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Lughnasadh-Soloritual 2016

11. Juli 2016

Mit diesem Ritual kehre ich zu meinen gallischen Wurzeln zurück.

 

Zweck

Der Sommer neigt sich dem Ende entgegen,

und obwohl man es kaum merkt,

werden die Tage kürzer udn die Nächte kälter.

Die Sonne hat ihren Zenit überschritten,

das Land seine volle Fülle erreicht.

Ich bin hier, um das Land zu ehren,

Rosmerta und all ihre Gaben, die sie bereitwillig hergibt.

Ich bin hier, um Lugus zu ehren,

den Geschickten, der ihre Gaben nimmt und zu aller Nutzen verwandelt.

Ich bin hier, um meinen Bund mit den Kindred und allen Lebenwesen zu bestätigen:

Auch, wenn ich allein hier stehe, weiß ich, dass ich ein Teil des Großen Ganzen bin, Teil meines Volkes, der Menschheit, der Bewohner des Planeten Erde.

Als solches akzeptiere ich meine Verpflichtungen, die damit einhergehen, und meine Verbundenheit.

 

Reinigung

(Teil 1 nach Ceisiwr Serith, Teil 2 nach Ian Corrigan in Übersetzung von Ishtar vom Sternenkreis?)

Möge ich rein sein, damit ich die Grenzen überschreiten kann. (Stirn mit Wasser benetzen)

Möge ich die Grenzen überschreiten, um dem Heiligen zu begegnen. (Lippen mit Wasser benetzen)

Möge ich dem Heiligen begegnen, um in allen Dingen gesegnet zu sein. (Herz mit Wasser benetzen)

Durch die Kraft des Wassers (Wasser aus dem Brunnen in alle 4 Himmelsrichtungen versprengen)

und den Rauch des Feuers (Feuerschale einmal im Kreis herumtragen):

Dieser Schrein ist hehr und heilig!

 

Mutter Erde anrufen

Braun der Boden, Mutter Erde,

krümelig in der Sommerhitze.

Blau der Himmel, Mutter Erde,

wolkenlos und unendlich.

Grün die Wiesen, Mutter Erde,

wogendes Gras in vollem Saft.

Ich bei dir, Mutter Erde,

geborgen in deiner Hand,

wenn ich über das Land schreite,

wenn ich zwischen den Welten wandle,

als Teil deines allumspannenden Netzes.

Amen!

(Opfergabe an die Erde)

Kosmos erschaffen

Am Anfang war das große Nichts, das Urmeer voller Chaos, voller Potential: Alles war möglich! Und dann verbanden sich die Elemente zu Feuer und Eis, und aus Feuer und Eis entstand das Land, und über dem Land erhob sich der Himmel.

Und auf dem Land wuchs der Weltenbaum, mit den Wurzeln tief in der Erde, die bis an die Quellen im Erdinneren reichen, und den Ästen, die hoch zum Himmel aufragen und so alle Reiche miteinander verbinden.

Hier stehe ich nun, in der Mitte von allem:

Mit dem Land unter meinen Füßen, dem Himmel über meinem Kopf und dem Meer, das mich umgibt!

Und hier in der Mitte fließt dreifach das Wasser: Das Wasser der Weisheit und Inspiration, der nährende Regen, der vom Himmel fällt und das Wasser und Blut in mir. (Opfergabe an das Wasser)

Und hier in der Mitte brennt eine dreifache Flamme: Das Feuer der Schöpfung, tief im Erdinneren, das Feuer der Sonne, warm und lebenserhaltend, und das Feuer von Herdflamme und Lebenswillen in mir. (Opfergabe an das Feuer)

Und hier in der Mitte wächst der Weltenbaum, der in alle Reiche ragt: Mit den Wurzeln in der Tiefe, mit der Krone hoch im Himmel und dem Stamm hier in dieser Welt. (Opfergabe an den Baum)

Oben und unten….. (C.S.)

Hüter der Tore anrufen und Tore öffnen

Cernunnos,

du hütest die Übergange, du wachst über die Grenzen.

Ich rufe dich, der in den Himmel blickt,

der die Welt kennt und in die Unterwelt sieht:

Richte deinen Blick auf mich, wenn ich heute den Kindred begegne.

Wache über mich, wenn ich fremde Pfade gehe.

Sei als Vermittler an meiner Seite, wenn ich die Tore öffne.

(Gabe an Cernunnos)

Nimm das Wasser und lass es zum heiligen Brunnen werden, das Tor, durch das ich meinen Vorfahren begegnen kann.

(Lied: Cernunnos, öffne die Tore)

Nimm die Flamme und lass sie zum heiligen Feuer werden, das Tor, durch das ich den Göttern begegnen kann.

(Lied: Cernunnos, öffne die Tore)

Nimm den Baum und lass ihn zum Weltenbaum werden, das Tor, durch das ich den Naturgeistern begegnen kann.

(Lied: Cernunnos, öffne die Tore)

Durch deine und mit deiner Magie: Mögen die Tore sich öffnen!

Kindred anrufen

(in Anlehnung an SDF March Equinox 2014)

Vor dem heiligen Brunnen stehe ich, im Zentrum der Welt, und rufe meine Vorfahren!

Seid mir an meinem Feuer herzlich willkommen,

Vorfahren des Blutes, des Geistes und des Herzens,

ihr, die hier vor mir wart,

ihr, die den Weg bereitet habt!

Ich bitte euch: Teilt euer Wissen mit mir und nehmt im Gegenzug meine Gaben an.

(Opfergabe an die Vorfahren, Ancestor’s song I)

Vor dem Weltenbau stehe ich, im Zentrum der Welt, und rufe die Naturgeister!

Seid mir an meinem Feuer herzlich willkommen,

Cucullati, Hüter des Hauses,

Talamonodêwoi, ihr, die diesem Land innewohnt!

Ich bitte euch: Teilt euer Wissen mit mir und nehmt im Gegenzug meine Gaben an.

(Opfergabe an die Naturgeister, Ancestor’s song II)

Vor dem heiligen Feuer stehe ich, im Zentrum der Welt, und rufe die Götter!

Seid mir an meinem Feuer herzlich willkommen,

Dêwoi, Leuchtende,

Hüter der kosmischen Ordnung!

Ich bitte euch: Teilt euer Wissen mit mir und nehmt im Gegenzug meine Gaben an.

(Opfergabe an die Götter, Ancestor’s song III)

Götter des Anlasses anrufen und ehren

Rosmerta,

du bist das Land.

In dich säen wir, von dir ernten wir.

Wir nehmen an, was du uns gibst.

Du bist der Boden unter unseren Füßen

und die Quelle unseres Reichtums.

Aus deinem Füllhorn teilst du großzügig deine Gaben aus

und lehrst uns zu geben, damit wir umso mehr zurückerhalten können.

Nimm meine Gabe an dich an,

Rosmerta!

(gebackenes Füllhorn oder Brot)

Lugus,

du bist der Geschickteste unter allen,

nicht nur Krieger,

nicht nur Zauberer,

nicht nur Handwerker,

nicht nur Künstler:

In dir vereinigen sich alle diese Fähigkeiten,

und du nutzt sie zum Wohle deines Volkes.

Von dir lernen wir, nach Können zu streben,

und unsere Gaben nutzbringend einzusetzen.

Nimm meine Gabe an dich an,

Lugus!

(Lied: ‚Lugh‘ von Kellianna, alternativ etwas, das man selbst angefertigt hat)

Geschichte von Lugus und Rosmertas Hochzeit erzählen: http://werkelwald.de/geschichte-wie-es-kam-dass-rosmerta-lugus-zum-mann-nahm/

 

Hauptopfer

Lied: Sehet mich

Omen

Ich habe euer Lied gesungen,

die Worte über euch weitergetragen.

Nun schweige ich und lausche,

was ihr mir sagen habt!

(Omen ziehen, interpretieren, annehmen)

Kommunion

Ich bitte euch nun, Kindred:

Seht diesen Kelch in meinen Händen und füllt seinen Inhalt aus Rosmertas Füllhorn und mit den Lehren des Lugus, mit den schützenden Kräften der Naturgeister und dem Rückhalt der Ahnen, damit ich, wenn davon trinke, erfüllt werde mit Gesundheit, Wohlstand und Weisheit.

3x AWEN singen, Kelch dabei von oben nach unten schrittweise absenken und zum Schluss wieder anheben:

Siehe, das Wasser des Lebens!

 

Annahme/Bestätigung des Segens

Ich habe auf euer Wohl getrunken, Kindred, und euren Segen erhalten: Möge er in mir überfließen und die berühren, die mir begegnen. Möge der Funke in mir wachsen und überspringen auf die, die meinen Weg kreuzen.

 

Kernarbeit: Lughs Segen auf Ährenherzen

Aus Gerstenähren (die mit den langen Grannen) habe ich zuvor Herzen gebastelt, indem ich zwei Halme unterhalb der Körner zusammengebunden habe, die Ähren rechts und links heruntergebogen und auf geeigneter Höhe mit den Halmen wieder zusammengebunden habe (kleines Schleifchen). Diese Herzen möchte ich anschließend and Familie und Nachbarn verschenken.

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Lugus,

geschickt in allen Dingen,

Speerträger und Schmied,

Harfner und Historiker,

Magier, Heiler, weise über dein jugendliches Aussehen hinaus,

ich bitte dich heute um deinen Segen:

Deinen Schutz für die, die mir wichtig sind!

Deine Weisheit für die, die mir wichtig sind!

Deine Geschicklichkeit für die, die mir wichtig sind!

Deine Inspiration für die, die mir wichtig sind!

Deine Heilkraft für die, die mir wichtig sind!

Ein langes Leben in Gesundheit, Weisheit und Wohlstand

erbitte ich für die, denen diese Herzen zugedacht sind.

Wie die Ähren voller reifer Körner

gehe der Segen deiner Saat in ihnen auf.

Amen!

 

Dankgebet und Verabschiedung

Kindred, ich danke euch für eure Gesellschaft und euren Beitrag.

Lugus und Rosmerta, ich danke euch!

Götter, Naturgeister und Vorfahren:

Meine Liebe geht mit euch, so wie euer Segen mich begleitet,

bis wir uns wiedersehen.

Lebt wohl!

 

Tore schließen

Cernunnos,

du hast mein Tun begleitet, als ich die Tore geöffnet und mich mit den Kindred getroffen habe.

Zwischen den Welten wanderst du und begleitest mich auf meinem Weg.

Ich danke dir und bitte dich ein letztes Mal um deine Unterstützung, wenn ich die Tore nun schließe:

Lass das heilige Feuer wieder zur Flamme werden!

Lass den heiligen Brunnen wieder zur Wasserschale werden!

Lass den Weltenbaum wieder zum einfachen Baum werden!

Lass alles sein, wie es vorher war, bis auf die Magie, die hier geschah!

Durch deine und mit deiner Magie: Mögen die Tore sich schließen!

 

Mutter Erde verabschieden

Braun, blau und grün

deine Farben im Sommer

und bunt bedecken dich die Blumen,

bevor ihre Farbenpracht Platz macht

für den Herbst und seine roten, gelben und braunen Töne.

Ich stehe hier fest auf dir, geborgen in deiner Hand,

geborgen in diesem Ritual wie zu aller Zeit:

Nimm, was ich nicht gebraucht habe,

Mutter Erde,

als Zeichen meiner Liebe und Dankbarkeit.

Lass es zurückkehren in den ewigen Kreislauf von Leben und Tod, Geben und Nehmen.

Amen!

 

Ritual beenden

Mein Ritual nähert sich dem Ende.

Ich habe den Kosmos wiedererschaffen und in seiner Mitte gestanden.

Ich habe die Fülle des Landes gefeiert und mit Lugus gelernt,

diese Fülle mit meinen Fähigkeiten zum Wohle aller zu nutzen.

Ich habe meinen Bund mit den Kindred bestätigt und gefestigt.

Nun gehe ich, allein, doch als Teil des großen Ganzen.

Die heilige Quelle ist versiegt, doch in mir fließt sie weiter.

Das heilige Feuer ist verloschen, doch in mir brennt es ewig.

Der Weltenbaum schwankt, doch ich stehe fest verwurzelt in dieser Welt.

Dieses Ritual ist nun beendet. Amen!

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Geschichte: Wie es kam, dass Rosmerta Lugus zum Mann nahm

10. Juli 2016

Anmerkung: Diese Geschichte ist kein Mythos, kein Teil irgendeiner Mythologie, sondern weitgehend auf meinem Mist gewachsen. Ich habe die irische Mythologie rund um Lugh genommen und mir überlegt, wie eine gallische Version davon aussehen könnte. Lugus gilt als Ehemann der Rosmerta, die wiederum als herrschende Göttin des Landes, seiner Fruchtbarkeit und seines Reichtums gilt.

Meine Geschichte erzählt, wie es zu dieser Ehe kam…

Eines Tages stellte Rosmerta fest, dass sie den Tagen der Jugend entwachsen war. Vorbei waren die Zeiten unschuldiger Spielerei, als sie aus dem Winterschlaf erwachte und das Land zum Blühen brachte. Keine Zeit mehr, sich mit Blüten zu schmücken! Aus der rosa und weißen Fülle war etwas anderes geworden: Über Beltaine und Mittsommer waren die Samen aufgegangen und langsam näherte sich die Zeit der Ernte. Rosmerta sah sich um und stellte fest, dass sie diese Arbeit nicht allein bewältigen konnte und wollte. Sie brauchte einen Gefährten, einen, der die Arbeit mit ihr teilte!

Und so sandte sie Boten aus, die in alle Himmelsrichtungen verkündeten, dass die Königin des Landes einen Mann für’s Leben suche, der gemeinsam mit ihr regieren solle! Da kamen sie in Scharen: Männer, Geister und Götter, die gerne den Platz neben der Königin einnehmen wollten. Rosmerta rief sie alle vor ihren Thron:

“Ihr wollt mein Lebensgefährte sein? Den Weg mit mir gehen und die Herrschaft mit mir teilen?”

“Ja!”, riefen sie.

“Nun”, sprach Rosmerta da, “ihr wisst, was ich euch zu bieten habe. Doch ich weiß wenig über euch, und ihr seid viele! Schwer ist es da, den besten von euch zu wählen! Daher stelle ich euch folgende Aufgabe: Bringt mir das Beste, was ihr zu bieten habt! Ein jeder von euch soll es mir vorführen. Dann will ich wählen.”

Einige Tage vergingen mit Vorführungen: Da waren Sänger, die ein Lied oder Gedicht vortrugen, Krieger, die Rosmerta ihre Beute zu Füßen legten, Handwerker, die ihre schönsten Stücke darbrachten, Zauberer, die ihren raffiniertesten Trick zeigten, und und und.

Rosmerta sah sie alle und sagte nichts.

Schließlich stand nur noch ein junger Mann dort und wartete darauf, an die Reihe zu kommen. Als sie winkte, trat er vor ihren Thron. “Wie ich sehe, hast du nichts mitgebracht.”, sprach Rosmerta. “Was willst du mir denn dann zeigen?”

Der junge Mann lächelte. “Ich habe mich mitgebracht, mit all meinen Fähigkeiten. Alles, was ich weiter benötige, das hast du bereits.” “Nun,”, erwiderte die Göttin skeptisch. “dann bin ich aber gespannt.”

Da nahm der junge Mann die Fruchtbarkeit der Erde und schuf aus ihrer reichen Fülle eine schmackhafte Mahlzeit, die alle Anwesenden für den Rest des Fests und noch lange darüber hinaus ernähren sollte.

“Du bist ein guter Koch!”, gab Rosmerta zu. “Aber gute Köche gab es einige.”

Da nahm der junge Mann das Metall aus dem Erdinneren und schuf daraus einen Schild und einen Speer, wie sie gewaltiger nicht sein könnten.

“Du bist ein guter Schmied!”, lobte Rosmerta. “Doch wir haben schon einige gute Schmiede gesehen.”

Da nahm der junge Mann Schild und Speer und plötzlich waren da ein ganzes Heer an gefährlichen Gegnern, doch der Schild schützte alle Anwesenden, so groß war er, und der junge Mann besiegte einen Gegner nach dem anderen, bis der letzte schließlich vor seiner großen Kraft floh.

“Du bist ein hervorragender Kämpfer!”, gestand Rosmerta ein. “Wie so viele deiner Mitbewerber.”

Da nahm der junge Mann die Schönheit der Erde, und er formte sie zu Versen, so wunderbar, dass es den Zuhörern Tränen in die Augen trieb.

“Was für ein bezauberndes Gedicht!”, rief Rosmerta. “Es ist den schönsten Gedichten, die ich heute gehört habe, ebenbürtig.”

Da zupfte sich der junge Mann ein paar seiner goldblonden Haare aus und nahm die Tränen seines Publikums und formte daraus eine Harfe. Auf dieser spielte er nun und sang dazu seine Verse als Lied und die Harfe klang so rein, dass Freude in allen Herzen aufstieg.

“Oh, wie schön.”, sprach Rosmerta. “Doch ein guter Musiker macht noch keinen guten Ehemann.”

Da nahm der junge Mann die ganze Geschichte der Erde und erzählte sie.

“Wie gut du mich kennst.”, war Rosmerta ganz verblüfft. “Doch mir geht es um die Zukunft, nicht um die Vergangenheit.”

Da nahm der junge Mann das Wasser der Erde, verzauberte es und sah hinein, und er sah, was die Zukunft zu bieten hätte. Und seine Worte waren weise.

Da gab sich Rosmerta geschlagen: “Du bist ein guter Arbeiter. Du verstehst es, das Volk zu ernähren und zu beschützen. Du erfreust mein Herz mit Poesie und Gesang. Und du bist weise und zauberkräftig. Viele traten vor meinen Thron, die eines dieser Dinge besonders gut beherrschten, und ich bewundere ihre Fähigkeiten. Doch nur einer beherrschte alle diese Dinge zugleich. Wie lautet dein Name, mein künftiger Gemahl?”

“Ich heiße Lugus.”, gab er zurück, und als er sein Haar zurückwarf, leuchtete es auf wie die Sonne. “Und ich gebe mich dir hin mit all meinen Fähigkeiten.”

Da nahm Rosmerta Lugus zum Mann und ihre Beziehung war fruchtbar und zum Wohle für das ganz Volk.