Katholische Messe und ADF-Ritual im Vergleich -ein Versuch

14. April 2016

Ich habe überlegt, wie ich jemandem, der zwar mit den Abläufen einer katholischen Messe vertraut ist, aber keine Ahnung vom Heidentum in jeglicher Form hat, ein Ritual im ADF-Stil näherbringen kann. Da meine Familie sich zum großen Teil aus Katholiken zusammensetzt, fällt es mir immer ein wenig schwer, mich dort einzubringen, weil ihnen der Zugang zu meinem Glauben fehlt. Hier daher ein Versuch, bestimmte Dinge in Beziehung zu bringen und verständlicher zu machen. Dies ist meine persönliche Meinung und muss nicht unbedingt auch die aller anderen sein.

Ich habe die einzelnen Bausteine teilweise anders zusammengefasst, als sie im Ritualablauf/ in der Messe vorkommen, weil ich es so praktischer fand. Den Messpart habe ich dabei kursiv gesetzt, so dass die optische Unterscheidung leichter fällt.

Einzelne Begriffe muss ich vermutlich nach und nach zusätzlich erläutern, weil die zu  spezifisch sind.

 

GRUNDSÄTZLICHES

Eine Messe findet für gewöhnlich in einer speziell dafür gebauten Kirche statt. Die Räumlichkeiten sind entsprechend geweiht und werden nicht für andere Zwecke benutzt. Eine Messe kann aber auch außerhalb der Kirche stattfinden, z.B. häufig an Allerheiligen auf dem Friedhof. Geleitet wird eine Messe in jedem Fall von einem Priester. Unterstützt wird er häufig von Gemeindemitgliedern, die als Messdiener, Lektoren, Kommunionhelfer und Kollektanten fungieren, außerdem gibt es meist noch einen Organisten, der für die musikalische Begleitung sorgt.

Die Messe folgt einem festgelegten Aufbau. Viele Teile sind dabei textlich vorgegeben und immer gleich.

Ein druidisches Ritual findet selten in einem speziell für diesen Zweck gebauten Tempel oder Nemeton statt.

Es kann von einem einzelnen Priester geleitet werden. Meistens sind bei Gruppenrituale jedoch viele Teilnehmer in den unterschiedlichsten Funktionen involviert: Die einzelnen Ritualbausteine werden von verschiedenen Leuten gesprochen und ausgeführt, die dazu nicht ADF-Priester sein müssen. Liturgen können das Ritual geschrieben haben, Barden gestalten musikalische und erzählerische Aspekte etc., jemand hütet das Feuer, usw.

In einem Soloritual übernimmt man halt selbst alle Aufgaben.

Der Ritualablauf in seinen Kernelementen ist festgelegt. Dabei gibt es jedoch Variationen in der Reihenfolge und teilweise zusätzliche Bausteine, die nicht obligatorisch sind.

 

EINZUG

Die Gläubigen haben sich auf die Messe vorbereitet. Sie beginnt durch ein akustisches Signal (Glocken läuten),Gesang und den Einzug von Priester und Assistenten.

Häufig findet vorab eine kurze Meditation statt, bevor alle Teilnehmer den Hain betreten. Meist gibt es ein akustisches Signal zu Beginn: Ein Begrüßungslied oder Glockengeläut.

 

BEGRÜßUNG/BEGRÜNDUNG

Der Priester begrüßt die Gemeinde. Er nennt oft den aktuellen (Fest-)Tag im liturgischen Jahreskreis.

Ein Teilnehmer (TN) gibt eine Einführung in das aktuelle Ritual und begründet, warum es gefeiert wird. Das kann ein ganz spezieller Anlass sein (Hochfest etc.), aber auch einfach ein: “Wir sind hier, um unseren Bund mit den Kindred zu bestätigen.”

 

SCHULDBEKENNTNIS & KYRIE/REINIGUNG

Die Gläubigen gestehen ihre Schuld/ihre Fehler ein und bitten Gott um Vergebung.

Rituale werden meist nicht an speziell dafür angelegten und ausschließlich dafür genutzten Räumen abgehalten. Die TN reinigen daher sowohl den Ort als auch sich selbst mit Rauch und Wasser von allem, was ihn und sie belastet und davon abhalten könnte, sich ganz auf das Ritual zu konzentrieren. Manche Gruppen geben an dieser Stelle auch eine Gabe an die ‘Außenseiter’, und bitten diese Störfaktoren, für die Dauer des Rituals fernzubleiben.

Die Reinigung ist ein flexibles Element, das lediglich von Erschaffung des Kosmos stattgefunden haben sollte.

 

MUTTER ERDE ANRUFEN

Es gibt nichts Vergleichbares.

Die TN begrüßen die Mutter Erde, bringen ihr ein Geschenk und machen sich bewusst, dass wir durch die Erde alle miteinander verbunden sind. Sie ist das verbindende Element, das uns trägt und hält.

 

DEN KOSMOS (WIEDER) ERSCHAFFEN

Grundsätzlich gibt es innerhalb der Messe kein vergleichbares Element. Mircea Eliade weist in seinem Buch ‘Das Heilige und das Profane’ jedoch daraufhin, dass sich auch im Kirchenraum die drei ‘Heiligtümer’ wiederfinden:

Das Feuer brennt als ewiges Licht im Tabernakel.

Das Wasser wird sowohl durch das Taufbecken als auch den Kelch repräsentiert und in gewisser Weise auch durch die Weihwasserschalen am Eingang.

Der Baum kann in Form des Kreuzes wiedergefunden werden, als zentralem Dreh- und Angelpunkt einer Kirche.

 

Nun kreieren die TN einen heiligen Raum, indem wir die Erschaffung des Kosmos nachvollziehen/wiederholen. Entscheidend sind dabei die drei ‘Heiligtümer’: das Wasser, das Feuer und der Baum. Minimal muss eine Repräsentation des Feuers vorhanden sein, ansonsten gibt es Variationen, die abhängig sind von der heidnischen Herdkultur und den örtlichen Gegebenheiten.

Die Erschaffung des Kosmos ging einher mit der Erschaffung der Naturgesetze, der Ordnung, die ‘die Welt im Innersten zusammenhält’. Im Chaos des Urknalls bildeten sich Gesetzmäßigkeiten, die der Welt bzw. Dem Kosmos eine Struktur gaben und so Leben ermöglichten. Es war und ist die Aufgabe der Götter, diese Ordnung zu schaffen und zu erhalten.

Das Feuer ist die Repräsentation des Himmels,ihres Sitzes.

Das Wasser ist das gegenteilige Element: Es ist ebenso lebenswichtig und fruchtbarkeitsspendend wie die Sonne, gilt aber auch als Quelle von Weisheit und Inspiration, die bis tief ins Erdinnere hinabreicht. Es ist die Kontaktstelle zu den Vorfahren. In vielen Mythologien wird erzählt, dass man nach dem Tod über ein Gewässer in das Reich der Toten gelangt.

Übrigens ist das nicht die einzig mögliche Deutung: Genauso kann man an dieser Stelle die beiden Funktionen andersherum interpretieren. Da das Heidentum nicht dogmatisch ist, bleibt diese Auslegung einem selbst überlassen.

Beides, das Feuer in der Höhe und das Wasser ist der Tiefe, werden verbunden durch den Weltenbaum, Nahtstelle zwischen Himmel und Erde. Er bildet das Tor zu den Naturgeistern, den Elementen, die die Welt um uns herum hegen und pflegen.

Sicherlich könnte man noch ganze Bände zu diesem Thema füllen. Ich lasse es aber jetzt hierbei. Wer dazu Fragen hat, kann mir ja gerne einen Kommentar hinterlassen.

 

DEN HÜTER DER TORE ANRUFEN UND DIE TORE ÖFFNEN

Es gibt nichts Vergleichbares.

Der Hüter der Tore fungiert als eine Art Mediator. Er ist meist eine Gottheit, die als Grenzwandler gilt,z.B. ein Psychopomp. Seine Funktion im Ritual ist es alle Teilnehmer unter einen Hut zu bringen. Häufig haben die Anwesenden unterschiedliche Herdkulturen, arbeiten z.B. schwerpunktmäßig mit dem nordischen, griechischen, slawischen oder einem keltischen Pantheon. Der Hüter der Tore sorgt gewissermaßen für eine Tischordnung, bei der alle zufriedengestellt werden und es keinen Streit gibt.

Das Umwandeln der drei Heiligtümer in Tore und das damit verbundene Öffnen der Tore ermöglicht die direkte unmittelbare Kontaktaufnahme zu den Kindred: den Göttern, den Vorfahren und den Naturgeistern! Vielleicht kann man es mit einem Telefonanruf vergleichen. Natürlich kann ich auch einen Brief schicken, aber es dauert länger und geht über Mittelsmänner (die Post).

 

GLORIA, PRÄFATION, HOCHGEBET, TAGESGEBET/ ANRUFEN DER KINDRED UND EHRUNG

Gloria, Präfation und Hochgebet sind Schritte, die alle die Gemeinde in ihrer Verbundenheit mit Gott bestärken sollen und Gott ehren.

Das Tagesgebet dient den einzelnen Gemeindemitgliedern dazu sich auf die Gegenwart Gotte zu besinnen und ein persönliches stilles Gebet zu sprechen.

 

Nach dem Öffnen der Tore rufen die TN die Kindred an, einzeln oder alle zusammen: Wir laden sie ein, am Ritual teilzunehmen, heißen sie an unserem Feuer willkommen und erweisen ihnen unseren Respekt, indem wir ihnen Geschenke in Form von materiellen Gaben, aber auch Liedern und Gedichten etc. machen.

Anders als bei anderen heidnischen Ausrichtungen werden keine Götter invoziert, was meiner Meinung nach eher mit ‘Du MUSST jetzt kommen’ verbunden ist.

Anschließend wird ggf. noch eine spezielle Gottheit besonders gerufen und geehrt: Wer das ist, hängt vom Anlass des Rituals ab.

Zuletzt besteht bei Gruppenritualen meist noch die Möglichkeit, dass jeder einzelne eine persönliche Gabe überreichen kann (Opfergabe).

 

LESUNG, HALLELUJA UND EVANGELIUM

In der Lesung wird normalerweise ein Text aus der Bibel vorgetragen, oft aus dem alten Testament. Das Evangelium hingegen stammt immer aus dem neuen Testament, weil es die Botschaft Jesu weitergibt.

Das Heidentum allgemein ist keine Buchreligion. Daher ist vieles zum einen nicht festgelegt, zum anderen aber auch verloren gegangen. Die meisten Herdkulturen haben noch einzelne Elemente einer Mythologie vorzuweisen, manche mehr (römisch, griechisch, nordisch, …), manche weniger (gallisch, germanisch…) Manchmal wird im Rahmen der Kernarbeit oder der Ehrungen ein Mythos nacherzählt. Ansonsten gibt es hier aber keine Parallelen.

 

PREDIGT/OMEN ZIEHEN

Die Predigt dient der Auslegung des Wortes Gottes und soll einen aktuellen Bezug herstellen.

Bis zu diesem Punkt diente das Ritual dazu, den Kindred gewissermaßen Energie zuzuführen. Wir haben sie ‘gefüttert’, damit sie nun ihrerseits ihre Energie zu unserem Nutzen freisetzen können.

Das Omen ist hierbei der erste Schritt. Wir verwenden Hilfmittel, um zu erfragen, was uns die Kindred mitteilen wollen. Dabei kann es sich um Karten handeln, Runen, Oghamsteine oder anderes. Es kann eine konkrete Frage gestellt werden, aber das wird für gewöhnlich vorab besprochen.

Es ist hilfreich, wenn sich ein Teilnehmer gut damit auskennt und das gezogene Omen für die Gruppe interpretieren kann.

 

CREDO und VATERUNSER

Das Glaubensbekenntnis und das Vater unser sind eine Zusammenfassung der Glaubensinhalte des Christentums.

 

Es gibt zwar den Wicca-Grundsatz ‘Es ist erlaubt, solange du keinem Schaden zufügst.’ und die 9 Tugenden in unterschiedlichen Ausrichtungen. Nichts davon ist jedoch ähnlich dogmatisch und festgelegt wie im Christentum. Das Druidentum stellt die Herausforderung an seine Gläubigen/Anhänger, sich ein eigenes Bild zu machen und nach diesen Grundsätzen zu handeln.

 

FÜRBITTEN UND FRIEDENSGRUß/PERSÖNLICHE GABEN UND KERNARBEIT

Die Fürbitten sind gemeinschaftlich vorgetragene Bitten oder individuell formulierte Gebete um das Wirken Gottes für bestimmte Ziele. Der Friedensgruß soll die Verbundenheit der Gläubigen bezeugen und die Gemeinschaft der Kirche ausdrücken.

Zu den persönlichen Gaben habe ich bereits etwas erzählt.

Der Punkt Kernarbeit ist ein optionaler Baustein. Er kommt zum Einsatz, wenn man mit dem Ritual einen bestimmten Zweck vefolgt: ein Hochfest, Heilung, Schutz, Hochzeit/Handfasting, …. Die Kernarbeit findet immer erst nach der Kommunion statt.

 

GABENBEREITUNG, AGNUS DEI und KOMMUNION/SEGNUNG DES WASSERS UND KOMMUNION

In der Gabenbereitung bzw. Wandlung werden Hostie und Wein in den Laib und das Blut Christi verwandelt. In der Kommunion wird das letzte Abendmahl von Jesus mit seinen Jüngern nachvollzogen. Die Gläubigen nehmen an dieser Mahlgemeinschaft teil.

Zunäacht teilen die TN den Kindred mit, dass sie nun auch bereit sind für deren Gaben. Bei der Segnung des Wassers (das auch Wein, Met, Whiskey, Saft oder irgendein anderes Getränk sein kann) rufen die TN den Segen der Kindred in dieses Wasser hinein. Sie bitten sie es mit ihrem Segen zu erfüllen (und damit zu verwandeln), damit ihr Segen dann die erfüllt, die davon trinken. Anschließend wird das Getränk ausgeteilt an alle Teilnehmer. Dabei kann man auch mehrere Runden machen und bei jeder Runde einem anderen Gott speziell zuprosten. Bleibt noch ein Rest über, so kann dieser später Mutter Erde gegeben werden. Häufig findet eine kurze Meditationsphase statt, in der jeder für sich selbst noch einmal nachvollzieht, was dieser Segen für ihn persönlich beinhaltet.

Bevor es jetzt Verwirrung gibt: Ich ziehe den Begriff Kommunion trotz des christlichen Bezugs allen anderen Varianten vor, weil ich finde, dass er am besten ausdrückt, wie vielfältig dieser Schritt ist. Es geht um den Erhalt des Segens, um die Gemeinschaft mit den anderen Teilnehmern, um die Gemeinschaft mit den Kindred, und nicht zuletzt um ein gemeinsames Feiern. Vermutlich wird man diese Wortwahl sonst aber nirgends finden. 🙂

 

DANKGEBET/BESTÄTIGUNG DES SEGENS UND DANKGEBET

Der Priester dankt stellvertretend für die Gemeinde Gott.

Anschließend bestätigen die Teilnehmer, dass sie gesegnet wurden und danken den Kindred und allen, die am Ritual teilgenommen und mitgewirkt haben.

 

VERABSCHIEDUNG

Dieser Punkt entfällt.

Die TN verabschieden nun entweder nacheinander oder im Paket die Kindred, den Hüter der Tore und Mutter Erde. Manchmal wird noch einmal abschließend der Festanlass zusammengefasst. Bei der Verabschiedung des Hüters der Tore werden auch die Tore wieder geschlossen. Bei der Verabschiedung von Mutter Erde danken die TN ihr für ihre Unterstützung und geben ihr zurück, was wir nicht gebraucht haben, z.B. überzählige Opfergaben, den restlichen Wein aus dem Kelch …. Ich persönlich mische den Rest des Weins immer mit dem Wasser aus meiner Heiligen Quelle (einer großen Jakobsmuschel) und übergebe es dann der Erde.

 

SCHLUSSGEBET UND ENTLASSUNG

Mit dem Schlussgebet und Segen und einem abschließenden Lied zum Auszug wird die Messe beendet.

Das Ritual wird durch ein abschließendes Gebet oder Lied beendet, oder auch ein akustisches Signal wie zu Beginn.

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