Category: Rituale

Devotional zur Nacht in der Mittwinterzeit

8. Dezember 2015

Die längste Nacht ist gekommen und gegangen.

Die Dunkelheit weicht Tag für Tag mehr dem Licht.

Doch nun ist die Sonne für heute untergegangen,

und noch einmal heißen wir das Dunkel willkommen,

das uns die ersehnte Nachtruhe bringt.

Unser Geist lässt den Tag Revue passieren

und inmitten der Dunkelheit sehen wir

manches in einem anderen Licht.

Die Nacht hüllt uns ein wie eine Decke

und die Sterne verbreiten ihren Glanz über uns.

Auch wenn wir uns auf die Sonne freuen,

wissen wir deine Gaben zu schätzen, Nacht!

Lied: Adventskranzlied – Wir zünden die Kerzen an

20. November 2015
  1. Wir zünden 4 Kerzen an und ihr heller Schein

begleitet uns ins Dunkel der Mittwinterzeit hinein.

  1. Wir zünden 3 Kerzen an … (wie oben)

  2. Wir zünden 2 Kerzen an … (wie oben)

  3. Wir zünden eine Kerze an … (wie oben)

  4. Wir zünden keine Kerzen an, Mittwinter ist da:

Heute ist die längste Nacht und der kürzeste Tag!

6. Wir zünden alle Kerzen an und ihr heller Schein

begrüßt die junge Sonne nach der langen Dunkelheit!

 

Noten zum Download:

Wir zünden die Kerzen an – Adventskranzlied

 

In unserer Familie gibt es die kleine Tradition, dass wir seit einigen Jahren den Adventskranz ‘verkehrt herum’ abbrennen. Wir starten am 1. Advent mit vier Kerzen und von Woche zu Woche werden es weniger, so wie auch das Tageslicht immer weniger wird. An Mittwinter schließlich bleibt der Kranz zunächst unangezündet, oder aber wir löschen bewusst die letzte Kerze. Erst bei der Mittwinterfeier zünden wir schließlich alle Kerzen wieder an, um die Rückkehr des Lichts zu feiern.

Wir singen das Lied aber auch morgens bzw. die entsprechende Strophe, wenn wir die Kerzen anzünden und gemeinsam nachlesen, was den heute im Adventskalender stand. Inzwischen singt der Große mit, was ich ganz toll finde.

Mir ist es wichtig, meinen Kindern ein paar Rituale mit auf den Lebensweg zu geben, weil ich merke, wie sehr mich die Rituale meiner Kindheit geprägt haben.

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Adventskalender/Mittwinterkalender für kleine Heiden

20. November 2015

Nächste Woche ist schon der erste Advent. Höchste Zeit also, den letzten Kalender online zu stellen!

Er besteht aus einem Sortiment von Karten in DIN-A5, die ihr beliebig und an eure Bedürfnisse angepasst zusammenstellen könnt. Jeweils 2 sind auf einer Seite gedruckt. Er enthält Sachinformationen, Rezepte, Lieder und Bastelideen für verschiedene Altersstufen. Ob ihr am 1. Advent beginnen wollt oder am 1. Dezember und am 21., 22., 23. oder 24. endet ist euch völlig freigestellt.

Bezüglich der Präsentation gibt es die verschiedensten Möglichkeiten.

Mittwinterkalender: Rentier mit Kugeln

Mittwinterkalender: Rentier mit Kugeln

Wer den Kalender von den letzten Jahren kennt: Ich habe die Geschichte von Baldur und dem Mistelzweig überarbeitet. So sollte es jetzt richtig sein. Wenn ich es schaffe ergänze ich den Kalender noch um ein paar neue Ideen, kann ich aber nicht versprechen.

Ich wünsche euch eine wunderschöne Adventszeit. Nicht mehr lange, dann werden die Tage schon wieder länger!

 

Heidnischer Adventskalender Zapfenwichtel – Baldur und der Mistelzweig

Eine Bastelarbeit für Kinder ab dem Grundschulalter für den Julbaum oder das Fenster und eine Geschichte aus der nordischen Mythologie!

Heidnischer Adventskalender Winterwörter-Kinderpunsch fürs Wassail

Wir machen ein Wortschatzspiel bzw. schreiben ein Gedicht (ab Klasse 3) und kochen alkoholfreien Kinderpunsch!

Heidnischer Adventskalender Wer bringt die Geschenke-Weihnachtsmann-Braune Julplätzchen

Aus der Reihe der Gabenbringer wird der Weihnachtsmann vorgestellt. Außerdem gibt es ein Rezept für leckere, würzige Julplätzchen.

Heidnischer Adventskalender Wer bringt die Geschenke.Lichtkind-Symbole zu Mittwinter

Aus der Reihe der Gabenbringer wird das Lichtkind, alternativ Sonnenkind vorgestellt. Dies dürfte die jüngste Variante sein, die wiedergeborene Sonne als Alternative zum Christkind. Daneben werden verschiedene Symbole, die zu Mittwinter gehören, besprochen.

Heidnischer Adventskalender Wer bringt die Geschenke.Frau Holle-Mandala

Gabenbringer Nummer 3 ist eine altbekannte Märchenfigur, hinter der sich vermutlich die nordische Frigga verbirgt! Außerdem gibt es einen Linktipp für Mandalas.

Heidnischer Adventskalender Tiere füttern-Schnee backen

Mittwinterkalender: Die Tagestexte kleben auf der Rückseite der Kugeln

Mittwinterkalender: Die Tagestexte kleben auf der Rückseite der Kugeln

Ein Dank an die Naturgeister und ein Geschenk für die Tiere, die jetzt draußen nach Futter suchen müssen! Und ein Tipp, wie man Plätzchen schneemäßig lecker verzieren kann.

Heidnischer Adventskalender Suchgitter-Adventskranz

Hier wieder etwas für die älteren Kinder: ein Suchgitter mit Wörtern, die zu Mittwinter passen. Und der Klassiker im Advent, der Adventskranz, wird vorgestellt, in einer heidischen Variante.

Heidnischer Adventskalender Sonnenkönigsuppe-Zeit für Ruhe.Wintertanz

Ein leckeres Rezept für den Mittwintermittag oder -morgen, und ein Spiel, um zur Ruhe zu kommen.

Heidnischer Adventskalender Sonnenaufgang-Sonnenklapper

Ein Ausmalbild, dessen Quelle ich leider nicht nachvollziehen konnte. Und eine Bastelidee, um die Sonne am Mittwintermorgen zu begrüßen (mit Hilfe ab 2 Jahren).

Heidnischer Adventskalender Segen zum neuen Jahr – Flammenträger

Ein traditioneller Neujahrsgruß, und ein Lied, das ich vor einigen Jahren geschrieben habe und das seither durch die deutschsprachige Heidenwelt geistert. Die Melodie findet ihr hier auch noch separat im Blog zum Mitsingen.

Heidnischer Adventskalender Rentiere basteln – Die Sonne sie ist

Eine Bastelidee, die ich einfach liebe, und bei der schon Zweijährige gut mitmachen können. Außerdem ein deutscher Textvorschlag für das Lied ‘The sun is coming back today’ von Anne Hill.

Heidnischer Adventskalender Nikolaus-Filzspiralen

Ein paar Informationen über den heiligen Nikolaus und eine Bastelei für den Julbaum.

Heidnischer Adventskalender Julbaum segnen-Heidnische Krippe

Wenn der Baum ins Haus kommt, soll er auch gebührend empfangen werden. Hier ist ein Segen für den Julbaum. Außerdem wird das Konzept einer heidnischen Krippe vorgestellt.

Heidnischer Adventskalender I spy-Tragt in die Welt nun ein Licht

I spy – Ein Schüttelglas voll mit Reis und vielen kleinen Dingen, die mit Mittwinter zu tun haben. Lasst eurer Kreativität freien Lauf! Diese Aktivität ist etwas für die Kleinsten. Und wir basteln Grußkarten und verschicken sie.

Heidnischer Adventskalender Gedicht ohne Titel-Der Eichen- und der Stechpalmkönig

Ein kleines Mittwintergedicht für Kinder und die Geschichte vom Eichen- und Stechpalmkönig oder von Sommer und Winter.

Heidnischer Adventskalender Gedicht Mittwinter – Morning Glory Muffins

Das Gedicht ‘Mittwinter’ von Heinz-Bruno Krieger ist dann eher etwas für ältere Kinder und dazu ein absolut himmlisches Rezept. Unbedingt ausprobieren!!!

Heidnischer Adventskalender Gebet für Schnee-Bratapfelrezept

Wer wie wir auf dem absoluten Flachland lebt, der weiß entweder den Schnee zu schätzen oder er verflucht ihn. Für den Moment aber lassen wir mal die Autofahrer beiseite und freuen uns auf die weiße Pracht. Und außerdem gibt es ein Bratapfelrezept in Gedichtform.

Heidnischer Adventskalender Elfchen-Wintersonnenwende astronomisch

Beides ist etwas für ältere Kinder (frühestens ab Klasse 2). Elfchen sind kleine Gedichte zum Selberschreiben, die aus elf Wörtern bestehen. Mit Elfen haben sie nichts zu tun. 🙂 Außerdem wird die längste Nacht mal wissenschaftlich erklärt.

Heidnischer Adventskalender Adventskranzlied-Das Licht ist neu erwacht

Zwei weitere Lieder: Eines singen wir, wenn dir die Kerzen am Advetnskranz anzünden, das andere ist ein Mittwinterlied, basierend auf einem irischen Volkslied.

Heidnischer Adventskalender Es schneit-Kehr zurück

Mittwinter 2015

Wenn ihr da wohnt, wo es so richtig viel schneit, dann solltet ihr euch unbedingt mit diesen Schneeideen befassen. Außerdem gibt es einen deutschen Textvorschlag für das Lied ‘Return to me,beloved’ von Anne Hill.

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Lied: Sehet mich!

9. Oktober 2015

Sehet mich

Dieses Lied habe ich vor einiger Zeit geschrieben für mein Barden-Studium II bei der ADF. Aus diversen Gründen habe ich den praktischen Teil bislang aber noch nicht eingereicht.

Man soll das Lied im Ritual einsetzen können, wenn man die Kindred ruft. Die Kindred sind die Vorfahren, Naturgeister und Götter. Ich ziehe den englischen Begriff vor, weil alle deutschen Übersetzungen davon irgendwie merkwürdig klingen und für mich nicht das beinhalten, was ich mit dem Begriff Kindred verbinde.

Im Ritual rufen wir die Kindred, laden sie ein, heißen sie willkommen und machen ihnen Geschenke materieller und/oder immaterieller Natur. Häufig wird beides miteinander verbunden. Im Gegenzug erhalten wir auch von ihnen Geschenke in Form ihres Segens, die wir in das ‘Wasser der Lebens’ einfließen lassen.

Ich mag an dem Lied, dass man es einerseits etwas getragen singen kann, aber auch deutlich rockiger, wenn man den Wunsch und die Möglichkeit dazu hat.

 

English version: http://werkelwald.de/song-see-me-sehet-mich/

Mabon-Kalender für kleine Heiden

13. September 2015

Dies ist der letzte Kalender aus dem Jahreskreis, den ich erstelle. Damit ist für jedes Hochfest ein Kalender vorhanden, von sehr umfangreich (Mittwinter) bis hin zu kurz und knackig. In den nächsten Jahren werde ich sicherlich noch das eine oder andere ergänzen oder überarbeiten, aber für 2016 habe ich andere Projekte geplant.

Doch nun zum Kalender…

Hier findet ihr Bildmaterial, um den Kalender optisch zu begleiten. Das eigentliche Material ist im DIN-A4-Format, aber wenn ihr die Früchte doppelt ausdruckt und jeweils eine davon als Anhänger an die Textrollen macht, lässt sich der Zusammenhang gut herstellen.

Mabon-Kalender – Bildmaterial

 

In welcher Reihenfolge ihr die Sachen macht, ist euch überlassen.

Mabonkalender – Beginn der dunklen Jahreszeit

Hier findet ihr einen Bastelvorschlag für Kerzengläser und ein Lied.

Mabonkalender – Erntezeit

Hier gibt es ein leckeres Rezept für Ofengemüse vom Blech mit Kräuterquark, wobei mir vorhin aufgefallen ist, dass ich keine Anleitung für den Quark begefügt habe. Aber da haben die meisten ja selbst etwas. Ansonsten:

500 g Magerquark, Salz, Pfeffer, kleingehackte Kräuter nach Belieben, etwas Olivenöl und granulierten Knoblauch gut verrühren, abschmecken, fertig…

 

Mabonkalender – Fest der Elemente

Ich finde, dass man in dieser Zeit zu jedem Element etwas Besonderes finden kann. Man muss nicht alle Elemente an einem Tag durchziehen, sondern dieses Kalenderblatt lässt sich gut über mehrere Tage einsetzen.

 

Mabonkalender – Two Powers Meditation für Kinder

Die Two Powers-Meditation kenne ich vom ADF. Ich habe sie so umgeschrieben, dass sich sich auch für ältere Kinder (Schulalter) gut einsetzen lässt. Kleinere Kinder können oft die Augen nicht lange geschlossen halten.

Es geht heute darum, die Balance zwischen den Gegensätzen zu halten.

 

Mabonkalender – Zeit für Geschichten

Geschichte 1 erzählt den Mythos von Demeter und Persephone. Sie erklärt, warum im Winter nichts wächst.

Mabonkalender – Zeit für Geschichten II

Geschichte 2 ist die bereits früher im Blog vorgestellte Geschichte vom Drachen und den Leuten, die NEIN sagten. Sie soll die Kinder ermutigen, sich nicht von dummen, gefährlichen Leuten, die nicht über ihren eigenen Tellerrand hinausgucken können, den Mund und das Denken verbieten zu lassen. Manche Gefahren muss man bekämpfen, sonst ist man nachher selbst irgendwann das Opfer.

 

Mabonkalender – Erntedank

Und zu guter Letzt beschäftigen wir uns mit der Frage, wofür wir heute eigentlich noch Danke sagen und wie. Die Erklärungen dazu sind eher etwas für die älteren Kinder, aber bei der Bastelarbeit können auch die kleineren Kinder mitmischen.

Die Geschichte vom Drachen und den Leuten, die NEIN sagten

29. August 2015

Die Geschichte vom Drachen und den Leuten, die NEIN sagten

von Birgit Reinartz

Es war einmal vor langer, langer Zeit ein kleines verschlafenes Dorf. Den Leuten dort ging es ganz gut, sie lebten seit langer Zeit in Frieden mit den Bewohnern der Nachbardörfer, hatten im Herbst eine reiche Ernte und selten Probleme mit Überschwemmungen, Stürmen und Feuersbrünsten.

Eines Tages jedoch kam ein Drache geflogen, ein großer mit Schuppen und glühenden Augen und einem gepanzerten Schwanz, den er hin und her schwang. Er fand eine Höhle am Berghang oberhalb des Dorfes und richtete sich dort häuslich ein. Die Leute waren erst ein wenig besorgt, aber der Drache schien friedlich zu sein und griff sie nicht an. Nach und nach kamen ihn einige der Dorfbewohner besuchen. Sie setzten sich zu ihm an den Höhleneingang und lauschten ihm, wenn er von den heldenhaften Taten früherer Drachen erzählte. Er berichtete, wie seine Vorfahren die Dörfer beschützt hätten vor allen möglichen Gefahren. “Welche Gefahren?”, wollte ein kleines Mädchen wissen. “Nun ja, zum Beispiel vor den Leuten aus anderen Dörfern, die neidisch waren auf die guten Ernten und schönen Häuser.” “Ach”, meinte der Vater des Mädchens da, “Da haben wir keine Probleme mit.”

“Seid ihr euch da sicher?”, fragte der Drache listig. “Ich bin auf dem Weg hierher über ein Dorf geflogen. Der Fluss hat einen guten Teil der Felder bei der letzten Überschwemmung zerstört. Sie werden bald Hunger haben.” So säte er den Zweifel in den Köpfen der Leute….

Was können wir tun, wenn die anderen Leute kommen und uns um Hilfe bitten? Ein paar können wir sicherlich helfen, aber was, wenn es immer mehr werden? Sie werden unser Essen haben wollen, einen Platz zum Schlafen, vielleicht sogar Arbeit und, oh je, am Ende werden sie hierbleiben und gar nicht mehr weggehen! Wovon sollen wir dann leben?

Die Leute sprachen mit dem Drachen. Ob er wohl einen Rat wüsste? “Ich verstehe eure Sorgen gut”, sprach das Untier. “Wenn es in meiner Macht steht, will ich euch beschützen.” Das freute die Leute ungemein. “Natürlich”, fuhr der Drache fort, “kann ich weniger jagen gehen, wenn ich immer über euerm Dorf Wache halten soll. Ihr müsstet mich ein wenig entlasten und mir regelmäßig etwas zu essen bringen, damit ich bei Kräften bleibe.” Die Leute überlegten, und es schien ihnen ein geringer Preis für ihre Sicherheit zu sein.

Fortan brachte jeden Morgen eine Gruppe von Männern und Frauen dem Drachen Obst, Gemüse, Fleisch und Brot. Sie nahmen ihre Aufgabe sehr ernst. Jeder im Dorf sollte seinen Beitrag leisten. Die Drachenfütterer beschlossen, dass sie für die anderen besser zu erkennen sein wollten. Fortan trugen sie eine Armbinde mit einem Drachenkopf. Wenn sie an eine Tür klopften, mussten die Leute ihnen Lebensmittel geben. Als die ersten das verweigerten, weil sie meinten, dass sie schon genug gegeben hätten, brachen die Drachenfütterer in das Haus ein und räumten die Speisekammer leer.

Der Drache lebte in Saus und Braus. Nun forderte er auch Bier, Wein und Kuchen. Die Drachenfütterer brachten ihm, was sie kriegen konnten. Und es kamen nur wenig Leute von draußen in das Dorf. Doch langsam leerten sich die Vorratskammern.

“Was können wir tun?”, fragte einer der Drachenfütterer den Drachen. “Es wird immer weniger.” “Ich verstehe eure Sorge”, sprach der Drache. “Obwohl ich mir Mühe gebe, euch zu beschützen, essen euch die fremden Leute alles weg. Sie achten nicht eure Gebräuche und lassen sich von euch durchfüttern.” Er reckte seinen langen Hals in Richtung des Nachbardorfs. “Ihr müsst die Last nicht alleine tragen. Euerem Nachbardorf geht es gut. Holt euch doch dort, was ihr braucht. Sollen Sie auch ihren Beitrag leisten. Und dann vertreibt das unnütze Volk. Es gibt andere, die sich darum kümmern können.”

Das hielten die Leute für eine gute Idee und sie gingen zurück ins Dorf und erzählten den anderen, was der Drache gesagt hatte.

Nun gab es ein paar Leute im Dorf, die den Drachen nicht so toll fanden und das Ganze mit skeptischen Augen beobachteten. Sie hatten sich schon häufiger mit den Drachenfütterern angelegt. Jetzt aber, als sie diese Nachricht hörten, gab es kein Halten mehr. Eine alte Frau stand auf. “Als ich ein Mädchen war”, begann sie mit brüchiger Stimme zu erzählen, “da war unser Dorf von einem Waldbrand betroffen, weil ein Feuer außer Kontrolle geriet. Das Feuer hatte nicht nur die Ernte vernichtet, sondern auch alle Häuser zerstört und sogar die Dorfbrücke, die über den Fluss zu den Nachbardörfern führte, war verbrannt. Wir saßen in der Höhle, in der jetzt der Drache wohnt. Das ganze Dorf, alle, die dem Feuer entkommen waren, saßen dort oben zusammengepfercht und wir wussten nicht, wie es weitergehen sollte. Wir hatten kein Dach über dem Kopf, kein Essen, keine Zukunft. Viele waren verletzt worden auf der Flucht vor dem Waldbrand. Wir waren verzweifelt.

Da kamen Leute aus den anderen Dörfern an den Fluss. Sie sahen das Problem und sie halfen uns. Sie bauten ein Boot, und brachten uns Lebensmittel, Medikamente und Werkzeug. Sie halfen uns, eine neue Brücke zu bauen und neue Häuser. Und sie brachten uns etwas von ihrem eigenen Saatgut, damit wir unsere Felder wieder bestellen konnten. Es dauert eine Weile, aber schließlich ging es unserem Dorf wieder gut.”

Einer der Drachenfütterer erwiderte: “Na und? Das ist doch schon so lange her. Damit haben wir jungen Leute nichts mehr zu tun. Für uns haben die anderen nie etwas getan. Der Drache -”

“Der Drache”, unterbrach ihn die alte Frau, und ihre Stimme wurde immer lauter und kräftiger, “der Drache ist der Einzige hier, der überflüssig ist. Bevor er hier war, brauchten wir keinen Schutz vor unseren Nachbarn. Und seit er hier ist, frisst er den ganzen Tag. Von dem, was der Drache frisst, könnten wir das das Dorf problemlos ernähren!”

Nun standen auch einige andere auf. “Das stimmt.”, sagte der Bäcker. “Zwei Drittel meiner Brötchen gehen an den Drachen.” “Und jeden Tag ein Schwein oder eine Kuh!”, ergänzt der Metzger. “Ich erinnere mich noch gut an die Frau aus dem Nachbardorf, bei der ich ein paar Wochen gewohnt habe, bis meine Eltern unser Haus wieder aufgebaut hatten.”, sagt ein älterer Mann.

Die alte Frau nickt ihm zu. “Ich weiß nicht, wie ihr das seht, aber von mir kriegt das verfressene Vieh keinen Happen mehr. Und ihr Drachenfreunde könntet euch auch mal lieber nützlich machen, anstatt den ganzen Tag die Leute zu schikanieren!” Die Drachenfütterer wollten sie aus der Menge ziehen, aber da schlossen sich andere Dorfbewohner wie eine Mauer um sie.

“Sie hat recht!”, erklang es aus der Menge. “Wir haben uns das schon viel zu lange gefallen lassen.” Die Drachenfütterer sahen ihre Macht schwinden, und sie bekamen Angst. Sie flohen zum Drachen, aber die anderen Dorfbewohner bewaffneten sich mit Heugabeln und Sicheln und allem, was gefährlich aussah und machten sich auch auf den Weg zur Höhle.

Als der Drache sah, wie viele es waren, erkannte er, dass er sie nicht alle verbrennen konnte. Er breitete seine Schwingen aus und floh. Die Drachenfütterer waren ganz kleinlaut und schworen, dass der Drache sie verzaubert hätte und an allem Schuld sei. Die Leute jubelten und freuten sich, dass sie das Dorf von den üblen Wesen befreit hatten. Nie wieder, schworen sie sich.

Doch in den Tiefen der Drachenhöhle, dorthin, wo kaum ein Mensch hinkam, dort hatte der Drache etwas hinterlassen. Ein Ei, ein Drachenei war es, das dort im Dunkel darauf wartete, bsi seine Zeit gekommen sei. Dann würde ein neuer Drache schlüpfen und wer weiß, ob es dann jemanden geben würde, der NEIN zu ihm sagte…

 

 

Diese Geschichte kann man natürlich einfach so erzählen. Aber sie lässt sich auch gut in eine Kinderandacht einbauen. Wer mag, kann einen Vergleich zwischen dem Drachen und den Leuten und der Geschichte von Thor und der Midgardschlange ziehen, auch wenn die letztlich schlecht ausgeht für beide Parteien.

Als Kernarbeit lässt sich anschließend gut gemeinsam ein Drache ‘töten’. Die Kinder können vorab jeder eine Lupe basteln als Symbol für die Wachsamkeit: Wo sieht man Unrecht, wo sehen die Kinder, dass der Drache sein Haupt hebt? Hier können die Kinder selber überlegen, was sie damit verbinden.

In der warmen Zeit kann man die Kinder anschließend mit Wasserpistolen ausrüsten, aufs Pflaster einen Drachen mit Straßenkreide malen (oder auf einen großen Bogen Papier, wenn kein bemalbarer Untergrund in der Nähe ist) und sie damit auf den Drachen schießen lassen. Ich bin zwar kein Freund von Waffen, aber hier geht es darum einen Drachen zu erlegen, und außerdem macht es den Kindern eine Menge Spaß. Das Wasser löst die Kreide auf und der Drache verschwindet.

Soll das Ganze drinnen stattfinden, kann man auf den Drachen auf Papier zurückgreifen und Holzschwerter in ihn hineinbohren oder ihn mit Bällen bewerfen, bis er kaputt ist.

Die Lupen nehmen die Kinder anschließend mit nach Hause, falls sie mal ein Drachenei sehen sollten 😉

 

Lapbook: Ritual (ADF)

19. August 2015

Lapbook Ritual CoverDas ist etwas, dass ich schon lange mal machen wollte. Bislang fehlte allerdings das Interesse auf der Empfängerseite. Aber nachdem ich in den vergangenen Wochen einige Fragen beantworten durfte und ein paar Mal Gesellschaft beim RItual hatte, dachte ich mir, dass die Zeit reif wäre.

Für diejenigen, die es nicht wissen: Lapbooks sind so was wie Sachbücher zu einem bestimmten Thema, die auf 2-3 Seiten komprimiert sind. Zu verschiedenen Fragen gibt es Lesefächer, etwas zum Aufklappen, Quiztaschen, Minibücher uws. Die Anzahl an Blanko-Vorlagen für Lapbookvorlagen ist groß. Die Mappen selber sind häufig im Format DIN-A4 oder etwas größer und bestehen aus zwei Pappbögen oder einem gefalteten. Vorne drauf ist in diesem Fall die sogenannte Druid’s Sigil. Ich hätte auch eine Triskele nehmen können, aber der habe ich schon im Zentrum der Elemente verwendet (wenn man die drei Teile aufklappt. Dort steht dann auch der Anfang vom ‘Lied des Kosmos’ – Gebet von Ceisiwr Serith.).

 

In meinem Lapbook habe ich auf der linken Seite oben die Mutter Erde vorgestellt und die 3 keltischen Elemente: Himmel, Land und Meer.

In der Mitte beLapbook Ritualschäftigen uns die Fragen, warum wir den Kindred Geschenke machen/Opfergaben bringen und was es mit dem Wasser des Lebens auf sich hat.

Unten werden die 8 Hochfeste thematisiert: Welche gibt es, wann sind sie und was feiert man da, manchmal auch kurz etwas zum wie.

 

Auf der rechten Seite geht es oben um die Kindred. Ich habe dafür die Symbole von Ian Corrigan verwendet. Ich finde sie persönlich zwar nicht so toll, aber zur Identifikation sind sie gut geeignet.

In der Mitte werden die 3 Heiligtümer (3 Hallows) erklärt, und wie sie mit der Erschaffung des Kosmos zusammehängen.Lapbook Ritual 2

Darunter schließlich treffen wir auf den Torhüter, der im gleichen Stil gehalten ist wie die Erdmutter. Es wird erklärt, was seine Funktion ist, und man kann selbst einen Namen eintragen, wenn man regelmäßig mit dem selben Torhüter arbeitet.

Links davon befindet sich eine Kreistasche, bei der sich alles um das Omen dreht. Ich habe aus Pappe Scheiben ausgestanzt und mit den Runen und ihrer Bedeutung beschriftet. Für Kinder fand ich diese Art ‘Geheimschrift’ am passendsten, weil man dabei gut vom Bild zur Bedeutung assoziieren kann. Bei Oghamsymbolen geht das weniger.

Lapbook Ritual 3Auf der Rückseite schließlich ist oben ein Jahreskreis zum Ausmalen (ja genau, dafür habe ich den gebraucht) und unten vier kindertaugliche Lieder für’s Ritual. Ich hätte gerne noch mehr Lieder dazugeklebt, aber dafür fehlte dann der Platz.

Alle Motive sind zum Aufklappen oder Hochklappen gedacht, Drinnen steht dann eine kurze Erklärung.

Gebet an eine Göttin der kriegerischen Tüchtigkeit

3. August 2015

Gebet an eine Göttin der kriegerischen Tüchtigkeit

Ein Krieger folgt seinem eigenen Kodex.

Nicht so sehr die Waffen sind entscheidend,

nicht die körperliche Kraft,

sondern die innere Haltung und die Werte, die damit einher gehen.

Vagdavercustis,

Göttin der Cugerner,

die einst auf diesem Land lebten:

Ich rufe zu dir!

Du stärkst in deinen Anhängern die Tugenden,

die sie zu guten Kriegern machen:

den Mut, in einer schwierigen Situation das Richtige zu tun

die Ausdauer und Disziplin, das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren,

die Integrität, für sich selbst einzustehen,

mit sich selbst im Reinen zu sein und die eigene Ehre zu bewahren.

Sei auch an meiner Seite, Vagdavercustis!

Stärke in mir Mut, Ausdauer, Disziplin und Integrität,

und mache mich zu einer besseren Kriegerin,

damit ich für das einstehen kann,

was mir wichtig ist, mit Worten und Taten.

Vagdavercustis,

ich bringe dir meine Gaben voller Respekt.

Nimm sie an und erteile mir im Gegenzug deinen Segen!

Amen!

 

Über die germanische Vagdavercustis ist nicht allzu viel bekannt. Bei Kalkar gab es einen Tempel, der ihr geweiht war. Leider ist davon nichts mehr zu sehen, aber die Fundstücke können im APX-Museum bestaunt werden. Sie wurde von der Cugernern verehrt, deren Gebiet zwischen dem der Ubier im Rheinland (südlich von Mönchengladbach), dem Rhein und dem Land der Batavier bei Nijmegen (NL) lag. Dieser Stamm wurde vermutlich von den Römern kurz nach der Zeitenwende hierher umgesiedelt und ist eigentlich ein semnonischer Ableger. Der Name der Stadt Goch im Kreis Kleve wird auf den Stammesnamen zurückgeführt.

Aufgrund der Fundstücke wird abgeleitet, dass sie eine Göttin war, die in den Kriegern Mut und kriegerische Tüchtigkeit weckte. Ich habe das hier kombiniert mit den Tugenden, die für einen Krieger wichtig sind. Es geht nicht darum, wild um sich zu schlagen oder die Taschen voller Waffen zu haben. Es geht darum, die Kraft und den Mut zu haben, für das zu kämpfen, was wichtig ist. Und das ist eine Fähigkeit, die wir alle gebrauchen können.

Natürlich kann man das Gebet für eigene Zwecke abwandeln und auf jeden anderen Kriegsgott ummünzen.

Getreide-Ernte