Category: ADF

Gottheit der Woche 34: Sucellus

22. Mai 2018

Ich rufe Sucellus,

den Gott des Weins!

Huxelrebe und Riesling

gedeihen unter deiner Obhut,

Beaujolais und Muskateller

verwandeln sich in köstliche Getränke.



Gefährte von Nantosuelta,

ich grüße dich

und heiße dich an meinem Feuer willkommen.

Wenn dies auch kein Weinanbaugebiet ist,

so wissen wir deine Gaben hier doch zu schätzen!

Ich bitte dich:

Nimm Platz in dieser Runde und teile deine Gaben mit mir:

Die Freude über gut getane Arbeit,

die Freude am gelungenen Werk!

Ich teile diesen Becher Wein mit dir

als Zeichen meiner Anerkennung!



In English:

I call to Sucellus,

god of wine!

Huxelrebe and Riesling

grow under your caring hand,

Beaujolais and Muskateller

transform into delicious beverages.


carrier of the hammer,

partner of Nantosuelta,

I greet you

and welcome you at my fire.

Although this isn’t a wine-growing district

we hold your gifts in high regard.

I ask you:

Take a seat and share your gifts with me:

the joy abouth a work well-done,

the joy about a perfect creation!

I will share this cup of wine with you

as a sign of my respect.

Gottheit der Woche 30: Svarog

22. Mai 2018

Himmelsgötter gibt es viele,

aber nur einer hat es geschafft,

nach Vollendung seiner Arbeit das Szepter weiterzugeben

und eine neue Generation ans Ruder zu lassen,

ohne Kampf, ohne Hass.




Schöpfer von Erde, Sonne und Feuer,

für diese einzigartig Leistung kann man dich nur bewundern.

Du standest in deiner Schmiede

und gabst dem Kosmos seine Gestalt

und den Dingen ihre Ordnung.

Und dann ziehst du dich zurück

und überlässt es anderen Göttern,

dein Werk weiterzuführen.

Wie selbstbewusst musst du sein,

wie sehr in dir ruhen,

dass du es nicht nötig hast,

um deine Macht zu kämpfen!


ich heiße dich an meinem Feuer willkommen!

Bade mich in den Strahlen deines Himmelslichts,

und lass so ein wenig von deinem Wissen auf mich übergehen!

Meine Gaben für dich liegen bereit!


In English:

There a many gods of the sky,

but only one was able

to pass the sceptre/scepter to the next generation

after finishing his work,

without a fight, without hatred.



Shining One,

creator of earth, sun and fire,

we stand in awe

in front of this exceptional deed.

You were there in your smithy,

shaping the cosmos

ordering everything.

And then  you retire,

and let other gods

continue with your work.

How self-assured does one have to be,

how balanced,

that you don’t feel the need

to fight for your power!


I welcome you at my fire!

Bathe me in the rays of your heavenly light

and let me absorb a little bit of your knowledge that way.

My gifts for you are prepared.

Gottheit der Woche 32: Tyr

22. Mai 2018

Ich grüße dich, Tyr,

einarmiger Ase!

In deinem Dilemma möchte ich nicht stecken.

Um die kosmische Ordnung zu bewahren und Ragnarök zu verhindern,

musst du,

der doch der Gott des Rechts und des Thingfriedens ist,

selbst das Recht brechen

und das Versprechen, das du dem Fenriswolf gegeben hast, nicht einhalten.

Wie du dich auch entscheidest:

Du kannst es nicht allen recht machen.

Irgendwem wirst du zwangsläufig auf die Zehen treten.

Vor diesem Problem stehe auch ich des Öfteren,

und habe daher umso mehr Respekt für deinen Mut

und deine konsequente Haltung!

Lehre mich, Himmelskrieger, ein wenig von deinem Wesen,

wenn du dich an mein Feuer setzt

und meine Gaben annimmst!


In English:

Greetings, Tyr,

one-armed Aesir!

I don’t want to be in your place,

don’t want to hold the wolf by the ears instead of you.

To secure the cosmic order and prevent Ragnarök,

you, the god of justice and thing peace,

had to break the law yourself and

not fullfill the promise you gave the Fenriswolf.

However you would decide:

You couldn’t satisfy all sides.

You had to step on someone’s toes for sure.

That is a problem that I encounter, too, every now and then,

and that is why my respect for your courage and consequence grow every time.

Teach me, sky warrior, a bit of your way of life,

when you sit down at my fire

and take my offerings!

Gottheit der Woche 29: Sif

21. Mai 2018

Von grün zu gelb zu goldbraun

wechselt das Feld im Laufe des Jahres seine Farbe.

Ich stehe am Rand und beobachte,

wie ein leichter Wind dein Haar zum Beben bringt,


Wellenkämme in einem Getreidemeer.

Göttin der reichen Ernte,

deren goldene Pracht den Menschen so wichtig war,

dass sie eine Geschichte darüber erzählten,

ich grüße dich und heiße dich an meinem Feuer willkommen.

Bald beginnt die Ernte,

wird das Getreide gemäht

und das erste Brot daraus gebacken.

Deine Gaben sorgen dafür,

dass sich Krieger in Bauern verwandeln,

dass aus Kampf und Tod ein friedlicher Wettbewerb wird,

dass statt Ruhm und Ehre das Wohlergehen der Familie im Vordergrund steht.

Gemeinsam mit deinem Mann wachst du über diese Zeit.

Ich bitte dich, goldhaarige Götting:

Lehre mich, meine persönliche Ernte einzufahren,

mit dem Fokus auf dem Wohlergehen meiner Familie

und meinen eigenen Zielen.

Hab im Gegenzug Anteil an meiner Ernte,

und nimm meine Gaben für dich an!


In English:

Green, yellow, golden brown,

the field is changing its colors as the wheel of the year is turning.

I stand at its border and watch

as a small breeze makes your hair shiver,


crests in an ocean of corn.

Goddess of the abundant harvest,

whose golden hair was so important to the people

that they created an own story for it,

I greet you and welcome you at my fire.

Soon the ahrvest will start,

the corn will be mowed

and the first bread will be baked from it.

Your gifts make warriors change into farmers,

change war and death into a peaceful competition,

make the responsibility for the well-being of the family more important that fame and honor.

You and your husband preside over this time.

I ask you, golden haired goddess:

Teach me to bring my own harvest in,

with the focus on my family and my own goals.

Let me share parts of my harvest with you in return.

Gottheit der Woche 33: Esus

21. Mai 2018

Ich grüße den Mann mit der Axt,

der Pfleger der Ordnung,

den Gott, der die wilden Triebe beschneidet, dem Baum seine Form gibt.

Esus, ich bitte dich:

Teile deinen Mut, Grenzen zu setzen, mit mir,

deine Mäßigkeit, nicht zu sehr einzugreifen,

und die verbesserte Fruchtbarkeit und Produktivität, die daraus hervorgeht.


Ich grüße den Mann mit der Weitsicht,

einer Vision von der Zukunft,

einer Ahnung davon, was werden kann, den sehenden Gott.

Esus, ich bitte dich:

Teile deine Visionen mit mir,

deine Weisheit

und die Disziplin und Ausdauer, die erforderlich ist, um dabei einen klaren Kopf zu behalten.


Ich grüße den Gefährten des Stiers und der Kraniche,

den, der um seinen Platz im Kosmos weiß.

den, der zu sich und seinen Überzeugungen steht.

Esus, ich bitte dich:

Teile dein Gefühl der Pflichterfüllung gegenüber Göttern und Menschen mit mir,

deine Integrität und nicht zuletzt:

Nimm meine Gastfreundschaft an,

hier zwischen Quelle, Feuer und Baum!

Dieses Geschenk möchte ich dir machen.


Manche sehen in Teutates den Gärtner. Für mich ist diese Rolle eher Esus zugedacht, wie ihr an diesem Text sehen könnt.


In English:

I call out to the man with the axe,

the caretake of order,

the god who cuts the wild sprouts and shapes the tree.

Esus, I ask you:

Share your courage to set boundaries with me,

your temperance to to cut too much

and the optimized poructvity and fertility that stems from your work.


I call out to the man with the far-sightedness,

a vision of future,

a hint of what can be, the seeing god.

Esus, I ask you:

Share your visions with me,

your wisdom

and the discipline and perseverance that is necessary to keep a clear mind.


I call out to the companion of the bull and the cranes,

the one, who knows about his place in the cosmic picture,

that one who stands true to his opinions.

Esus, I ask you:

Share your sense of duty and piety against the gods and humankind with me,

your integrity and not at least:

Accept my hospitality,

here, between fire, well and tree,

and the gifts I have for you!


Some see Teutates as the divine gardener. As you can see from this text that role is more like a job for Esus in my opinion.



Gebet vor einer Klassenarbeit

30. April 2018

Gleich schreibt (…) eine Arbeit.

Er/Sie hat fleißig dafür geübt.

Kindred, schenkt ihm/ihr eure Unterstützung:

Heimdall, dich bitte ich um Fokus und Zielstrebigkeit, damit er/sie sich nicht ablenken lässt von irgendwelchen Kleinigkeiten!

Tyr, dich bitte ich um Ausdauer und Disziplin, damit er/sie die Arbeit auch beendet!

Odin, dich bitte ich um einen kühlen Kopf und klaren Verstand, damit er/sie die Aufgaben gründlich liest und die Fragestellung analysiert!

Frigga, dich bitte ich um Planung und Struktur, damit er/sie weiß, was er/sie benötigt, wie man vorgehen muss und die Aufgabe innerhalb der vorgegebenen Zeit schafft!

Saga, dich bitte ich um Inspiration und eloquente Wortwahl, damit er/sie die Antworten gut und ausführlich genug formuliert!

Schenkt ihm/ihr heute ein wenig von euren Gaben, so wie ich euch dieses Geschenk hier mache!

Gottheit der Woche 20: Taranis

2. April 2018

Ich rufe Taranis, den Leuchtenden!

Der Donner rollt.

Ich rufe Taranis, der über den Himmel regiert!

Der Donner rollt.

Ich rufe Taranis, der den Regen bringt!

Der Donner rollt.

Ich rufe dich:

Bringer der kosmischen Ordnung,

Bewahrer der Kontinuität!

Ohne dich würde uns der Himmel buchstäblich auf den Kopf fallen!

Du hältst das Chaos fern,

und du treibst das Rad des Jahres voran,

den Prozess von Tod und Erneuerung,

von Leben und Sterben,

von Frühling, Sommer, Herbst und Winter!

Dein Blitz sei mein Feuer, Taranis,

und ich lade dich ein:

Teile mein Feuer mit mir,

und teile dein Wissen mit mir!

Lehre mich, was du zu geben hast,

und nimm, was ich dir zu geben habe.



In English:

I call to Taranis, the Shining One!

And the thunder rolls.

I call to Taranis, who rules the sky!

And the thunder rolls.

I call to Taranis, who brings the rain!

And the thunder rolls.

I call to you:

Bringer of the cosmic order,

keeper of continuity!

Without you the sky would literally fall down on our heads!

You keep the chaos away,

and you push the wheel of the year,

the process of death and renewal,

of living and dying,

von spring, summer, autumn and winter!

Yur lighting be my fire, Taranis,

and I invite you:

Share my fire with me,

and share your knowledge with me!

Teach me what you have to give

and take in return what I have to give!

Gottheit der Woche 26: Nornen

26. März 2018

Unter dem Baum

dort an der Wurzel

dort an dem Brunnen

sitzen die drei


weben den Faden

weben das Netz

weben und weben

das Schicksal herbei


Was ist gewesen?

Was wird einst sein?

Wie ich mich entscheide

ist ihr Geleit


Der Möglichkeiten viele

sie knüpfen den Weg

Urd, Skuld, Verdandi

sie stehen bereit


Euch, Nornen, grüße ich

an diesem Tag, zu dieser Stunde

und schenke euch meinen Respekt!

Setzt euch zu mir

and die Quelle, an das Feuer,

und werft für mich einen Blick in die Zukunft!


In English:

Under the tree

down at the root

down at the well

are sitting three


Weaving the thread

weaving the web

weaving and weaving

the fate to be


Was has already happened?

What might yet be?

How I will decide

will be their guide


Many possibilities

they are knotting the way

Urd, Skuld, Verdandi

are waiting for me


I greet you, Norns,

on this day, at this hour

and offer you my respect!

Sit down at my well, at my fire

and take a look into the future for me.


It is not an exact translation this time, because I tried to get some sort of rhyme scheme in the English version as well.

Die Geschichte von einem kleinen Landgeist und einem verlorenen Hammer – nordische Götter für Kinder

24. März 2018

Eines Morgens wollte Beorl, der Landgeist, seine Höhle verlassen, um ein bisschen frische Luft zu schnappen und eine Runde im nahegelegenen See zu schwimmen, doch er kam nicht hinaus. Direkt vor seinem Höhleneingang lag etwas. Es war riesig, schwer und hart, und alles Drücken, Schieben und Zerren half nicht. Schließlich nahm Beorl eine Schaufel und grub sich unter dem Ding hindurch. Draußen atmete er erst einmal tief durch. Was im Namen aller neun Welten war denn da bitteschön passiert?

Beorl besah sich das Ding genau: Es sah aus wie ein großer Hammer, mit einem riesigen Kopf aus Metall, in das schöne Muster eingraviert waren, und einem vergleichsweise ziemlich kurzen Stiel, der aber immer noch so hoch aufragte, dass Beorl nur mit Mühe das obere Ende erkennen konnte. Da habe ich ja noch mal Glück gehabt, dass das Ding nicht durch meine Höhlendecke gekracht ist, dachte sich der Landgeist. Aber wie werde ich es jetzt wieder los? Dieser Hammer kann da ja nicht liegen bleiben. So kann ich meine Höhle unmöglich weiter benutzen!

Beorl dachte nach. Etwas so großes wie dieser Hammer musste entweder einem Riesen oder einem Gott gehören. Die Menschen und das Geistervolk konnten mit einer so schweren Waffe gar nicht umgehen. Und Riesen hatte er in dieser Region schon seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen. Also musste ein Gott dahinterstecken.

Er wusch sich, denn nach der ganzen Buddelei war das wirklich nötig, und machte sich auf den Weg, um nach dem Besitzer des Hammers zu suchen.

Der Weg nach Asgard war nicht weit, und schon am Bifröst, der Regenbogenbrücke, traf Beorl auf den ersten Gott. Es war Heimdall, der die Brücke bewachte.

„Hast du einen Hammer verloren?“, fragte Beorl ihn. „Ich?“, fragte Heimdall erstaunt. „Nein, ich habe ein Horn, keinen Hammer.“ Und er zog ein großes Horn hinter dem Rücken hervor. „Siehst du? Aber hineinblasen darf ich gerade nicht, erst beim Weltuntergang.“

Doch er ließ den kleinen Landgeist über die Brücke gehen, damit er weitersuchen konnte.

Als Nächstes traf Beorl die Göttin Idun, die in ihrem Garten saß.

„Hast du einen Hammer verloren?“, fragte Beorl sie. „Ich?“ Idun lachte. „Nein, ich habe Äpfel, keinen Hammer. Was sollte ich wohl damit?“ Und sie pflückte einen Apfel und zeigte ihn Beorl. „Siehst du? Einer von denen hält dich lange gesund und munter! Die anderen Götter essen sie jeden Tag!“

Und sie schenkte Beorl, falls er unterwegs Hunger bekommen sollte.

Beim Weitergehen kam ihm Odin zu Pferd entgegen. Beorl hielt ihn an.

„Hast du einen Hammer verloren?“, fragte er ihn und wich dabei geschickt Sleipnirs acht tänzelnden Beinen aus. „Ich?“, dröhnte Odin mit tiefer Stimme. „Nein, ich brauche keinen Hammer. Ich habe meine Raben.“ Er pfiff, und zwei Raben kamen herbeigeflogen und setzten sich auf seine Schultern. „Darf ich vorstellen: Hugin und Munin! Sie fliegen für mich herum und erzählen mir, was auf der ganzen Welt geschieht!“

Dann ritt er weiter und ließ den Landgeist schnell hinter sich.

An einem Haus, an dessen Tür Fensal geschrieben stand, standen Türen und Fenster offen. Beorl klopfte an und trat ein. Im Herd flackerte ein lustiges Feuer, und daneben saß eine Frau, die er als Frigga erkannte. „Hast du einen Hammer verloren?“, fragte er sie. „Ich?“ Frigga schüttelte den Kopf. „Nein, ich habe keinen Hammer, sondern eine Spindel.“ Sie griff in einen Korb neben sich, zog eine Spindel heraus und begann zu spinnen. Der Faden bauschte sich um die Spindel, und als sie sie los ließ, segelte die volle Spindel durch das offene Fenster, stieg zum Himmel auf und verwandelte sich in eine kleine Wolke.

„Oh!“, staunte Beorl, und ging weiter, bevor es noch zu regnen beginnen konnte.

Auf einer Wiese saß der Gott Frey und fütterte seinen goldenen Eber Gullinborsti mit Eicheln. „Hast du einen Hammer verloren?“, fragte Beorl ihn. „Ich?“, war Frey überrascht. „Nein, keinen Hammer. Ein Schwert, aber das habe ich nicht verloren, sondern meinem Freund Skirnir gegeben, damit er mir meine geliebte Frau bringt!“ Er lächelte verliebt. „Aber ich habe ja noch mein Schiff!“ Er zog ein Tuch aus der Tasche. Besonders beeindruckend sah es nicht aus. „Wenn ich es ins Wasser werfe, wird es zu einem großen Segelschiff, auf das alle Götter drauf passen.“

Beorl musste zugeben, dass das ein toller Trick war.

Es dauerte nicht lang, da kam ihm die nächste Göttin entgegen. Freya unternahm einen Ausflug mit ihrem von Katzen gezogenen Wagen. „Hallo! Hast du einen Hammer verloren?“, fragte Beorl und staunte über ihre Schönheit. „Ich? Einen Hammer?“ Freya schüttelte den Kopf. „Einen Hammer würde ich höchstens als Schmuckstück tragen, und da habe ich etwas viel Besseres.“ Sie zog ihren Umhang ein wenig zur Seite, und darunter funkelte eine wunderschöne Kette. „Ist sie nicht toll? Die Zwerge haben sie mir gemacht. Ohne Brisingamen gehe ich nirgendwo hin. Auch nicht in den Kampf. Man sollte die schönen Dinge im Leben viel mehr zu schätzen wissen, meinst du nicht?“

Beorl stimmte ihr zu, und dachte bei sich, wie schön es wäre, wenn er endlich diesen Hammer loswerden könnte.

Als Nächstes traf er auf den Gott Loki. Dieser schien sich gerade auszuruhen, aber er war sofort hellwach, als Beorl ihn fragte: „Hast du einen Hammer verloren?“ „Ich? Einen Hammer?“ Loki grinste schelmisch. „Nein, aber ich könnte einen gebrauchen. Warum?“ Beorl überkam ein merkwürdiges Gefühl. „Ach, nur so!“, antwortete er vorsichtig und ging schnell weiter. Irgendwas hielt ihn davon ab, dem Gott mehr zu erzählen.

Frustriert schüttelte er den Kopf. Jetzt suchte er schon den ganzen Morgen, und hatte immer noch nicht den Eigentümer gefunden. Wer mochte es bloß sein? Müde machte er sich auf den Heimweg. Kurz bevor er die Regenbogenbrücke erreicht hatte, stieß er auf einen Gott, der gerade von dort kam. An seinem wilden roten Bart erkannte Beorl Thor. „Hast du einen Hammer verlo-“, wollte er gerade fragen, als Thor ihm blitzschnell eine Hand auf den Mund presste. „Pssst!“, zischte der Donnergott. „Nicht, dass uns jemand hört!“ Er lockerte vorsichtig seinen Griff.

„Hast du meinen Hammer gefunden?“, hauchte er dann in Beorls Ohr. Der Landgeist nickte. „Er liegt vor meinem Höhleneingang und versperrt mir den Weg!“, erklärte er. Thor richtete sich auf. „Mjölnir ist mir gestern aus der Tasche gefallen, als ich ein Wettrennen gegen Loki gefahren bin. Wenn die Riesen erfahren, dass er weg ist, überfallen sie in Nullkommanichts Midgard und Asgard und stiften Chaos. Bring mich zu deiner Höhle, kleiner Landgeist! Lass uns die Welt retten!“

Er holte sein Ziegengespann und rasch hatten sie Beorls Höhle erreicht. Da lag er, der Hammer, und hatte sich nicht gerührt.

Thor strahlte, schlüpfte in ein paar Handschuhe und hob den Hammer hoch, als wäre er leicht wie eine Feder. „Da ist er ja, mein Mjölnir!“, freute er sich und ließ den Hammer einmal herabsausen. Donner hallte.

„Kleiner Beorl, ich danke dir!“

„Nichts zu danken!“, brummelte Beorl leise.

Thor lud ihn noch zu einem Ziegenbraten ein, um den Fund von Mjölnir zu feiern, aber Beorl war nach der ganzen Sucherei ziemlich müde. Er kroch durch den wieder offenen Eingang in seine Höhle, fiel aufs Bett und schlief ein, bevor der Gott wieder davon gefahren war.


Diese Geschichte ist dazu gedacht, jüngere Kinder (Kindergarten, Vorschule) mit den verschiedenen Göttern und Göttinnen der nordischen Herdkultur bekannt zu machen. Jeder wird kurz namentlich und mit einem Attribut oder einer Eigenschaft vorgestellt. Natürlich können nicht alle Götter vorkommen, sonst würde die Geschichte etwas sehr lang werden.

Dafür eignet sich die Geschichte aber sehr gut, um auch mit Bildern begleitet zu werden. Schade, dass meine Malkünste nicht ausreichen, sonst hätte ich daraus ein Bilderbuch gemacht.

Lied: Komm, Schöpfergeist

24. März 2018

Dieses Lied kam als Geschenk in Form eines Geistesblitzes während einer bardischen Two Powers-Meditation zu mir. Die Noten folgen bei Gelegenheit. Die Akkorde sind aber recht einfach:

ganz lange C-Dur,

dann F-C-dm-G


Komm, Schöpfergeist, kehr bei mir ein!

Erfülle Herz und Sinne mein!

Lass Worte fließen, schön und wahr!

Lass Werke sprießen, wunderbar!

Komm, Schöpfergeist ….