren des Blutes, mit denen wir tatsächlich durch unsere Blutlinien verwandt sind: Omas, Urgroßväter, … Sie sind es, deren DNA unser Aussehen und teilweise unsere Interessen und unser Wesen mitbestimmen. Zu ihnen habe ich persönlich den engsten Kontakt. Vor zwei Jahren ist mein letzter Opa gestorben, aber die Erinnerung an ihn ist in mir sehr lebendig und wird auch bewusst wachgehalten. Wir können Familienstammbäume anlegen und mehrere Generationen zurück recherchieren, manchmal mit faszinierenden Entdeckungen. In manchen Ritualen wird die eigene familiäre Linie rezitiert, z.B. mache ich das an Samhain. Die noch lebenden Familienmitglieder prägen eine Person nicht minder. Man lernt von ihnen, wie man sich verhalten soll, man übernimmt bestimmte Gewohnheiten, Ansichten und Bräuche. Auch adoptierte Familie ist in diesem Sinne Bluts-Familie.

Eine eng verwandte Art von Ahnen sind die Ahnen des Landes. Unsere Blutsverwandten gehören häufig zu ihnen, wenn wir nicht gerade ausgewandert oder umgezogen sind. Diese Ahnen sind diejenigen, die in früheren Zeiten dort gelebt haben, wo wir es heute tun. Sie haben die Landschaft mitgeprägt, ob es sich nun um eine landwirtschaftlich stark genutzte Gegend handelt, eine industriell geprägte oder vielleicht sogar noch eine weniger berührte Landschaft. Die Volksstämme, die hier vor 2000 Jahren gelebt haben, gehören ebenso dazu wie die Menschen des 19. Jahrhunderts.

Familie kann man sich nicht aussuchen, die hat man, sagt ein Sprichwort. Darum ist es praktisch, dass es da auch noch eine weitere Art von Ahnen gibt, nämlich die Ahnen des Herzens und des Geistes: Dies sind die Vorbilder, die wir uns bewusst wählen. Das können berühmte Leute sein -Mahatma Gandhi, Mutter Theresa- oder einfach jemand aus der Nachbarschaft, der sich immer für alle einsetzt, das können auch fiktive oder mythologische Personen sein, z.B. Siegfried aus der Nibelungensage oder Iron Man. Das können auch Personen sein, die in einem ganz spezifischen Bereich sehr engagiert sind oder waren, ein Sportler oder Wissenschaftler z.B..Wir streben danach, ihrem Beispiel zu folgen.

Was lernen wir von unseren Ahnen?

Wir lernen, wo wir her kommen. Wir erfahren, was und wo unsere Wurzeln sind. Wir lernen aus den Erfahrungen und Fehlern, die Generationen vor uns gemacht haben, und sei es nur, dass wir lernen, wie man es NICHT macht.

Wir kommen wir mit den Ahnen in Verbindung?

Nimmt man den Weltenbaum als Grundlage, dann würde man die Ahnen der Unterwelt, dem Reich der Wurzeln und Wasseradern zuordnen. Unser Körper besteht zu einem beträchtlichen Teil aus Wasser. Wer mag, nimmt dies als Begründung dafür, warum das Wasser bzw. der Heilige Brunnen oder die Heilige Quelle das Heiligtum sind, welches den Ahnen zugeordnet ist. In vielen indoeuropäischen Mythologien wird beschrieben, dass das Reich der Toten über den Wasserweg zu erreichen ist: Das Reich der Hel in der nordischen Mythologie muss über eine Brücke erreicht werden, der griechische Fährmann Charon bringt die Toten über den Styx in den Hades, die Iren und Gallier suchen ihre Toten auf den fernen Inseln im Westen … Das Wasser ist für uns das verbindende Element.

Natürlich macht es auch Sinn, den Kontakt zu den lebenden Ahnen zu stärken: Sich der eigenen Familie bewusst zu sein, mal häufiger mit den Eltern zu telefonieren, oder öfter mal mit der Oma einkaufen zu fahren.

Ahnenbaum im Nemeton, mit Fotos meiner Großeltern

Ahnenbaum im Nemeton, mit Fotos meiner Großeltern

2. DIE NATURGEISTER

Die Naturgeister zu beschreiben ist schon schwieriger, vielleicht, weil wir uns heute ihrer Anwesenheit weniger bewusst sind bzw. weniger bereit, die Möglichkeit ihrer Existenz anzuerkennen. Dabei ist es vielleicht eher einer Frage der Definition dessen, was hinter dem Konzept ‚Naturgeister‘ steckt.

In früheren Zeiten war der Glaube an die Existenz von Naturgeistern allgegenwärtig und es ist noch gar nicht so lange her, dass manche Rituale zum Schutz oder Befrieden von Geisterwesen in vielen Haushalten gang und gebe waren. Manche wurden auf christliche Heilige übertragen, die als Schutzpatrone dienten, andere blieben ihrer märchenhaften Ausprägung treu. Vielfach würden wir das heute als reinen Aberglauben betrachten, mit Recht, denn häufig steckten hinter den überirdischen Phänomenen handfeste naturwissenschaftliche Erklärungen, die einfach noch nicht bekannt waren.

Die ‚modernen‘ Naturgeister könnte man als bewusste oder beseelte Ebene der Natur betrachten: Die Vorstellung, dass manche Orte einfach eine ganz besondere Atmosphäre haben, ist uns auch heute nicht fremd.

Naturgeister können Geister der Elemente (entweder Feuer, Wasser, Erde und Luft oder aber auch die keltischen Elemente Land, Himmel und Meer) sein, die bestimmte Eigenschaften verkörpern, sie können Geister des Landes sein, in Bezug auf die Landschaft ebenso wie auf einen ganz bestimmten Ort, Tier, Pflanze, Mineral oder Gegenstand. In der nordischen Mythologie fasst man sie zusammen unter dem Begriff Landvaettir. Auch Krafttiere, mit denen Schamanen vielfach arbeiten, gehören in diese Kategorie.

Eine weitere Form sind die Geister, die dem Haushalt zugeordnet sind, z.B. Heinzelmännchen und Kobolde, Laren und Penaten. Auch die gallischen Cucullati, die vermutlichen Vorfahren der Gartenzwerge fallen wohl in diese Kategorie.

Eine weitere Gruppe von Naturgeistern hat eher menschliche oder göttliche Züge angenommen und es so über die Märchen bis in  unsere Zeit geschafft: Zwerge, Feen und Riesen bevölkern auch heute in lustigen bis zuckersüßen Varianten dank Disney und Co. die Bildschirme.

Wir Europäer sind heute so daran gewöhnt in einer domestizierten, kultivierten Umwelt zu leben, dass uns der Gedanke an eine wilde, ungezähmte Natur häufig schon fast abschreckt. Wir sind geschockt, wenn es wieder mal ein Hochwasser gibt, wenn der brave Fluss seine begradigten Ufer übertritt und bis in die Innenstädte vordringt. Wir sind überrascht, wenn in der Ortschaft plötzlich der Boden unter einem Haus nachgibt, weil das Gebiet vom Bergbau so untertunnelt wurde, dass der Halt fehlte. Wir sind irritiert, wennl der Fernseher einen miesen Empfang hat, weil draußen ein Gewitter tobt und die Satellitenverbindung stört. Hier offenbart sich die Natur in ihrer Wildheit, in ihrer ‚wahren Natur‘ eben. Und so erklärt sich auch das oft zwiespältige Verhältnis zwischen den Menschen und den Naturgeistern. Die Naturgeister stehen den Menschen für gewöhnlich eher neutral gegenüber, sie sind uns nicht böse gesinnt, aber auch nicht unbedingt freundlich. Sie sind einfach da, als Hüter oder Verkörperungen der Natur. Wenn wir die Natur als das Wilde respektieren und achtsam mit ihr umgehen, dann erhalten wir dadurch auch etwas zurück. Ob das Pflanzenarten im Regenwald sind, deren Heilpotential wir nutzen können, weil wir es geschafft haben, dass nicht das ganze Gebiet abgeholzt wird, oder im eigenen Garten eine Ecke mit Brennesseln und Löwenzahn, über die sich Bienen und Schmetterlinge hermachen können, die dann im Gegenzug die Obstbäume bestäuben, ist dabei gleichermaßen wichtig.

Was lernen wir von den Naturgeistern?

Was lernen wir von der Natur, könnte die Frage auch heißen. Und vor allem, wie? Wir lernen von der Vielfältigkeit dessen, was die Natur zu bieten hat. Wir lernen das Heilpotential und den Nährwert von Pflanzen kennen. Wir lernen Tricks von Pflanzen und Tieren, mit denen sie sich schützen oder aus denen sie andere Vorteile ziehen (die Bionik lässt grüßen). Wir genießen die Schönheit dessen, was uns umgibt, was unsere Sinne reizt, ob durch Düfte, Geschmäcker, Geräusche, Aussehen oder taktile Stimuli. Wer abends in der Dämmerung im Frühling mal draußen im Garten auf dem taufeuchten Rasen gestanden hat und die Hyazinthen riechen konnte,  während die Vögel in der kühlen, klaren Abendluft ein Konzert geben, der weiß, was ich meine.

Wir lernen, wo wir sind, und wir lernen, damit umzugehen.

Wie kommen wir mit den Naturgeistern in Verbindung?

Mutter Erde am Fuße meines 'Weltenbaums'

Mutter Erde am Fuße meines ‚Weltenbaums‘

Wenn wir nun wieder den Weltenbaum als Grundlage nehmen, dann verteilen sich die Naturgeister über den ganzen Stamm. Manche würde man eher in Richtung der Wurzeln ansiedeln, z.B. die nordischen Disen, andere hingegen, wie die irischen Sidhe, schon fast im Bereich der Äste. Die Naturgeister teilen diese Welt mit uns, sie wirken nur auf einer anderen Ebene. Der Weltenbaum, der ja in unserer Erde wurzelt, ist daher auch das Heiligtum, welches ihnen zugeordnet ist.

Praktisch gesehen erweist man ihnen Respekt, indem man die Natur respektiert. Das reicht von dem Bonbonpapier, das im Mülleimer landet statt auf dem Wanderweg und Gartenarbeit bis hin zu Engagement in Umweltschutzgruppen.

 

3. DIE GÖTTER

Hier schlägt jetzt die gesamte Bandbreite der Götterwelt zu: Jede der früheren indoeuropäischen Kulturen hatte ihre eigene Götterwelt, in einer Vielzahl von stammesabhängigen Ausprägungen und Variationen. Einige Mythen finden sich in mehreren Kulturen wieder, andere haben durch verschiedene Einflüsse ganz unterschiedliche Veränderungen erfahren und vieles ist im Laufe der Jahrhunderte/-tausende einfach verloren gegangen. Häufig sind uns nur noch Namen bekannt, aber es fehlt das Wissen, was und wer hinter dem Namen steckt. Manchmal ist nicht einmal bekannt, ob es sich um eine männliche oder weibliche Gottheit handelt. Grundsätzlich gibt es ein paar Typen Götter, die immer wieder auftauchen: Der oberste Himmelsgott, der ‚den Laden schmeißt‘, Fruchtbarkeitsgötter, Donnergötter, Erntegötter, Götter des Feuers, Muttergottheiten, Kriegsgötter, Götter der Sonne, Orakelgötter, Heilgötter, Götter der Unterwelt, Schicksalsgötter …

Ob man nun ein hartgesottener Polytheist ist und jedes dieser göttlichen Wesen als ein Individuum betrachtet oder eher als verschiedene Aspekte eines einzigen göttlichen Wesens oder einer göttlichen Dualität, ist im persönlichen Ritualverhalten jedem selbst überlassen. In einer Gruppe muss man sich natürlich abstimmen, und dann gilt: In der Vielfalt liegt die Kraft.

Die Götter sind nicht allwissend, allkönnend und allgegenwärtig (die 3 christllichen Omnis 🙂 ). Damit erübrigt sich auch die Frage, warum es in der Welt so viel Schlimmes und Ungerechtes gibt (Theodizeefrage): Es liegt nicht in ihrer Macht, alles zu verhindern. Das ist nicht ihre Funktion. Die Götter sind in erster Linie kreativ: Sie haben aus dem Chaos der Ursuppe lebensfähigen Raum geschaffen, in dem sie eine Ordnung eingeführt haben – die Naturgesetze. Sie sind auch für den Erhalt dieser Ordnung zuständig, die dafür sorgt, dass wir hier Bedingungen vorfinden, die Leben ermöglichen und Fruchtbarkeit zulassen. Die Eisriesen der nordischen Mythologie und die Titanen der griechischen Sagen waren Vertreter des Chaos, die von den jeweiligen Göttern bekämpft und weitgehend gebannt wurden. Dieses Motiv von Ordnung und Chaos finden wir auch in dem slawischen Mythos von Perún und Veles wieder.

Dabei haben sie den Menschen aber einen freien Willen gegeben. Es ist uns also durchaus möglich, gegen den Rat der Götter uns für das Chaos zu entscheiden und uns dadurch selbst zu schaden oder anderen. Ob wir dies tun, weil wir individuell einen (kurzfristigen) Nutzen daraus ziehen oder nicht, ist unsere eigene Entscheidung. Wir sind also nicht an eine göttliche Weisung gebunden, sondern müssen für uns selbst entscheiden, was das Richtige ist. Wir können nur um Rat bitten/beten.

Hierbei kommen die unterschiedlichen Schwerpunkte der Götter dann wieder zum Tragen: Je nachdem, zu welchem Thema man um Unterstützung bittet, empfiehlt es sich, einen anderen Gott anzurufen. Viele von ihnen haben vielfältige Funktionen, sind Fruchtbarkeitsgötter UND Totengötter oder Kriegsgötter UND Orakelgötter etc. Vor allem bei den großen, sehr bekannten Göttern ist das oft der Fall. Manche sind hingegen sehr spezifisch auf bestimmte Funktionen festgelegt. Manche Götter wurden nur in einer bestimmten Region verehrt oder in verschiedenen Gebieten unter unterschiedlichen Namen, andere gelangten zu weitläufiger Berühmtheit und schafften sogar den Sprung in ein anderes Pantheon (z.B. die gallische Epona, die auch von den Römern verehrt wurde).

Nicht alles an einer Gottheit muss einem gefallen. Ich halte Odin z.B. für einen ziemlichen Mistkerl, weil der denjenigen, denen er seine Unterstützung gewährt, oft unerwartet in den Rücken fällt. Ja, er tut es, um Ragnarök, den Weltuntergang, zu verhindern bzw. um dafür starke Truppen zu sammeln, aber über den Weg traue ich ihm nicht.  Dafür gibt es vielleicht andere Gottheiten, mit denen man sich so eng verbindet, dass man sie als Patrone betrachtet.

Ohne die Götter wäre das Leben und sein Fortbestand jedoch nicht möglich.

Nicht alle Götter sind typische Himmelsgötter, die irgendwo hoch oben ihr Reich haben. Götter können auch chthonisch, d.h. der Unterwelt zugeordnet sein. Sie haben dann auch eine starke Verbindung zu den Ahnen und zum Wasser. Auch mit Höhlen werden sie in Verbindung gebracht.

Und nicht zuletzt gibt es auch die Vorstellung, dass in allem, was existiert, ein göttlicher Funke steckt, und das, wenn wir zusammenarbeiten, diese Funken sich zu etwas Größerem verbinden, das dann als Gott oder göttliche Kraft bezeichnet wird. (panentheistisch)

Was lernen wir von den Göttern?

Matronenschrein im Nemeton

Matronenschrein im Nemeton

 

Wir lernen, was wir sein können: welches Potential in uns steckt und wie wir es ausschöpfen können. Wir lernen, was möglich ist. Wir lernen aber auch den Wert der Ordnung der Naturgesetze und die Sicherheit, die sie uns bieten.

Wie kommen wir mit den Göttern in Verbindung?

Am Weltenbaum bevölkern die Götter traditionell die oberste Ebene: Ihr Reich ist der Himmel, bzw. die Äste, die in diesen hineinragen.

Das Heiligtum, welches den Göttern zugeordnet ist, ist das Feuer. Der ‚Funke des Lebens‘ ist ein Ausdruck, der sich bis in die Neuzeit gerettet hat.  Das Feuer der Sonne, in genau dem richtigen Abstand zur Erde positioniert, das hier Leben möglich ist, der heiße lavahaltige Erdkern, gerade warm genug, das verwandelnde Feuer, dass aus rohem Fleisch eine genießbare Mahlzeit machte und Schutz vor wilden Tieren bot… Feuer hat seit der Urzeit für die Menschen eine wichtige Rolle gespielt.  Auch der ‚Funke der Inspiration‘ oder der ‚Funke der Leidenschaft‘, der Bereitschaft sich ganz und gar auf etwas einzulassen und etwas zu erschaffen spielen hier mit rein. Feuer und (Weih)rauch sind daher im Allgemeinen unser Zugang zu den Göttern. Eine Ausnahme sind dabei die schon erwähnten chthonischen Götter, die über das Wasser zugänglicher sind.

Wer sich praktischer mit einem bestimmten Gott befassen möchte, der kann dies tun, indem er sich aktiv mit dessen Schwerpunkten auseinandersetzt und mehr darüber lernt: Heilung, Gartenbau, künstlerische Aktivitäten, Kampfsport, Divination, Sterbebegleitung/Hospizarbeit, Schülerlotse/Flüchtlingsarbeit, …

 

 

Insgesamt kann man vielleicht sagen, dass die Kindred die Wesenheiten sind, die uns durch unser Leben begleiten und uns dabei unterstützen, indem sie uns die Möglichkeiten aufzeigen, die Entscheidung aber letztlich weitgehend uns selbst überlassen. Das heißt eben auch, dass sie uns nicht die ganze Zeit das Händchen halten und daran hindern zu fallen. Stattdessen ermutigen sie uns eigene Erfahrungen zu sammeln, wie ein Kind das irgendwann ohne Stützräder Fahrrad fahren lernt.

Wie immer gilt: Dies ist das, was ich für mich zurecht interpretiere. Ich kann keine Quellen angeben, weil das hier die Quintessenz dessen ist, was ich in den letzten Jahren gelesen oder mir auf anderen Wegen erarbeitet habe, bis zurück zum Religionsunterricht zu Schulzeiten. Für mich passt es so. Aber für vernünftige Diskussionen bin ich natürlich offen.

 

Katholische Messe und ADF-Ritual im Vergleich -ein Versuch

14. April 2016

Ich habe überlegt, wie ich jemandem, der zwar mit den Abläufen einer katholischen Messe vertraut ist, aber keine Ahnung vom Heidentum in jeglicher Form hat, ein Ritual im ADF-Stil näherbringen kann. Da meine Familie sich zum großen Teil aus Katholiken zusammensetzt, fällt es mir immer ein wenig schwer, mich dort einzubringen, weil ihnen der Zugang zu meinem Glauben fehlt. Hier daher ein Versuch, bestimmte Dinge in Beziehung zu bringen und verständlicher zu machen. Dies ist meine persönliche Meinung und muss nicht unbedingt auch die aller anderen sein.

Ich habe die einzelnen Bausteine teilweise anders zusammengefasst, als sie im Ritualablauf/ in der Messe vorkommen, weil ich es so praktischer fand. Den Messpart habe ich dabei kursiv gesetzt, so dass die optische Unterscheidung leichter fällt.

Einzelne Begriffe muss ich vermutlich nach und nach zusätzlich erläutern, weil die zu  spezifisch sind.

 

GRUNDSÄTZLICHES

Eine Messe findet für gewöhnlich in einer speziell dafür gebauten Kirche statt. Die Räumlichkeiten sind entsprechend geweiht und werden nicht für andere Zwecke benutzt. Eine Messe kann aber auch außerhalb der Kirche stattfinden, z.B. häufig an Allerheiligen auf dem Friedhof. Geleitet wird eine Messe in jedem Fall von einem Priester. Unterstützt wird er häufig von Gemeindemitgliedern, die als Messdiener, Lektoren, Kommunionhelfer und Kollektanten fungieren, außerdem gibt es meist noch einen Organisten, der für die musikalische Begleitung sorgt.

Die Messe folgt einem festgelegten Aufbau. Viele Teile sind dabei textlich vorgegeben und immer gleich.

Ein druidisches Ritual findet selten in einem speziell für diesen Zweck gebauten Tempel oder Nemeton statt.

Es kann von einem einzelnen Priester geleitet werden. Meistens sind bei Gruppenrituale jedoch viele Teilnehmer in den unterschiedlichsten Funktionen involviert: Die einzelnen Ritualbausteine werden von verschiedenen Leuten gesprochen und ausgeführt, die dazu nicht ADF-Priester sein müssen. Liturgen können das Ritual geschrieben haben, Barden gestalten musikalische und erzählerische Aspekte etc., jemand hütet das Feuer, usw.

In einem Soloritual übernimmt man halt selbst alle Aufgaben.

Der Ritualablauf in seinen Kernelementen ist festgelegt. Dabei gibt es jedoch Variationen in der Reihenfolge und teilweise zusätzliche Bausteine, die nicht obligatorisch sind.

 

EINZUG

Die Gläubigen haben sich auf die Messe vorbereitet. Sie beginnt durch ein akustisches Signal (Glocken läuten),Gesang und den Einzug von Priester und Assistenten.

Häufig findet vorab eine kurze Meditation statt, bevor alle Teilnehmer den Hain betreten. Meist gibt es ein akustisches Signal zu Beginn: Ein Begrüßungslied oder Glockengeläut.

 

BEGRÜßUNG/BEGRÜNDUNG

Der Priester begrüßt die Gemeinde. Er nennt oft den aktuellen (Fest-)Tag im liturgischen Jahreskreis.

Ein Teilnehmer (TN) gibt eine Einführung in das aktuelle Ritual und begründet, warum es gefeiert wird. Das kann ein ganz spezieller Anlass sein (Hochfest etc.), aber auch einfach ein: “Wir sind hier, um unseren Bund mit den Kindred zu bestätigen.”

 

SCHULDBEKENNTNIS & KYRIE/REINIGUNG

Die Gläubigen gestehen ihre Schuld/ihre Fehler ein und bitten Gott um Vergebung.

Rituale werden meist nicht an speziell dafür angelegten und ausschließlich dafür genutzten Räumen abgehalten. Die TN reinigen daher sowohl den Ort als auch sich selbst mit Rauch und Wasser von allem, was ihn und sie belastet und davon abhalten könnte, sich ganz auf das Ritual zu konzentrieren. Manche Gruppen geben an dieser Stelle auch eine Gabe an die ‚Außenseiter‘, und bitten diese Störfaktoren, für die Dauer des Rituals fernzubleiben.

Die Reinigung ist ein flexibles Element, das lediglich von Erschaffung des Kosmos stattgefunden haben sollte.

 

MUTTER ERDE ANRUFEN

Es gibt nichts Vergleichbares.

Die TN begrüßen die Mutter Erde, bringen ihr ein Geschenk und machen sich bewusst, dass wir durch die Erde alle miteinander verbunden sind. Sie ist das verbindende Element, das uns trägt und hält.

 

DEN KOSMOS (WIEDER) ERSCHAFFEN

Grundsätzlich gibt es innerhalb der Messe kein vergleichbares Element. Mircea Eliade weist in seinem Buch ‚Das Heilige und das Profane‘ jedoch daraufhin, dass sich auch im Kirchenraum die drei ‚Heiligtümer‘ wiederfinden:

Das Feuer brennt als ewiges Licht im Tabernakel.

Das Wasser wird sowohl durch das Taufbecken als auch den Kelch repräsentiert und in gewisser Weise auch durch die Weihwasserschalen am Eingang.

Der Baum kann in Form des Kreuzes wiedergefunden werden, als zentralem Dreh- und Angelpunkt einer Kirche.

 

Nun kreieren die TN einen heiligen Raum, indem wir die Erschaffung des Kosmos nachvollziehen/wiederholen. Entscheidend sind dabei die drei ‚Heiligtümer‘: das Wasser, das Feuer und der Baum. Minimal muss eine Repräsentation des Feuers vorhanden sein, ansonsten gibt es Variationen, die abhängig sind von der heidnischen Herdkultur und den örtlichen Gegebenheiten.

Die Erschaffung des Kosmos ging einher mit der Erschaffung der Naturgesetze, der Ordnung, die ‚die Welt im Innersten zusammenhält‘. Im Chaos des Urknalls bildeten sich Gesetzmäßigkeiten, die der Welt bzw. Dem Kosmos eine Struktur gaben und so Leben ermöglichten. Es war und ist die Aufgabe der Götter, diese Ordnung zu schaffen und zu erhalten.

Das Feuer ist die Repräsentation des Himmels,ihres Sitzes.

Das Wasser ist das gegenteilige Element: Es ist ebenso lebenswichtig und fruchtbarkeitsspendend wie die Sonne, gilt aber auch als Quelle von Weisheit und Inspiration, die bis tief ins Erdinnere hinabreicht. Es ist die Kontaktstelle zu den Vorfahren. In vielen Mythologien wird erzählt, dass man nach dem Tod über ein Gewässer in das Reich der Toten gelangt.

Übrigens ist das nicht die einzig mögliche Deutung: Genauso kann man an dieser Stelle die beiden Funktionen andersherum interpretieren. Da das Heidentum nicht dogmatisch ist, bleibt diese Auslegung einem selbst überlassen.

Beides, das Feuer in der Höhe und das Wasser ist der Tiefe, werden verbunden durch den Weltenbaum, Nahtstelle zwischen Himmel und Erde. Er bildet das Tor zu den Naturgeistern, den Elementen, die die Welt um uns herum hegen und pflegen.

Sicherlich könnte man noch ganze Bände zu diesem Thema füllen. Ich lasse es aber jetzt hierbei. Wer dazu Fragen hat, kann mir ja gerne einen Kommentar hinterlassen.

 

DEN HÜTER DER TORE ANRUFEN UND DIE TORE ÖFFNEN

Es gibt nichts Vergleichbares.

Der Hüter der Tore fungiert als eine Art Mediator. Er ist meist eine Gottheit, die als Grenzwandler gilt,z.B. ein Psychopomp. Seine Funktion im Ritual ist es alle Teilnehmer unter einen Hut zu bringen. Häufig haben die Anwesenden unterschiedliche Herdkulturen, arbeiten z.B. schwerpunktmäßig mit dem nordischen, griechischen, slawischen oder einem keltischen Pantheon. Der Hüter der Tore sorgt gewissermaßen für eine Tischordnung, bei der alle zufriedengestellt werden und es keinen Streit gibt.

Das Umwandeln der drei Heiligtümer in Tore und das damit verbundene Öffnen der Tore ermöglicht die direkte unmittelbare Kontaktaufnahme zu den Kindred: den Göttern, den Vorfahren und den Naturgeistern! Vielleicht kann man es mit einem Telefonanruf vergleichen. Natürlich kann ich auch einen Brief schicken, aber es dauert länger und geht über Mittelsmänner (die Post).

 

GLORIA, PRÄFATION, HOCHGEBET, TAGESGEBET/ ANRUFEN DER KINDRED UND EHRUNG

Gloria, Präfation und Hochgebet sind Schritte, die alle die Gemeinde in ihrer Verbundenheit mit Gott bestärken sollen und Gott ehren.

Das Tagesgebet dient den einzelnen Gemeindemitgliedern dazu sich auf die Gegenwart Gotte zu besinnen und ein persönliches stilles Gebet zu sprechen.

 

Nach dem Öffnen der Tore rufen die TN die Kindred an, einzeln oder alle zusammen: Wir laden sie ein, am Ritual teilzunehmen, heißen sie an unserem Feuer willkommen und erweisen ihnen unseren Respekt, indem wir ihnen Geschenke in Form von materiellen Gaben, aber auch Liedern und Gedichten etc. machen.

Anders als bei anderen heidnischen Ausrichtungen werden keine Götter invoziert, was meiner Meinung nach eher mit ‚Du MUSST jetzt kommen‘ verbunden ist.

Anschließend wird ggf. noch eine spezielle Gottheit besonders gerufen und geehrt: Wer das ist, hängt vom Anlass des Rituals ab.

Zuletzt besteht bei Gruppenritualen meist noch die Möglichkeit, dass jeder einzelne eine persönliche Gabe überreichen kann (Opfergabe).

 

LESUNG, HALLELUJA UND EVANGELIUM

In der Lesung wird normalerweise ein Text aus der Bibel vorgetragen, oft aus dem alten Testament. Das Evangelium hingegen stammt immer aus dem neuen Testament, weil es die Botschaft Jesu weitergibt.

Das Heidentum allgemein ist keine Buchreligion. Daher ist vieles zum einen nicht festgelegt, zum anderen aber auch verloren gegangen. Die meisten Herdkulturen haben noch einzelne Elemente einer Mythologie vorzuweisen, manche mehr (römisch, griechisch, nordisch, …), manche weniger (gallisch, germanisch…) Manchmal wird im Rahmen der Kernarbeit oder der Ehrungen ein Mythos nacherzählt. Ansonsten gibt es hier aber keine Parallelen.

 

PREDIGT/OMEN ZIEHEN

Die Predigt dient der Auslegung des Wortes Gottes und soll einen aktuellen Bezug herstellen.

Bis zu diesem Punkt diente das Ritual dazu, den Kindred gewissermaßen Energie zuzuführen. Wir haben sie ‚gefüttert‘, damit sie nun ihrerseits ihre Energie zu unserem Nutzen freisetzen können.

Das Omen ist hierbei der erste Schritt. Wir verwenden Hilfmittel, um zu erfragen, was uns die Kindred mitteilen wollen. Dabei kann es sich um Karten handeln, Runen, Oghamsteine oder anderes. Es kann eine konkrete Frage gestellt werden, aber das wird für gewöhnlich vorab besprochen.

Es ist hilfreich, wenn sich ein Teilnehmer gut damit auskennt und das gezogene Omen für die Gruppe interpretieren kann.

 

CREDO und VATERUNSER

Das Glaubensbekenntnis und das Vater unser sind eine Zusammenfassung der Glaubensinhalte des Christentums.

 

Es gibt zwar den Wicca-Grundsatz ‚Es ist erlaubt, solange du keinem Schaden zufügst.‘ und die 9 Tugenden in unterschiedlichen Ausrichtungen. Nichts davon ist jedoch ähnlich dogmatisch und festgelegt wie im Christentum. Das Druidentum stellt die Herausforderung an seine Gläubigen/Anhänger, sich ein eigenes Bild zu machen und nach diesen Grundsätzen zu handeln.

 

FÜRBITTEN UND FRIEDENSGRUß/PERSÖNLICHE GABEN UND KERNARBEIT

Die Fürbitten sind gemeinschaftlich vorgetragene Bitten oder individuell formulierte Gebete um das Wirken Gottes für bestimmte Ziele. Der Friedensgruß soll die Verbundenheit der Gläubigen bezeugen und die Gemeinschaft der Kirche ausdrücken.

Zu den persönlichen Gaben habe ich bereits etwas erzählt.

Der Punkt Kernarbeit ist ein optionaler Baustein. Er kommt zum Einsatz, wenn man mit dem Ritual einen bestimmten Zweck vefolgt: ein Hochfest, Heilung, Schutz, Hochzeit/Handfasting, …. Die Kernarbeit findet immer erst nach der Kommunion statt.

 

GABENBEREITUNG, AGNUS DEI und KOMMUNION/SEGNUNG DES WASSERS UND KOMMUNION

In der Gabenbereitung bzw. Wandlung werden Hostie und Wein in den Laib und das Blut Christi verwandelt. In der Kommunion wird das letzte Abendmahl von Jesus mit seinen Jüngern nachvollzogen. Die Gläubigen nehmen an dieser Mahlgemeinschaft teil.

Zunäacht teilen die TN den Kindred mit, dass sie nun auch bereit sind für deren Gaben. Bei der Segnung des Wassers (das auch Wein, Met, Whiskey, Saft oder irgendein anderes Getränk sein kann) rufen die TN den Segen der Kindred in dieses Wasser hinein. Sie bitten sie es mit ihrem Segen zu erfüllen (und damit zu verwandeln), damit ihr Segen dann die erfüllt, die davon trinken. Anschließend wird das Getränk ausgeteilt an alle Teilnehmer. Dabei kann man auch mehrere Runden machen und bei jeder Runde einem anderen Gott speziell zuprosten. Bleibt noch ein Rest über, so kann dieser später Mutter Erde gegeben werden. Häufig findet eine kurze Meditationsphase statt, in der jeder für sich selbst noch einmal nachvollzieht, was dieser Segen für ihn persönlich beinhaltet.

Bevor es jetzt Verwirrung gibt: Ich ziehe den Begriff Kommunion trotz des christlichen Bezugs allen anderen Varianten vor, weil ich finde, dass er am besten ausdrückt, wie vielfältig dieser Schritt ist. Es geht um den Erhalt des Segens, um die Gemeinschaft mit den anderen Teilnehmern, um die Gemeinschaft mit den Kindred, und nicht zuletzt um ein gemeinsames Feiern. Vermutlich wird man diese Wortwahl sonst aber nirgends finden. 🙂

 

DANKGEBET/BESTÄTIGUNG DES SEGENS UND DANKGEBET

Der Priester dankt stellvertretend für die Gemeinde Gott.

Anschließend bestätigen die Teilnehmer, dass sie gesegnet wurden und danken den Kindred und allen, die am Ritual teilgenommen und mitgewirkt haben.

 

VERABSCHIEDUNG

Dieser Punkt entfällt.

Die TN verabschieden nun entweder nacheinander oder im Paket die Kindred, den Hüter der Tore und Mutter Erde. Manchmal wird noch einmal abschließend der Festanlass zusammengefasst. Bei der Verabschiedung des Hüters der Tore werden auch die Tore wieder geschlossen. Bei der Verabschiedung von Mutter Erde danken die TN ihr für ihre Unterstützung und geben ihr zurück, was wir nicht gebraucht haben, z.B. überzählige Opfergaben, den restlichen Wein aus dem Kelch …. Ich persönlich mische den Rest des Weins immer mit dem Wasser aus meiner Heiligen Quelle (einer großen Jakobsmuschel) und übergebe es dann der Erde.

 

SCHLUSSGEBET UND ENTLASSUNG

Mit dem Schlussgebet und Segen und einem abschließenden Lied zum Auszug wird die Messe beendet.

Das Ritual wird durch ein abschließendes Gebet oder Lied beendet, oder auch ein akustisches Signal wie zu Beginn.

Der indoeuropäische Mythos vom Kampf zwischen dem Sturmgott und dem Drachen

3. April 2016

Dieser Mythos taucht in den verschiedensten indoeuropäischen Kulturen auf. Bekannt ist der ewige Kampf zwischen dem nordischen Donnergott Thor und der Midgardschlange (Kind von Loki, dem Chaosstifter). Auch bei den Galliern gab es eine Variante, denn der Donnergott Taranis wird gelegentlich im Kampf mit einem Ungeheuer (Cernunnos als Gott der wilden, chaotischen Natur und Führer zur Unterwelt) dargestellt.

Ich  möchte euch heute die Geschichte von Perún und Veles erzählen, zwei slawischen Göttern. Perún ist der slawische Sturm und Blitzegott, Beschützer der Ackerbauern. Er wohnt oben im Weltenbaum (bei den Slawen ist das eine Eiche) und wacht von dort aus in Gestalt eines Raubvogels über die Ordnung in der Welt. Er bringt den Regen und sorgt dafür, dass die Erde fruchtbar sein kann. Er ist auch ein Kriegsgott, der von den Kämpfern angerufen wird.

Tief unten, an den Wurzeln des Weltenbaums ist das Reich von Veles. Er ist der Gott des Totenreichs, der Hirten und des Viehs. Er hat eine enge Verbindung zum Wasser und gilt als Gott des Handels und der Magie. Er ist auch ein Gestaltwandler: Häufig sieht man ihn in Form eines Drachen oder einer Schlange. Gerne ärgert Veles Perún, indem er sich auf die Erde schleicht und Perúns Vieh stiehlt.

So geschah es eines Tages: Veles schlich sich als Schlange aus seinem Reich unten am Weltenbaum und entführte einige Kühe von Perúns Herde. Dieser bemerkte jedoch, was Veles getan hatte und verfolgte ihn. Von seinem hohen Punkt oben im Weltenbaum konnte Perún gut sehen, wo sich Veles versteckte, und schleuderte mit Blitzen nach ihm. Veles flüchtete: Er versteckte sich unter Steinen, hinter Bäumen, Menschen und Häusern, er verwandelte sich in verschiedene Tiere. Perún fand ihn jedes Mal, traf aber nicht, den Veles war schnell.

Schließlich griff Perún zu einer List. Er flog hinab vom Baum und näherte sich ganz unauffällig Veles, der sich gerade in einen Hund verwandelt hatte. „Was für ein schöner Hund!“, rief Perún. „Na, du bist ja ein Braver, komm mal her, ich habe da was für dich!“ Und der Gott der Stürme holte ein Stückchen Fleisch aus seinem Beutel und hielt es dem Hund hin. Dieser war erst skeptisch, aber dann kam er näher und ließ sich füttern und streicheln.

Mit einem Mal packte Perún den Hund, hob ihn hoch über den Kopf und schleuderte ihn weit hinaus in den nächstgelegenen See, um ihn zu ertränken. Das ging natürlich nicht: Veles war ja auch der Gott des Wassers, und darum kehrte er durch den See einfach in sein unterirdisches Reich zurück. Vielleicht kennt ihr das auch aus einigen Märchen, in denen sich am Grund eines Brunnens oder Sees eine Tür verbirgt, durch die man in eine andere Welt kommt. Genau das hat Veles gemacht.

Perún aber war zufrieden: Er hatte den chaotischen Gegner und Dieb vertrieben und die Ordnung wieder hergestellt. „Dort ist dein Platz, bleib da!“, rief er Veles zu, als er zur Spitze des Weltenbaums zurückkehrte.

Und Veles blieb dort bis nächsten Mal, als er sich in eine Schlange verwandelte, seine alte Haut abstreifte und gewissermaßen neugeboren wurde.

 

Was will uns diese Geschichte nun sagen? Veles und Perún stehen hier nicht etwa nur als Gut und Böse. Besonders Veles ist zu vielschichtig, um auf diesen einfachen Gegensatz beschränkt zu sein. Vielmehr handelt es sich um den Kampf zwischen zwei gegensätzlichen Naturgewalten: Perún – Himmel, hitzköpfig/trocken, stürmisch und Veles – Erde und Wasser, eher magisch/kopflastig. Die Slawen hielten diesen Kampf für die Erklärung, warum es Gewitter gab und glaubten, wenn etwas vom Blitz getroffen wurde, dann habe sich Veles auf seiner Flucht vor Perún dort versteckt. Das Vieh in der Geschichte ist möglicherweise ein Symbol für den Regen: Veles ist der Gott des Wassers, Regen gehört aber dem Himmel. Regen wurde dringend benötigt, um die Felder zu bewässern. Insofern passt es, dass der Himmelsgott Perún auch der Gott der Ackerbauern ist. Wenn der Regen nun ausbleibt (weil er gestohlen wurde), dann droht Chaos in Form von Missernten und Hungersnöten. Indem Perún Veles verjagt, bringt er alles wieder in Ordnung und sorgt so für eine gute Ernte.

Die Slawen hielten diesen Mythos für so wichtig, dass sie ihn auch auf das Christentum übertrugen. Hier nahmen Gott und der Teufel die Stellen von Perún und Veles ein. Die beiden Götter wurden aber auch durch Heilige ersetzt. Interessanterweise scheint es dabei so zu sein, dass der vermeintlich negativ besetzte Veles als heiliger Nikolaus und Gabenbringer durchs Land zieht, der das Volk beschützt, während der ursprüngliche Held dieses Mythos, Perún, dem finsteren bedrohlichen St. Elias gleichgesetzt wird, der ebenfalls Bllitze schleudert. Nur, dass dies nicht mehr positiv bewertet wird.

Da unsere Nachbarstadt Geldern sich ja rühmt, dass dort St. Georg einen Drachen erschlagen habe, frage ich mich jetzt natürlich, ob es da vielleicht auch Verbindungen zu diesem Mythos gibt.

Für die Figur des Perún stehen auch noch andere Götter zur Verfügung. Möglicherweise wurde der jeweilige Haupt-Himmelsgott damit besetzt.

Wer mehr über slawische Mythologie wissen möchte, findet hier ein bisschen:

Mehr über slawische Mythologie (wie wissenschaftlich fundiert das ist, weiß ich allerdings nicht, aber die Götterstatuen sind sehr inspirierend)

Wikipedia – Slawische Mythologie

Bücher:

Puhvel, Jaan – Comparative Mythology

Jones, Prudence and Pennick, Nigel – A history of Pagan Europe