Ritual zur Herbst-Tagundnachtgleiche 2022

Hinweise: Immer, wenn irgendwo eine # auftaucht, kann/soll an der stelle eine Opfergabe gemacht werden. An wen oder was, geht normalerweise aus dem Kontext hervor.

Es gibt nicht für alle Ritualelemente einen neuen Baustein.

Einleitung

Die Welt hält den Atem an und alles scheint in der Schwebe zu sein.

Nichts soll das Gleichgewicht an diesem Tag stören, wenn Licht und Dunkel, Tag und Nacht sich die Waage halten.

Dies ist die Herbst-Tagundnachtgleiche, die Zeit von Tamfana, der Göttin, die allem seine Zeit zumisst.

Dies ist die Zeit, in der wir ernten, was wir gesät haben und Bilanz ziehen.

Darum ist dies auch die Zeit von Hludana, der Göttin der Erde.

Als ihre Kinder leben wir auf ihr und von ihr.

Als ihre Kinder sagen wir heute danke.

Und dies ist die Zeit, in der wir den dunklen Tagen entgegen sehen und darauf hoffen, gut durch den Winter zu kommen.

Darum ist dies auch die Zeit von Magusanus*, der das Volk beschützt.

Wir haben einen langen, heißen Sommer hinter uns.

Nun beginnt die Zeit, in der wir wieder zur Ruhe kommen können,

die Zeit der Kuscheldecken und gemütlichen Abende vor dem Kamin.

Und auch, wenn das angesichts der steigenden Kosten fürs Heizen weniger romantisch als vielmehr notwendig klingt, so gelingt es uns vielleicht doch, der Situation etwas Positives abzugewinnen.

Lied: Seht die Vögel ziehen wieder!

*Statt Magusanus kann man je nach Stamm, mit dessen Göttern man arbeitet, natürlich auch dessen Pendant wählen. Oder man nimmt Thor bzw. Jörd/Hlodyn statt Hludana. Eine Entsprechung für Tamfana kenne ich nicht direkt, aber vielleicht würden die Nornen passen.

Reinigung

Mit Wasser und Rauch gereinigt,

zwischen Himmel, Land und Meer,

betrete ich die Pfade, um mich mit den Kindred zu treffen.

Dies ist ein heiliger Ort.

Dies ist eine heilige Zeit.

Mutter Erde begrüßen

Mutter Erde,

ein paar Tage Regen haben gereicht, um vor dem Herbst noch einmal alles ergrünen zu lassen.

In den kommenden Monaten werden wir auf deine Fülle und Großzügigkeit angewiesen sein. Darum bitte ich dich: Halte und unterstütze mich in diesem Ritual heute, so wie du es gestern getan hast und morgen tun wirst. Am Scheitelpunkt zwischen den Zeiten begebe ich mich in deine Obhut und schenke dir meinen Respekt und meine Zuneigung. #

Kosmos erschaffen und Tore öffnen

Hier stehe ich,

zwischen den Welten,

zwischen den Zeiten,

mit der Erde unter meinen Füßen,

den Kopf zum Himmel gewandt,

und umgeben von den Wassern aus Höhe, Tiefe und dem Hier.

Das Feuer des Himmels brennt in mir. #

Das Wasser des Lebens sprudelt in mir. #

Der Baum, die Weltenachse, wächst in mir. #

Aus mir und um mich herum erschaffe ich den Kosmos neu.

Ich rufe Nehalennia,

die Göttin von der Küste.

So wie die Schiffe, die früher unter deinem Schutz ihre Fracht transportierten,

so benötige auch ich heute deine Unterstützung.

Glätte die Wogen für mich und ebne den Weg,

wenn ich mich nun mit den Kindred treffe.

#

Nimm das Schmelzfeuer und forme es zur heiligen Flamme!

Nimm die Muschel und forme sie zur heiligen Quelle!

Und nimm den Kirschbaum und mache ihn zum Weltenbaum, der alles miteinander verbindet.

Durch und mit deiner Kraft und Magie:

Mögen die Tore sich öffnen!

Kindred einladen

GödA

Am Tag der Herbst-Tagundnachtgleiche rufe ich dich in der Form der Hludana,

Mutter Erde:

Das Jahr geht dem Ende entgegen,

nach den langen, trockenen Monaten ist es nun wieder öfter trüb und regnerisch,

aber sogar wir Menschen sehen dies als einen Segen an

und jammer n nicht über das miese Wetter.

In dieser Zeit ernten wir, was wir gesät haben, in welcher Form auch immer.

Welche unserer Projekte sind gut gelaufen?

Unser Dank gilt dir:

Dafür, dass du uns ein weiteres Jahr getragen hast, mit all unseren Fehlern und Problemen, die wir dir bereiten.

Dafür, dass es uns immer noch gut geht,

auch wenn wir ungewohnte Einschränkungen hinnehmen müssen, weil nicht alles sofort lieferbar und machbar ist.

Dafür, dass es immer noch Hoffnung gibt für uns.

In dieser Zeit, in der sich die Waage der Zeit im Gleichgewicht befindet,

schöpfen wir noch einmal aus dem Vollen, aus der Fülle dessen, was du hervorgebracht hast

und feiern deinen Segen, während wir in die dunkle Jahreshälfte tanzen.

#

Am Tag der Herbst-Tagundnachtgleiche rufe ich dich, Tamfana!

Du misst allem seine Zeit zu.

In einer Welt, die von Rastlosigkeit bestimmt ist, mahnst du uns, den Dingen ihre Zeit zu geben.

Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.

Und so wie es eine Zeit gibt, um aktiv zu werden, so gibt es auch eine Zeit, um zur Ruhe zu kommen.

Wenn es morgens kühl ist und Nebelschleier über den Wiesen liegen, bis die Sonne sie auflöst,

wenn das erste Laub sich verfärbt und die Luft einen würzigen Geruch annimmt,

wenn die Pilze aus dem Boden schießen und Regenschauer über das Land ziehen,

dann ist deine Zeit gekommen:

Zwischen Tag und Nacht hältst du die Welt im Gleichgewicht,

bis das Pendel umschlägt und die dunkle Jahreshälfte beginnt.

#

Am Tag der Herbst-Tagundnachtgleiche rufe ich dich,Hercules Magusanus!

Beschützer deines Volkes, Hüter der dir Anvertrauten!

Nun beginnt die dunkle Jahreshälfte, und sie beginnt mit vielen schlechten Nachrichten.

Noch immer ist Krieg in der Ukraine, die Inflation treibt die Preise in die Höhe,

die Leute haben Angst davor, was der Winter bringen mag.

Ich bitte dich: Nimm uns unter deinen Schild, wehre drohende Gefahren mit deiner Keule ab,

damit wir an deiner Seite die Kraft finden, dem zu begegnen, was auf uns zukommt.

#

Hauptopfer

„Bunt sind schon die Wälder“

Omen

Ich stehe hier im Zentrum der Waage, die Welt um mich herum im Gleichgewicht. Mit offenen Ohren, offenen Augen, weitem Herz und Geist stehe ich da und bin bereit, eure Botschaft zu empfangen. Durch meinen Mund, durch meinen Geist, durch die Runen in meiner Hand: Was möchtet ihr mir mitteilen?

Gabenbereitung, Heiligung, Annahme des Segens

Kernarbeit: Schutzamulett, siehe Vorschläge für Kernarbeiten

Verabschiedung der Kindred

Schließen der Tore

Verabschiedung von Mutter Erde

Ein Hauch von Kälte liegt in der Luft, Mutter Erde,

eine Ahnung von den Tagen, die vor uns liegen.

Ich gebe dir zurück, was ich nicht gebraucht habe, nimm es auf in deinen Schoß!

Möge es dich nähren, wenn die dunkle Zeit anbricht und du dich zur Ruhe setzt.

Möge es deine Erinnerung an die Zeit wachhalten, in der du deine Fülle vor uns ausbreitest.

Abschluss

Lied: „Mabon“ von Lisa Thiel

Klorollengötter zur Herbst-Tagundnachtgleiche 1: Hludana

Hludana ist eine germanische Göttin, die hier am Niederrhein offenbar verehrt wurde. Zumindest hat man mehrere Votivsteine mit ihrem Namen gefunden. Sie gilt als eine Erdgöttin, verwandt mit Hlodyn, Jörd und Holle.

Tja, jetzt ist es passiert…

Anfang Juni fragte mich unsere Regionaldruidin Ellie, ob ich gewillt wäre, ihren Posten zu übernehmen, bis Neuwahlen anstehen, da sie selbst aus privaten Gründen nicht weitermachen könne. Nun bin ich also amtierende Regionaldruidin für ADF Europa.

Viel ändern wird sich dadurch für diesen Blog nicht. Ich werde weiterhin Rituale, Gebete, Lieder etc. posten, vielleicht mal etwas öfter.

Meine Aufgabe betsteht u.a. darin, den Kontakt zu neuen Mitgliedern aufzunehmen, Kontakt allgemein zu halten, den Austausch anzuregen und die bessere Vernetzung voranzutreiben. Wenn es sich ergibt, kann es sein, dass ich mal einen Vortrag zu einem unserer Themen halten darf oder einen kleinen Workshop geben. Im Moment steht die Online-Community im Vordergrund. Ich bin mal gespannt, wie sich das alles noch entwickelt. 🙂 Wünscht mir Glück!

Mittsommer-Ritual 2022

In letzter Zeit habe ich häufig auf alte Ritual aus den vergangenen Jahren zurückgegriffen, nachdem ich mir ja einen reichlichen Fundus zusammengeschrieben habe. Dieses Jahr habe ich ein altes Ritual als Vorlage benutzt, aber umgearbeitet.

Eigentlich wollte ich nämlich nur die Sonne ehren. In den letzten Tage gab es aber so viele Gewitter, dass ich das mal als Hinweis genommen habe, dass sich da jemand bemerkbar machen will. Auftritt Taranis….

Ich hänge euch das Skript an. Einige Elemente sind nicht ausführlich beschrieben, da ich sie schon so oft gemacht habe, dass ich da einfach keine Vorlage für verwenden muss. Schaut einfach in ein paar alte Skripte oder in das ADF-Ritualbuch, das ich mal zusammengetragen habe.

Ich habe spontan noch eine Kräuterweihe als Kernarbeit hinzugefügt. Dazu habe ich mir vor dem Ritual ein kleines Sträußchen aus 9 Kräutern zusammengestellt, die hier in der Umgebung oder im Garten wachsen. Nach dem Kommunion-Teil/Return Flow kam also noch Folgendes:

Ich grüße euch, Thymian, Salbei und Spitzwegerich, Helfer bei Husten und Halsschmerzen.

Ich grüße dich, Melisse, belebend und inspirierend.

Ich grüße dich, Scharfgarbe, Freundin bei Frauenproblemen.

Ich grüße dich, Kamille, beruhigend und tröstend.

Ich grüße dich, Lavendel, der mir beim Einschlafen hilft, bei innerer Unruhe und Erschöpfung.

Ich grüße euch, Beifuß und Oregano, Helfer bei Verdauungsproblemen, beruhigend und die Durchblutung fördernd.

All das seid ihr, und noch viel mehr.

Mit der Kraft des heiligen Feuers und dem Wasser aus der heiligen Quelle befreie ich euch von allen negativen Einflüssen, von Pestiziden und Autoabgasen. (mit Wasser aus der Quelle besprenkeln, über das Feuer in den Raum halten)

Mit der Gabe der Kindred segne ich euch, damit ihr auch weiterhin euren positiven Einfluss auf mich und die meinen ausüben könnt. (mit etwas ‘Wasser des Lebens’ besprenkeln)

Alternativ könnt ihr natürlich auch andere Kräuter nehmen, die in eurer Umgebung wachsen oder die ihr häufig anwendet. Meine Minze und der Rosmarin wurden offenbar von der Zitronenmelisse unterdrückt, sonst hätten sie bestimmt auch ihren Weg in das Bündel gefunden. Es gibt auch den 9-Kräuter-Segen (Nine herbs charm). Allerdings hat man bis heute nicht alle Kräuter identifizieren können, daher fand ich meine persönliche Auswahl sinnvoller.

http://werkelwald.de/wp-content/uploads/2022/06/Mittsommer-Ritual-2022-Sonne-und-Taranis-2.pdf

Gottheit der Woche 2.0

2018 habe ich das Projekt Gottheit der Woche durchgezogen, bei dem ich jede Woche ein Ritual zu Ehren einer anderen Gottheit abgehalten habe. Die Gebete dafür und die damals erhaltenen Omen findet ihr hier im Blog.

Dieses Jahr habe ich spontan beschlossen, das Projekt zu wiederholen und zu schuane, was sich verändert hat. Eingie Götter werde ich wohl noch austauschen, aber für den Anfang bleibt es beim alten Set.

Die Omen für die diesjährigen Rituale findet ihr unter den alten Beiträgen als Kommentar.

Wer mag, ist gerne eingeladen, mitzumachen.

Es müssen nicht immer griechische Tempel oder irische Dolmen sein – auch Rügen ist ganz nett

Rügen ist eine Insel in der Ostsee und war lange Teil der Deutschen Demokratischen Republik. Seit der Wende ist die Insel auch dem Rest der Welt wieder zugänglich, und es lohnt sich. Nicht nur ist die Landschaft bezaubernd und die Ostsee fantastisch zum Schwimmen geeignet. Es gibt wohl auch kaum eine andere Ecke von Deutschland, die so zugepflastert ist mit Megalithgräbern.

Unsere Reise führte in den Osten der Insel und ich möchte euch gerne ein paar der Orte vorstellen, die wir dort besucht haben. Nach den germanischen Wikingern lebten hier slawische Stämme, denen wiederum christianisierte Sachsen folgten Daraus ergibt sich ein bunter indoeuropäischer Mischmasch.

Lancken-Granitz

Lancken-Granitz ist eine wahre Fundgrube an Megalithgräbern. Durch ein Feld zieht sich eine Kette von 7 Großdolmen aus der Jungsteinzeit wie eine Perlenschnur.

Jedes Grab ist von einem kleinen Hain umgeben. Der ist aber nicht etwa uralt, sondern war vom Kurfürsten als eine Schutzmaßnahme angeordnet worden. Dabei hat er nicht berücksichtigt, dass die Wurzeln der Bäume die schweren Steine aus ihren Positionen hebeln könnten. Heutzutage füllen die Archäologen die Gräber nach einer Ausgrabung wieder halb auf, damit die Steine ihre Position halten können. Hier ist dies aber nicht geschehen. Doch dank der Arbeit der ehrenamtlichen Bodenpfleger etc. sind die Stätten gut in Schuss und werden jährlich von überflüssigem Laub befreit.

Spannend ist, dass diese Gräber lange nach ihrer ursprünglichen Erbauung durch Angehörige der Trichterbecherkultur noch weiter als Grabstätten genutzt wurden, und zwar von den neuen Bewohnern der Insel, erst den Germanen und dann den Slawen.

Ich habe eines der Gräber für mein Lughnasadh-Ritual genutzt. Netterweise hat sich die ganze Zeit kein anderer Tourist blicken lassen, so dass Frey und ich ungestört waren. Dieses spezielle Grab ist noch abgedeckt, und tatsächlich kann man in den Hohlraum hineinklettern. Ich wäre gar nicht auf die Idee gekommen, wenn unser Tourguide, der uns die Gräber gezeigt hat, uns nicht ausdrücklich darauf hingewiesen hätte, dass das erlaubt ist. Es ist schon ein besonderes Gefühl gewesen.

Herzogsgrab

Eine Sage brachte den Lehrer und Heimatforscher Fritz Worm auf die Spur dieses Großdolmens, der heute in einem idyllischen Wäldchen aus vielen Ebereschen und anderen Bäumen liegt (und ein paar tausend Mücken). Da wir von der falschen Seite per Fahrrad amen, haben wir eine Weile danach gesucht. So richtig zielführend waren die Wegweiser nämlich nicht. Macht aber nichts, denn es ist eine schöne Gegend.

Bei Ausgrabungen Anfang des 20. Jahrhunderts fand man sowohl ein Brandgrab mit Urnen als auch die Skelette von 30-40 Personen mitsamt zahlreichen Grabbeigaben: Pfeilspitzen, Tongefäße mit Tiefstrichverzierung, Bernsteinschmuck, und Steinbeile aus der Jungsteinzeit. Bis in die Bronzezeit wurden hier Bestattungen vorgenommen.

Die eigentliche Grabkammer war von einem trapezförmigen 15 Meter langen Hühnenbett umgeben. Sie bestand aus 4 Tragsteinpaaren und 3 Decksteinen, von denen einer noch unversehrt ist.

Ziegensteine

Ganz in der Nähe der Hügelgräber von Lancken-Granitz findet man die Ziegensteine. Dabei handelt es sich um einen 35m langen Großdolmen mit einem trapezförmigen Hünenbett und 2 Wächtersteinen. Auch hier fanden sich neben typischen Funden der Trichterbecherkultur 7 Urnen slawischen Ursprungs. Die Ziegensteine wurden über 4000 Jahre als Grabstätte verwendet.

Arkona – Jaromarsburg

Die Jaromarsburg ist leider seit geraumer Zeit nicht mehr zugänglich und wird es wohl auch nicht mehr werden. Man kann sie sich nur von oben ansehen, indem man auf den daneben stehenden Peilturm klettert. Dann hat man aber eine spektakuläre Aussicht, die sich wirklich lohnt und wird zusätzlich mit Infotafeln im Turminneren belohnt.

Der Grund für die Sperrung ist die zunehmende Erosion, die dafür gesorgt hat, dass die Anlage schon auf ein Drittel geschrumpft ist. Die Jaromarsburg liegt direkt an der Abbruchkante, und logischerweise möchte man verhindern, dass sich dort unfreiwillig irgendwelche Touristen die Klippe hinunterstürzen. Menschenopfer sind auch hier aus der Mode gekommen.

Vom 9.-12. Jahrhundert hatten dort die Ranen, ein slawischer Stamm, eine Kultstätte, die dem Gott Svantevit geweiht war. Hinter zwei 13 m hohen Ringwällen befand sich ein hölzerner Tempel auf einer freien Fläche mit einer 4 m hohen Statue des vierköpfigen Gottes aus Eichenholz. Heutzutage gibt es in der Nähe zumindest eine moderne Nachbildung als Sandskulptur. Nachdem Rethra, das ursprünglich wichtigste religiöse Zentrum in der Gegend, im Jahre 1068 zerstört wurde, nahm Arkona mit der Jaromarsburg dessen Bedeutung ein. Hier fanden unter anderem Ernteorakel statt. Die gefundenen Opfergaben stammten nicht nur von Slawen.

Die Jaromarsburg ist unter anderem deswegen so beeindruckend, weil es die einzige Anlage dieser Art ist, von der man eine zeitgenössische Beschreibung hat, nämlich von Saxo Grammaticus.

Im Jahre 1168 oder 1169 wurde die Burg schließlich nach einer vierwöchigen Belagerung eingenommen. Aufgrund von Wasserknappheit konnte der Brand, den die Belagerer gelegt hatten, nicht gelöscht werden. Die Tempelburg wurde zerstört, und die Götterstatue ebenso.

Danach unterwarfen sich die Anführer der Ranen den dänischen Eroberern und Rügen wurde nach und nach doch christianisiert.

Svantevitstein Altenkirchen/Jaromarstein Bergen

Die beiden Steine, die sich im Gemäuer von Kirchen in Altenkirchen und Bergen befinden, zeigen eine Person, die ein Trinkhorn hält bzw. hielt, denn im Falle des Jaromarsteins in Bergen hat man das ursprüngliche Horn weggekratzt und darüber ein Kreuz gelegt. Eine Vermutung ist, dass es sich um einen Priester des Svantevit handelt, jenes vierköpfigen Gottes, der in der Jaromarsburg auf Kap Arkona verehrt wurde.

Der Svantevitstein wurde horizontal eingemauert im Durchgang zwischen Kirchraum und Sakristei/Waffenkammer. Waffenkammer? In einer Kirche? Ja, offenbar hatten die frühen Rüganer die Angewohnheit, mit voller Bewaffnung zur Messe zu gehen. Vor Beginn mussten sie ihre Waffen allerdings ablegen. Die horizontale Position des Steins wird vielfach so gedeutet, als wollten die damaligen Christen die Überlegenheit ihres Gottes gegenüber dem ‚umgefallenen‘ Priester andeuten.

Der Jaromarstein, benannt nach dem slawischen Fürsten, der sich letztlich den Dänen unterworfen hat, ist in der Außenmauer der St. Marienkirche zu finden. Eine weitere Deutung des Steins ist, dass es sich dabei um seinen Grabstein handeln könnte. Allerdings waren steinerne Grabsteine zu jener Zeit nicht üblich auf Rügen, und zweitens hätte der Gute dann gleich mehrere davon.

Königsstuhl – Herthasee, slawischer Ringwall

Der Wall, der am Herthasee einst eine slawische Burg umgeben hat, ist gewaltig. Ursprünglich war oben auf dem Wall noch eine hohe Palisade, wie man den Skizzen entnehmen kann. Heute sieht man nur noch einen Erdwall, mit Bäumen bewachsen, aber dieser ist immer noch so unglaublich hoch und langgezogen, dass man ihn kaum richtig erfassen kann. Ihn zu besteigen, ist allerdings nicht erlaubt.

Der Herthasee, so will es die Erzählung der Reiseführer, soll der See sein, in dem der Reisewagen der Göttin Hertha (alias Nerthus) nach ihrer Umfahrt gereinigt wurde, was Rügen zu der von Tacitus beschriebenen Insel macht. Am Ufer des Sees gibt es auch einen Opferstein passend dazu. Zu passend, denn tatsächlich stammt diese Verbindung der Nerthus-Geschichte mit dem See den kreativen Köpfen der Tourismusbranche des 19. Jahrhunderts. Der Opferstein wurde hierzu extra herbeigeschafft und mit rotbraunen Spuren versehen, um die Fantasie der Besucher zusätzlich anzuheizen.

Nichtsdestotrotz ist es ein beeindruckender Ort.

Für die Wikingerfans gibt es außerdem noch den Schatz von Harald Blauzahn zu bewundern. Teile dieses Schatzes wurden 2018 auf einem Acker auf Rügen ausgegraben. Man vermutet, dass es sich um die Reisekasse von Harald gehandelt haben könnte, die dieser auf der Flucht vor seinem Sohn Sven nach der verlorenen Schlacht von Helgenes (Bornholm?) vor circa 1000 Jahren zurücklassen musste. Sven, anders als sein Vater, ein Heide, ließ nach seinem Sieg alle Münzen mit der Prägung seines Vaters, systematisch aus dem Verkehr ziehen, so dass die Rügener Münzen großen Seltenheitswert haben. Im Museum von Sellin gibt es neben den Münzen auch Kopien verschiedener Schmuckstücke, darunter einen Thorshammer. Die Originale befinden sich in Schwerin.

Endlich auf Deutsch: Der Weg des Herdhüters

Vor ein paar Jahren gab es ergänzend zum Dedicant Path/Dedikatenpfad im ADF den Hearthkeeper’s Way, eine praktische Heransgehensweise ans Druidentum für die, die nicht so aufs Bücherwälzen zu stehen, sondern lieber machen. Und natürlich auch für die, die beides mögen.

Da das Programm kostenlos ist, bietet es gleichzeitig den perfekten Einstieg für diejenigen, die einfach mal unverbindlich ins Druidentum hineinschnuppern möchten.

Und nun, nach langer Wartezeit, gibt es endlich auch eine deutsche Version, die bald auf der ADF-Webseite zu finden sein sollte. Sonst schreibt mich an, ich kann sie euch zur Verfügung stellen.

Hier ist ein Beispiel für das Ritual zur kommenden Frühjahrstagundnachtgleiche. Die Ritualsripte sind weitgehend gleich aufgebaut, um Anfängern den Einstieg zu erleichtern. Wer es gerne etwas aufwändiger hätte oder eine persönliche Note einbringen möchte: Flexibilität ist alles. Es gibt ein paar feste Elemente, die als solches markiert sind. Alles andere kann nach eigenem Gusto gestaltet werden.

Frühlings-Tagundnachtgleiche
Die Frühlings-Tagundnachtgleiche, oft auch Ostara genannt, ist die Zeit des Jahres, in der der Winter endlich die Welt verlässt und der Tag und die Nacht gleich lang sind. Es ist eine Zeit der Fruchtbarkeit, des neuen Lebens und neue Anfänge. Die Bauern können mit der Aussaat beginnen und neues Vieh wird geboren, um die Herden aufzustocken.
Wir konzentrieren uns während dieses Rituals besonders auf Ausdauer und Erneuerung, denn historisch gesehen ist dies der magerste Teil des Jahres: Die Nahrungsvorräte aus dem Winter gingen zur Neige, aber die neuen Feldfrüchte hatten noch nicht zu wachsen begonnen.
Als Herdwächter ehren wir an diesem Hochfest die Flamme der Erneuerung. In dieser Zeit des Frühlingsanfangs halten wir inne, um unsere Gelübde als Hüter der Herdflamme zu erneuern. Konzentrier dich auf die Flamme und stell dir vor, wie du im kommenden Jahr deinem Haus und Herd dienen wirst.
Während wir uns darauf vorbereiten, die Jahreszeit zu feiern, haben wir in das Ritualskript ein pan-indoeuropäisches Wesen aufgenommen, das üblicherweise mit diesem Feiertag in Verbindung gebracht wird: die Erdmutter.
Wir haben auch die Tugend festgehalten , die für diesen Feiertag im Mittelpunkt steht (Ausdauer). Wie bei den anderen Herdhüter-Ritualskripten kannst du die darin enthaltenen Gebete und Rituale beliebig verändern, hinzufügen oder entfernen, um den Bedürfnissen und dem kulturellen Schwerpunkt deines Herdes gerecht zu werden.
Wir werden darauf hinweisen, welche Elemente im Skript wesentlich für das Ritual sind und nicht ausgelassen werden sollten, aber dennoch kannst du sie nach deinen Wünschen verändern.
Wenn du das Ritual wie geschrieben durchführen willst, benötigst du:

  • Opfergaben für:
    o die Herd-Gottheiten
    o die Erdmutter
    o die Ahnen
    o die Naturgeister
    o die Leuchtenden
    o das göttliche Wesen des Anlasses (GödA)
    o das Gabengebet
  • Eine Darstellung für das Feuer, den Brunnen und den Baum
  • Ein Wahrsageset
  • Etwas zu trinken
  • Eine Kerze oder eine andere Darstellung für die Flamme der Jahreszeit

  • Eröffnungsgebet [Herdhüter-Essential]
    Ich (wir), [Name des Herdes einfügen, falls zutreffend], bin ein Baum im Hain von Ár nDraíocht Féin. Während meine Wirbelsäule sich aufrichtet, verflechten sich meine Wurzeln mit den Bäumen im Hain und meine Äste spenden Schatten für mich (die Mitglieder unseres Hains). Das Feuer in mir (jedem von uns) ist ein Stern am Himmel des Geistes von ADF.

  • Einweihung des Ritus

    Einatmen Ich nehme mir einen Moment Zeit, um für das Leben zu danken.
    Ausatmen Ich lasse meine Frustrationen los.
    Einatmen Ich spüre, wie die Luft meinen Körper energetisiert.
    Einatmen Ausatmen Ich spüre, wie sich mein Körper entspannt.
    Einen Moment innehalten, um sich zu zentrieren
    Ich komme in diesen Raum mit einem von Sorgen befreiten Geist.
    Ich komme in diesen Raum mit einem Herzen, das frei von Sorgen ist.
    Ich komme an diesen Ort, um die Kindred zu ehren und die Arbeit weiterzuführen, die ich hier
    getan habe.

  • Der Herd und unsere Verbündeten
    Geboren in den Wassern, entfacht auf dem Land,
    mit einer Rauchsäule, die den Himmel trägt,
    Dieses Feuer brennt im Zentrum von allem
    Um meine Stimme zu den Geistern zu tragen.
    Gezündet von der großen Flamme, bewahrt durch kluges Geschick
    Verbunden mit unserem gemeinsamen Herd, dass diese Flammen eins sind
    Heilige Hüter der Flamme, leuchtet heute hier in mir.
    Nehmt diese Worte und Taten, nehmt meine Gaben an.
    Reinigt mich, führt und leitet mich, helft mir, wenn ich bete,
    Erfüllt mein Herz mit Hoffnung und Liebe, erleuchtet meinen Weg.
    Opfer darbringen

  • Mutter Erde
    Ein Kind der Erde ruft die Mutter an.
    Erdmutter, du bist mein Fundament, mein Ort der Sicherheit und die Quelle meiner Kraft.
    Von dir kam alles Leben und zu dir wird alles Leben zurückkehren.
    Ich gebe dir diese Gabe in Dankbarkeit und Liebe.
    Mutter Erde, nimm meine Gabe an.
    Opfergabe machen

  • Inspiration
    Mögen die Kräfte der Inspiration durch mich fließen, um mir Leichtigkeit der Sprache und Leichtigkeit des Herzens zu geben.

  • Zweck und Absicht [Herdhüter- Essential]
    Wie die Sonne in ihrem zeitlosen Zyklus wandert, so stehe ich, [Name des Herdes einfügen, falls zutreffend], erneut hier, um die Verbündeten meines Hauses und Herdes zu ehren, um in Harmonie mit dem Hain von ADF zu sein und meine Beziehung zu den Geistern zu vertiefen. Ich stehe hier im Licht der Sonne, und beginne eine neue Zeit der Verbindung und Gemeinschaft mit den Geistern, anderen Herden und dem Hain von ADF. Wie meine Vorfahren es früher taten, so tue
    ich es jetzt, und so mögen es meine Nachkommen in der Zukunft tun.
    Während die Erdmutter wieder in der Welt erwacht, entzünde ich das Herdfeuer und rufe zu ihr.
    Geliebte Mutter der Erde, erwache und erfülle unsere Welt mit Wundern! Möge ich in meinem persönlichen Tun und Lassen dich immer hochhalten!

  • Die heilige Mitte
    Heiliger Brunnen, Wasser so tief.
    Reiche zu den Reichen unter dir.
    Bring die Kräfte, die du gewährst, in mein Leben:
    Schöpfung, Weisheit, Schicksal.
    Verbinde mich durch die Kräfte des Chaos mit dem Reich der Ahnen.
    Heiliges Feuer, Flammen so hell.
    Reiche zu den Reichen in der Höhe.
    Bring meinen Göttern die Worte, zu denen ich bete:
    Ehre, Ghosti, Pietas.
    Verbinde mich durch die Mächte der Ordnung mit dem Reich der Leuchtenden.
    Heiliger Baum, du große Säule.
    Umspanne die Welten, verbinde die Tore.
    Bring den Welten meine Taten an diesem Tag:
    Wahrhaftigkeit, Fairness, Ehrlichkeit.
    Verbinde die Mächte oben und unten, zeige uns das Reich der Naturgeister.
    Heiliges Zentrum der Welten, Feuer, Brunnen und Baum:
    Verbinde mich mit den Reichen ringsum.
    Mit dem Himmel oben, dem Land ringsum und den tiefen Gewässern.
    An diesem Ort treffe ich die Kindred.

  • Das Öffnen der Tore
    Heilige Hüterin() der Wege zwischen den Welten: Verbinde deine Magie mit meiner, während ich die Tore zwischen den Welten öffne. Hüterin der Tore, mögen die Tore sich öffnen! () oder Hüter, je nach Wahl

  • Die Kindred einladen
    Geister der Natur, möge ich lernen, achtsam durch diese Welt zu gehen.
    Möge ich mich bemühen, euch zu schützen und unsere Mutter zu schützen. Möge ich mich daran erinnern, dass selbst die kleinsten Dinge helfen, unsere Welt zu erneuern und wiederherzustellen.
    Geister der Natur, ich preise euch und lade euch an mein Feuer ein.
    Opfer darbringen
    Ahnen des Blutes, ich danke euch für die Entscheidungen, die ihr getroffen habt, um mich ins Dasein zu bringen.
    Ahnen des Herzens, ich danke euch für die Gaben und die Liebe, die ihr in mein Leben gebracht habt.
    Vorfahren des Geistes, ich danke euch für die Herausforderung, auf meinem Weg zu wachsen.
    Ahnen, ich preise euch und lade euch an mein Feuer ein.
    Opfer darbringen
    Ihr Leuchtenden, möge ich lernen, mutig in dieser Welt zu gehen.
    Möge ich mich bemühen, die Arbeit zu tun, die ihr mir vorgesetzt habt. Möge ich mich an die Lektionen erinnern, die ihr durch die Zeitalter gelehrt habt.
    Ihr Leuchtenden, ich preise euch und lade euch an mein Feuer ein.
    Opfer darbringen

  • Hauptopfer [Herdhüter- Essential]
    Ich rufe jetzt die Erdmutter meines Herdes an. Mutter Erde, [rezitiert ihre vielen Namen, wenn gewünscht], ich lade dich ein, mein Ehrengast zu sein.
    Mögest du dich an meinem Feuer willkommen fühlen und heute mit mir dieses Ritual dir zu Ehren feiern. Erdmutter, ich preise dich und lade dich an mein Feuer ein!
    Opfer darbringen

  • Gabengebet
    Kindred, ich habe euch Gaben und Lobpreisungen dargebracht. Nehmt dies als mein letztes Opfer an!
    Opfer darbringen

  • Omen
    Möge Weisheit die Omen erfüllen, um mir eine Botschaft und ein Geschenk für die kommende Jahreszeit zu bringen.
    Omen nehmen

  • Gegengabe
    Ich habe euch geopfert und ihr habt mich mit eurer Weisheit gesegnet.
    Ich bitte euch nun darum, dass ihr das Wasser verteilt und es mit euren Gaben durchtränkt.
    Durch die Kräfte der Naturgeister,
    durch die Kräfte der Ahnen,
    durch die Kräfte der Leuchtenden,
    Erfüllt sei dieses Wasser mit Weisheit und (Omen).
    Seht das Wasser des Lebens!
    Trink aus dem Becher

  • Saisonale Ritualarbeit [Herdhüter- Essential]
    Entfache die Flamme der Erneuerung in Deinem Herzen. Zum Frühlingsanfang halten wir inne, um unsere Gelübde als Hüter der Herdflamme zu erneuern. Konzentrier dich auf die Flamme und stell dir vor, wie du im kommenden Jahr deinem Haus und Herd dienen werden.

  • Wiederherstellung des Alltäglichen
    Der Erdmutter danke ich heute besonders.
    An die mächtigen Kindred: Ich danke euch.
    Der Hüterin der Tore danke ich dafür, dass sie über die Wege wacht und sie hütet. Wenn ich nun die Wegkreuzung verlasse, soll alles so sein, wie es vorher war, bis auf die Magie, die ich heute hier gewirkt habe.
    Mögen die Tore sich schließen!
    Inspiration, ich danke dir, dass du meiner Stimme Ausdruck verliehen hast.
    Mutter Erde, ich danke dir, dass du mich immer in meinem Leben und meiner Arbeit unterstützt hast.
    Herdgottheit, ich danke dir für deine Gegenwart und deinen Schutz in meinem Leben.
    Allen Göttern danke ich!
    Wie ich heute meinen Respekt erwiesen habe, so werde ich es auch wieder tun. Helft mir, die Tugenden in meinem Herzen zu bewahren: um mit Weisheit zu wandeln, pietätvoll im Kontakt mit den Kindred zu sein, mit Weitblick klar zu sehen, mit Mut voranzugehen, immer mit Rechtschaffenheit zu handeln, immer mit Integrität zu handeln, die nötige Ausdauer zu haben, mit Gastfreundschaft zu leben, moderat in meinen Handlungen zu sein, ein schöpferisches Leben zu leben und Mitgefühl in meinem Herzen zu haben.
    Dieses Ritual ist nun beendet. Mögen wir alle in Frieden und Gemeinschaft auseinander gehen.

Klorollengöttin: Berehynia

Anlässlich des Kriegs in der Ukraine habe ich eine Version von Berehynia erstellt. Eigentlich zählt sie zu den Vila, slawischen Wassergeistern. In letzter Zeit wurde sie aber zur Schutzgottheit der Ukraine befördert. Diese goldene Statue in Kiev habt ihr bestimmt schon mal im Internet oder Fernsehen gesehen.

Vielleicht könnt ihr sie gebrauchen für Rituale rund um die Ukraine, Friedensgebete oder was auch immer.

Hoffen wir, dass die schlimmen Zeiten für die Ukraine bald ein gutes Ende haben und Berehynia ihre Kinder beschützt.