Es müssen nicht immer griechische Tempel oder irische Dolmen sein – auch Rügen ist ganz nett

Rügen ist eine Insel in der Ostsee und war lange Teil der Deutschen Demokratischen Republik. Seit der Wende ist die Insel auch dem Rest der Welt wieder zugänglich, und es lohnt sich. Nicht nur ist die Landschaft bezaubernd und die Ostsee fantastisch zum Schwimmen geeignet. Es gibt wohl auch kaum eine andere Ecke von Deutschland, die so zugepflastert ist mit Megalithgräbern.

Unsere Reise führte in den Osten der Insel und ich möchte euch gerne ein paar der Orte vorstellen, die wir dort besucht haben. Nach den germanischen Wikingern lebten hier slawische Stämme, denen wiederum christianisierte Sachsen folgten Daraus ergibt sich ein bunter indoeuropäischer Mischmasch.

Lancken-Granitz

Lancken-Granitz ist eine wahre Fundgrube an Megalithgräbern. Durch ein Feld zieht sich eine Kette von 7 Großdolmen aus der Jungsteinzeit wie eine Perlenschnur.

Jedes Grab ist von einem kleinen Hain umgeben. Der ist aber nicht etwa uralt, sondern war vom Kurfürsten als eine Schutzmaßnahme angeordnet worden. Dabei hat er nicht berücksichtigt, dass die Wurzeln der Bäume die schweren Steine aus ihren Positionen hebeln könnten. Heutzutage füllen die Archäologen die Gräber nach einer Ausgrabung wieder halb auf, damit die Steine ihre Position halten können. Hier ist dies aber nicht geschehen. Doch dank der Arbeit der ehrenamtlichen Bodenpfleger etc. sind die Stätten gut in Schuss und werden jährlich von überflüssigem Laub befreit.

Spannend ist, dass diese Gräber lange nach ihrer ursprünglichen Erbauung durch Angehörige der Trichterbecherkultur noch weiter als Grabstätten genutzt wurden, und zwar von den neuen Bewohnern der Insel, erst den Germanen und dann den Slawen.

Ich habe eines der Gräber für mein Lughnasadh-Ritual genutzt. Netterweise hat sich die ganze Zeit kein anderer Tourist blicken lassen, so dass Frey und ich ungestört waren. Dieses spezielle Grab ist noch abgedeckt, und tatsächlich kann man in den Hohlraum hineinklettern. Ich wäre gar nicht auf die Idee gekommen, wenn unser Tourguide, der uns die Gräber gezeigt hat, uns nicht ausdrücklich darauf hingewiesen hätte, dass das erlaubt ist. Es ist schon ein besonderes Gefühl gewesen.

Herzogsgrab

Eine Sage brachte den Lehrer und Heimatforscher Fritz Worm auf die Spur dieses Großdolmens, der heute in einem idyllischen Wäldchen aus vielen Ebereschen und anderen Bäumen liegt (und ein paar tausend Mücken). Da wir von der falschen Seite per Fahrrad amen, haben wir eine Weile danach gesucht. So richtig zielführend waren die Wegweiser nämlich nicht. Macht aber nichts, denn es ist eine schöne Gegend.

Bei Ausgrabungen Anfang des 20. Jahrhunderts fand man sowohl ein Brandgrab mit Urnen als auch die Skelette von 30-40 Personen mitsamt zahlreichen Grabbeigaben: Pfeilspitzen, Tongefäße mit Tiefstrichverzierung, Bernsteinschmuck, und Steinbeile aus der Jungsteinzeit. Bis in die Bronzezeit wurden hier Bestattungen vorgenommen.

Die eigentliche Grabkammer war von einem trapezförmigen 15 Meter langen Hühnenbett umgeben. Sie bestand aus 4 Tragsteinpaaren und 3 Decksteinen, von denen einer noch unversehrt ist.

Ziegensteine

Ganz in der Nähe der Hügelgräber von Lancken-Granitz findet man die Ziegensteine. Dabei handelt es sich um einen 35m langen Großdolmen mit einem trapezförmigen Hünenbett und 2 Wächtersteinen. Auch hier fanden sich neben typischen Funden der Trichterbecherkultur 7 Urnen slawischen Ursprungs. Die Ziegensteine wurden über 4000 Jahre als Grabstätte verwendet.

Arkona – Jaromarsburg

Die Jaromarsburg ist leider seit geraumer Zeit nicht mehr zugänglich und wird es wohl auch nicht mehr werden. Man kann sie sich nur von oben ansehen, indem man auf den daneben stehenden Peilturm klettert. Dann hat man aber eine spektakuläre Aussicht, die sich wirklich lohnt und wird zusätzlich mit Infotafeln im Turminneren belohnt.

Der Grund für die Sperrung ist die zunehmende Erosion, die dafür gesorgt hat, dass die Anlage schon auf ein Drittel geschrumpft ist. Die Jaromarsburg liegt direkt an der Abbruchkante, und logischerweise möchte man verhindern, dass sich dort unfreiwillig irgendwelche Touristen die Klippe hinunterstürzen. Menschenopfer sind auch hier aus der Mode gekommen.

Vom 9.-12. Jahrhundert hatten dort die Ranen, ein slawischer Stamm, eine Kultstätte, die dem Gott Svantevit geweiht war. Hinter zwei 13 m hohen Ringwällen befand sich ein hölzerner Tempel auf einer freien Fläche mit einer 4 m hohen Statue des vierköpfigen Gottes aus Eichenholz. Heutzutage gibt es in der Nähe zumindest eine moderne Nachbildung als Sandskulptur. Nachdem Rethra, das ursprünglich wichtigste religiöse Zentrum in der Gegend, im Jahre 1068 zerstört wurde, nahm Arkona mit der Jaromarsburg dessen Bedeutung ein. Hier fanden unter anderem Ernteorakel statt. Die gefundenen Opfergaben stammten nicht nur von Slawen.

Die Jaromarsburg ist unter anderem deswegen so beeindruckend, weil es die einzige Anlage dieser Art ist, von der man eine zeitgenössische Beschreibung hat, nämlich von Saxo Grammaticus.

Im Jahre 1168 oder 1169 wurde die Burg schließlich nach einer vierwöchigen Belagerung eingenommen. Aufgrund von Wasserknappheit konnte der Brand, den die Belagerer gelegt hatten, nicht gelöscht werden. Die Tempelburg wurde zerstört, und die Götterstatue ebenso.

Danach unterwarfen sich die Anführer der Ranen den dänischen Eroberern und Rügen wurde nach und nach doch christianisiert.

Svantevitstein Altenkirchen/Jaromarstein Bergen

Die beiden Steine, die sich im Gemäuer von Kirchen in Altenkirchen und Bergen befinden, zeigen eine Person, die ein Trinkhorn hält bzw. hielt, denn im Falle des Jaromarsteins in Bergen hat man das ursprüngliche Horn weggekratzt und darüber ein Kreuz gelegt. Eine Vermutung ist, dass es sich um einen Priester des Svantevit handelt, jenes vierköpfigen Gottes, der in der Jaromarsburg auf Kap Arkona verehrt wurde.

Der Svantevitstein wurde horizontal eingemauert im Durchgang zwischen Kirchraum und Sakristei/Waffenkammer. Waffenkammer? In einer Kirche? Ja, offenbar hatten die frühen Rüganer die Angewohnheit, mit voller Bewaffnung zur Messe zu gehen. Vor Beginn mussten sie ihre Waffen allerdings ablegen. Die horizontale Position des Steins wird vielfach so gedeutet, als wollten die damaligen Christen die Überlegenheit ihres Gottes gegenüber dem ‚umgefallenen‘ Priester andeuten.

Der Jaromarstein, benannt nach dem slawischen Fürsten, der sich letztlich den Dänen unterworfen hat, ist in der Außenmauer der St. Marienkirche zu finden. Eine weitere Deutung des Steins ist, dass es sich dabei um seinen Grabstein handeln könnte. Allerdings waren steinerne Grabsteine zu jener Zeit nicht üblich auf Rügen, und zweitens hätte der Gute dann gleich mehrere davon.

Königsstuhl – Herthasee, slawischer Ringwall

Der Wall, der am Herthasee einst eine slawische Burg umgeben hat, ist gewaltig. Ursprünglich war oben auf dem Wall noch eine hohe Palisade, wie man den Skizzen entnehmen kann. Heute sieht man nur noch einen Erdwall, mit Bäumen bewachsen, aber dieser ist immer noch so unglaublich hoch und langgezogen, dass man ihn kaum richtig erfassen kann. Ihn zu besteigen, ist allerdings nicht erlaubt.

Der Herthasee, so will es die Erzählung der Reiseführer, soll der See sein, in dem der Reisewagen der Göttin Hertha (alias Nerthus) nach ihrer Umfahrt gereinigt wurde, was Rügen zu der von Tacitus beschriebenen Insel macht. Am Ufer des Sees gibt es auch einen Opferstein passend dazu. Zu passend, denn tatsächlich stammt diese Verbindung der Nerthus-Geschichte mit dem See den kreativen Köpfen der Tourismusbranche des 19. Jahrhunderts. Der Opferstein wurde hierzu extra herbeigeschafft und mit rotbraunen Spuren versehen, um die Fantasie der Besucher zusätzlich anzuheizen.

Nichtsdestotrotz ist es ein beeindruckender Ort.

Für die Wikingerfans gibt es außerdem noch den Schatz von Harald Blauzahn zu bewundern. Teile dieses Schatzes wurden 2018 auf einem Acker auf Rügen ausgegraben. Man vermutet, dass es sich um die Reisekasse von Harald gehandelt haben könnte, die dieser auf der Flucht vor seinem Sohn Sven nach der verlorenen Schlacht von Helgenes (Bornholm?) vor circa 1000 Jahren zurücklassen musste. Sven, anders als sein Vater, ein Heide, ließ nach seinem Sieg alle Münzen mit der Prägung seines Vaters, systematisch aus dem Verkehr ziehen, so dass die Rügener Münzen großen Seltenheitswert haben. Im Museum von Sellin gibt es neben den Münzen auch Kopien verschiedener Schmuckstücke, darunter einen Thorshammer. Die Originale befinden sich in Schwerin.

Spätsommer

Süße letzte Sommerstrahlen,

nicht erfüllt von Sommerglut,

aber warm und leuchtend,

Myriaden von Mücken tanzen darin auf und ab.

Ein leichter Wind,

nur ein Hauch,

Vorbote der Herbstwinde,

bringt eine Ahnung von der Kühle der kommenden Monate.

Spät blühen noch Kosmeen, einzelne Sonnenblumen und Chrysanthemen,

Mädchenauge, Fetthenne und einige Ringelblumen halten sich hartnäckig,

ein Leuchtfeuer in gelb, orange und lila.

Grüne Blätter mit braunen Spitzen.

Rosen verwandeln sich in Hagebutten.

Spinnfäden wie graue Haare treiben in der Brise.

T-Shirt-Wetter, doch am Abend braucht man eine Jacke.

Und der Sommer sagt leise Auf Wiedersehen.

Late summer

Sweet last rays of summer,

not filled with summer glow,

but warm and bright,

Myriads of mosquitoes dance up and down in them.

A light breeze,

just a breeze,

harbinger of the autumn winds,

brings an inkling of the coolness of the coming months.

Late blooming are still cosmeas, single sunflowers and chrysanthemums,

Maidenhair, stonecrop and a few marigolds persevere,

a beacon of yellow, orange and purple.

Green leaves with brown tips.

Roses turn to rose hips.

Spider threads like gray hairs drift in the breeze.

T-shirt weather, but in the evening you need a jacket.

And summer quietly says goodbye.

#PrayerADay #ADFDruidry

Video: Meditation zur Frühlings-Tagundnachtgleiche

Solitary Spring Equinox Ritual – Meditation

Ich verpflanze mich in die Erde. Meine Wurzeln bohren sich in den Grund. Durch den Boden hindurch, dunkel, reich, nahrhaft, suchen sie nach lebenspendendem Wasser. Ich tauche tief hinab, berühre das kühle Wasser dort unten, die Ursuppe von Materie und Chaos. Ich sauge diese Energie auf, durch meine Wurzeln, in meinen Körper. Sie erfüllt mich, meinen Körper, meinen Verstand, meine Seele, bis ich überfließe.

(Pause)

Ich strecke mich dem Himmel entgegen. Meine Äste werden länger und stärker. Meine Blätter entrollen sich und öffnen sich für das Licht von Sonne, Mond und Sternen. Aus fernen Himmeln scheint das Licht der Schöpfung auf mich herab. Ich ziehe diese Energie in mich hinein, durch meine Blätter und Zweige, in meinen Körper. Sie erfüllt mich, meinen Körper, meinen Verstand, meine Seele, bis ich überfließe.

(Pause)

Diese beiden Kräfte in mir mischen sich und verschmelzen. Sie werden mein, mischen sich mit meiner eigenen Energie. Ich bin erfüllt mit den schöpferischen und zerstörenden Kräften der Natur. Mögen diese Kräfte und die Kräfte des Geistes, der allen Dingen innewohnt, mir heute und in Zukunft von Nutzen sein.

(Pause)

Zum Himmel fließt die Schöpferkraft zurück, zur Erde fließt die Kraft des Chaos zurück. Ich kehre zurück in die normale Zeit und den normalen Raum, in das irdische Reich der Menschen, aber in mir bleibt der Segen der Kindred!

(aus: “Solitary Spring Equinox Ritual” by Amanda Lynne Orcutt, in Oak Leaves #37, Ü: B.R.)

Diese Mediation ist nicht von mir, sondern nur die Übersetzung. Vielen Dank an Amanda Lynne Orcutt für diese tolle Meditation! Und euch viel Vergnügen beim Meditieren!

https://drive.google.com/file/d/1ZV8oPXSff4IAjXYIJcrjfm-fZX3wwtHT/view?usp=sharing

Himmel, Land und Meer – eine druidische Perspektive oder: Woran glauben Druiden?

Wer in einer Buchhandlung ins Esoterikregal schaut oder mal in ein heidnischen Forum hineinschnuppert, der findet in erster Linie drei Gruppen in Deutschland:

Da wären die Asatru, die Verehrer der nordischen Götter. Wer ‘Vikings’ mag, oder sich gerne auf Mittelaltermärkten herumtreibt, der wird sich hier hingezogen fühlen. Das soll keine Beleidung sein, nicht falsch verstehen. Aber viele Leute fangen auf diese Art und Weise an. Hier gibt es mehrere kleine und größere Organisationen, vom Eldaring über den Verein für germanisches Heidentum bis hin zu Trüppchen, die auch eher in der rechten Ecke anzusiedeln sind. Das ist der große Ärger, mit dem die deutschen Heiden, und besonders die Asatru zu kämpfen haben: Dass ihr Glaube gerne von der rechten Szene vereinnahmt wird, ihre Rituale und Feiertage missbraucht. Und leider gibt es auch solche. Die gibt es ja irgendwie überall, wie Unkraut.

Nun sind die wenigsten Leute, die Heiden sind, rechts! Im Gegenteil: Wenn die christliche Szene sich so aktiv gegen Rassismus und für Toleranz aussprechen würde, wie das Heidentum, dann wäre die Welt ein deutlich besserer Ort. Ich habe bislang selbst noch keinen rechten Heiden getroffen. Aber dank der Nazis werden Asatru schnell von Ahnungslosen skeptisch beäugt. Auch tragen viele Leute gerne einen Thorshammer oder ein anderes entsprechendes Symbol als Modeschmuck oder Tattoo, ohne tatsächlich Heide zu sein. Ist ja auch okay, macht halt das Differenzieren schwerer.

Die zweite große Gruppe sind die Wicca. Auch hier gibt es verschiedene Ausprägungen. Entscheidend ist, dass der Wiccastil deutlich das Bild vom Heidentum in der Literatur und darüber hinaus geprägt hat. Die Dualität von Gott und Göttin, die 8 Jahreskreisfeste, die vier Himmelsrichtungen und das Kreisziehen stammen von dieser Richtung. Wicca ist formeller und mit alchemistischen Zügen.

Dann gibt es noch die Hexen. Hier tummelt sich alles, Kräuterfrauen, weise Frauen, Menschen mit einer Familientradition über mehrere Generationen und solche, die sich alles frisch angelesen haben, Engelsrufer und Kristallgucker, Tarotkartenleserinnen und Trommler. Entschuldigt, wenn ich euch alle hier in diesem Punkt versammle, aber hier ist die Diversität tatsächlich so unglaublich groß, weil praktisch jeder sein eigenes Ding macht, dass ich da nicht spezifischer werden kann. Ich habe mich selbst lange genug dazugezählt. Die Hexen haben manche Dinge von den Wicca übernommen (Kreis ziehen etc.), aber ihr eigenes Ding daraus gemacht. Und mein persönlicher Eindruck ist, dass es hierbei auch mehr um die Arbeit am eigenen Selbst geht als im Wicca.

Den Schamanismus findet man übergreifend in allen Bereichen und auch als separate Sparte.

Und dann halt die Druiden, in unserem Fall die ADF-Druiden…

Für uns gliedert sich der Kosmos in 3 Bereiche: die Oberwelt oder den/die Himmel, die mittlere Welt und die Unterwelt. Je nachdem, welchem Pantheon man anhängt, können sich diese Welten in mehrere Bereiche gliedern: Im nordischen Weltbild gibt es beispielsweise 9 Welten, bei den Griechen spaltet sich die Unterwelt in Elysium, Tartarus etc. auf und so weiter.

Die Kosmos-Sigille von Rev. Ian Corrigan repräsentiert die Oberwelt (durch das Sonnenrad oben), die mittlere Welt (durch das Gitternetz in der Mitte) und die Unterwelt (durch den spiralförmigen Strudel unten).

Diese Welten sind durch den Weltenbaum miteinander verbunden. Mircea Eliade hat dazu tolle Fachliteratur geschrieben, die das sehr gut erklärt. In der einfachen Version lautet das so: Die Götter haben das Chaos weitgehend gebändigt und dem Kosmos eine Ordnung gegeben. Dadurch ist der nun sehr gleichförmig geworden, sehr ordentlich. Dadurch wird aber auch die Orientierung schwerer. Es sieht ja alles gleich aus! Der Weltenbaum ist nun ein Orientierungspunkt. Wenn man ihn erreicht, weiß man wieder, wo man ist und wo man hinmuss. Eliade setzt übrigens das christliche Kreuz mit dem Weltenbaum in dieser Hinsicht gleich. Jedem sein eigener Orientierungspunkt.

Der Weltenbaum ist darum auch eines unserer Symbole für die Heilige Mitte. Die anderen sind die Quelle und das Feuer. Während der Weltenbaum den Zugang zu den Naturgeistern darstellt, die Seite an Seite mit uns leben (animistisches Weltbild, beseelte Natur), dient die Quelle mit ihrem Wasser als Zugang zur Unterwelt und den Ahnen und das Feuer als Zugang zur Oberwelt und den Göttern. Sehr vereinfacht, denn es gibt ja auch Götter der Unterwelt und umgekehrt Ahnen und Geister, die wir eher im Himmel ansiedeln würden. Da ist Flexibilität gefragt 😉

Aus diesen 3 Symbolen bilden wir den Kosmos nach und wiederholen im Ritual den Schöpfungsakt. Wir schaffen und formen buchstäblich unsere Welt.

Wen verehren wir dabei? Erwähnt habe ich sie schon, unsere Kindred. Dabei handelt es sich um drei Gruppen, nämlich die Ahnen, die Naturgeister und die Götter.

Über letztere habe ich schon an anderer Stelle mehr erzählt.

Die Ahnen setzen sich zusammen aus den leiblichen Ahnen (Ahnen des Blutes), denen des Landes (die, die vor Urzeiten hier gelebt haben), den Ahnen des Herzen (die, die einem persönlich nahestehen ohne verwandt zu sein) und den Ahnen des Geistes (den Helden und Vorbildern, denen man nacheifert). Außerdem gibt es noch die mythologischen Ahnen, das sind Heldenfiguren aus der Mythologie oder Literatur. Prinzessin Leia ist da ein gutes Beispiel.

Die Naturgeister setzen sich ebenfalls aus einer Vielzahl verschiedener Wesenheiten zusammen. Es gibt die Geister des Hauses, die sich um den reibungslosen Ablauf des Haushalts kümmern, Geister der Elemente, Geister der verschiedenen Pflanzen und Tiere, die für ihre jeweilige Art sorgen oder auch nur ein einzelnes Exemplar, Geister des Landes oder Ortes, die eine bestimmte Stelle bewohnen und beseelen, Geisterwesen wie Feen, Kobolde, Dryaden, Nixen, und und und… Sie leben parallel neben uns her. Manche von ihnen sind freundlichen gesinnt, manche eher feindlich. Du kennst das, wenn du dich an einem Ort nicht wohl fühlst und lieber schnell weitergehst? Viele sind eher neutral eingestellt.

Im Ritual ehren wir außerdem Mutter Erde. Das ist nichts ursprünglich druidisches, sondern modernes Heidentum: Wir wissen, woher wir kommen und wohin wir zurückkehren und wir danken der Erde dafür, dass sie uns so lange hält und (er)trägt. Für die alten Druiden mag das selbstverständlich gewesen sein, aber heutzutage wird es immer wichtiger, sich das ins Bewusstsein zu rufen.

Eine andere moderne Neuerung in unseren Ritualen ist der Hüter der Tore. Das ist eine Gottheit oder ein Geist mit liminalen Eigenschaften, also ein Wesen, das zwischen den Dingen unterwegs ist, an Übergängen und Grenzen. Viele von ihnen sind Psychopomps, Götter, die die Seelen ins Leben nach dem Tod geleiten. Der Hüter der Tore dient in unseren Ritualen als Mediator: Er bringt alle Parteien an einen Tisch.

Wann feiern wir? Auch bei uns gibt es die 8 Jahreskreisfeste, die sich im Neuheidentum verbreitet haben. Allerdings sind Abweichungen möglich. Je nach Pantheon können sich die Schwerpunkte verschieben oder weitere Feste dazukommen. Außerdem besteht die Option, die Druidenmonde zu feiern, ein Heilungsritual, das einmal monatlich von allen Interessierten für alle, die Bedarf angemeldet haben, abgehalten wird und Online-Rituale über Zoom, die von Leuten organisiert werden, die nicht haingebunden sind. Die Haine haben ihre eigenen Ritualtermine und es steht jedem frei, unabhängig davon so viele Rituale abzuhalten, wie man möchte, oder auch Devotionalien. Wie man es halt braucht. Der Weg des Herdhüters, einer der möglichen Wege der näheren Auseinandersetzung mit dem Druidentum, setzt darauf, dass man sich bewusst einen eigenen Hauskult mit gemeinsamen Ritualen und Bräuchen aufbaut, der in den Alltag integriert ist. Damit ist Druidentum nicht nur etwas für 8 Tage im Jahr oder sonntags vormittags in der Kirche, sondern soll Teil deines Lebens werden.

Auch bei uns gibt es mehrere Strömungen. Die größte in Deutschland ist der OBOD, der Order of the Bard, Ovates and Druids. Er kommt ursprünglich aus Großbritannien. 2 große Unterschiede zu ADF, Unserem eigenen Druidentum: OBOD betrachtet das Druidentum als eine Philosophie, nicht als eine Religion. Dementsprechend gibt es dort auch keine Priester. Und sie beschränken sich auf die klassischen keltischen Götter. Es gibt aber auch naturgemäß viele Schnittstellen, und so einige ADF-Mitglieder sind gleichzeitig Mitglied im OBOD.

Wie feiern wir? Darüber gibt es schon einiges hier zu lesen. Wichtig wäre an dieser Stelle vielleicht zu erwähnen, dass wir keinen Kreis ziehen und in unseren Ritualen ein Kommen und Gehen problemlos möglich ist. Wir reinigen zu Beginn den Ort und uns und überlassen das weitere Manangement dem Hüter der Tore. Wir schließen bewusst keine Götter und Geister aus. Es gibt jedoch die Option, am Anfang des Rituals eine Opfergabe an die zu machen, die das Ritual eher stören würden oder einfach nicht zum Anlass passen, verbunden mit der klaren Ansage: Wenn ihr nicht mitarbeiten wollt, dann lasst uns jetzt mal eben in Ruhe arbeiten.

Ich hoffe, ich konnte dir ein besseres Bild davon vermitteln, was Unser eigenes Druidentum (ADF) ausmacht.

Endlos-Karten: Die Matronen

Auf dem Blog von Hattifant (englisch) findet man viele tolle Bastelideen, manches gratis, manches zum kleinen Preis. Dort habe ich die ‘endless cards’ endeckt, und es nun geschafft, diese coole Idee für eigene Zwecke zu adaptieren. Bei so vielen dreifaltigen Göttern/Göttinnen lohnt es sich doch, mal einen Versuch zu wagen. Ob man nun Brighid als Heilerin, Schmiedin und Künstlerin (und Hüterin der Flamme) nimmt, den dreiköpfigen Triglav in verschiedenen Ansichten, die drei römischen Götter des Kapitols oder Odin/Thor/Frey, oder wie in meinem Beispiel die drei Matronen: Der Möglichkeiten sind viele!

Wie aber funktioniert das nun? Das Zusammenkleben selbst könnt ihr euch am besten über Youtube bei Hattifant selbst angucken. Wenn ihr dort nach “endless cards Minions” sucht, bekommt ihr eine 7-minütige Videoanleitung, die euch Schritt für Schritt durch das Procedere leitet. Besser kann ich das auch nicht.

Wenn ihr eure Bilder allerdings selbst auswählt und in einer bestimmten Reihenfolge haben wollt, dann müsst ihr vorher ein paar Kleinigkeiten beachten:

  1. Ihr benötigt 4 gleich große Quadrate. Gut ist eine Größe von 12×12 cm, aber es kommt nicht auf ein paar Millimeter mehr oder weniger an. Ich habe kein dickeres Papier, daher habe ich pro Motiv 1 Blatt genommen und die freie Hälfte auf die Rückseite des Motivs geklebt. Dadurch wurde es stabiler.
  2. Wählt eure Motive aus und fügt sie direkt in die Quadrate ein oder klebt sie mittig auf. Das Drumherum könnt ihr noch nach Belieben gestalten. Denkt dran, dass jemand die Rechte an Bildern haben könnte (wahrscheinlich hat), wenn ihr sie im Internet runterladet.
  3. Nun entscheidet ihr euch, in welcher Reihenfolge die Bilder auftauchen sollen. Nennen wir sie ABCD.
  4. Motiv A und C werden jeweils vertikal zur Mittellinie hin gefaltet und anschließend horizontal in der Mitte durchgeschnitten. (in meinem Fall der Votivstein und die junge Matrone in der Mitte)
  5. Bei Motiv B und D werden der obere und untere Rand jeweils zur Mittellinie hin geknickt und dann das Quadrat vertikal halbiert. (die beiden älteren Matronen, die außen sitzen)
  6. Nun musst du die Motive in der folgenden Reihenfolge zusammenkleben: A – D – B – C! Das ist wichtig, denn sonst tauchen die Motive nicht in der gewünschten Reihenfolge auf. (Auf meinem Video seht ihr, dass meine Reihenfolge noch nicht stimmte.) Nutze dabei Hattifants Anleitungsvideo.
  7. Viel Spaß!

Hinweis: Dies ist eine schöne Bastelei, die sich auch gut für ältere Kinder/Teenager eignet, denen die Klorollengötter zu simpel sind.

Vorlage

in English:

If you want to create endless cards with your own motifs, please take the following steps:

You will need thicker paper (or glue two papers together). There are 4 squares, side length for example 12cm x 12cm (about 4,5 inch?). Place each motif in the middle of one square.

Now decide in wich order you want the motifs to appear, then fold and cut them like this:

Motif A and C – Fold the sides to the middle line, cut the square horizontally in the middle.

Motif B and D – Fold the upper and lower rim to the middle line, cut the square vertically in the middle.

Glue them together like Hattifant shows in her video ‘endless card Minions’ on Youtube or her blog. The order of GLUEING is like this: Motif A -D – B – C!

And now have fun with your new endless card!

This is a great craft for older kids, too.

Lieder zur Wintersonnenwende

Es gibt leider wenig schöne Lieder zur Wintersonnenwende auf Deutsch, die man als Heide singen kann. Viele kommen für mich nicht in Frage, da sie speziell für die Nazis geschrieben wurden. Die Lieder hier sollten aber in Ordnung sein.

Das Licht ist neu erwacht

Dies ist ein altes Werk von mir. Die Melodie ist die von “The Wearing of the Green” oder auch “The Rising of the Moon”, einem irischen Volkslied.

Leise rieselt der Schnee – Heidnische Version

Stille Nacht – Heidnische Version

Man mag diskutieren, ob es nötig ist, Lieder anderer Religionen gewissenmaßen für eigene Zwecke anzupassen. Diese Art von Diebstahl hat aber eine lange Tradition. Immerhin wurden viele Kirchen auf alten heidnischen Kraftorten errichtet und einige heidnische Götter zu Heiligen umfunktioniert. Ganz abgesehen davon verbinde ich mit diesen Liedern persönlich sehr viel. Für mich gehören sie zu dieser Zeit des Jahres dazu, und daher singe ich gerne eine paganisierte Version, wenn ich das christliche Original nicht für angebracht halte.

Der Text von “Stille Nacht” basiert grob auf einer Übersetzung von Doreen Valientes “Silent Night”.

Über uns die klare Nacht

Von Herbert Napiersky, der ist allerdings etwas fragwürdig, wie ich im Nachhinein feststellen musste.

Share the light – Heidnische Version von “The first noel”

Andere (englische) Lieder, die auch sehr bekannt sind:

On Midwinter’s Day – Damh the Bard

The Christians and the Pagans – Dar Williams

Santa Claus is Pagan, too – Emerald Rose

Solstice Evergreen – Spiral Dance

Prayer a Day 2020: Die Quelle

#PrayerADay #ADFDruidry

Die Quelle

Vom Tropfen zur Pfütze

von der Pfütze zum Fluss

vom Fluss zum Ozean

Innen und außen

in meinem Blut

in dieser Quelle

fließt das Wasser

reinigend und erneuernd

nährend und belebend.

Heilige Quelle, fließe in mir!

in English:

The well

From droplet to puddle

from puddle to river

from river to ocean

Inside and outside

in my blood

in this well

Flows the water

purifying and renewing

nourishing and reviving.

Sacred well, flow within me!

Lapbook: Die Gallier – Götter und Kultur

Vor einigen Jahren habe ich dieses Lapbook für meinen Sohn gebastelt. Jetzt Bin ich wieder darüber gestolpert. Obwohl ich heute ein paar Dinge verändern würde (man lernt ja dazu), poste ich euch hier mal ein paar Bilder davon als Inspiration.

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