Category: Mabon/Herbsttagundnachtgleiche

Mabon-Soloritual 2016, auch gruppentauglich

20. September 2016

Ursprünglich hatte ich vor, als Gottheit des Anlasses (Deitiy of the occasion) Teutates zu nehmen. Aber irgendwie hat sich Hercules Magusanus immer wieder in mein Bewusstsein geschlichen. Ich nehme mal an, er wollte mir damit etwas sagen. Daher also die deutlich weniger bekannte Alternative zu den großen Donnergöttern. Wer sich durch ihn nicht angesprochen fühlt, kann stattdessen einfach auf Teutates zurückgreifen und muss dann eben den Text entsprechend anpassen.

Einleitung

Lied: Kommt in den Hain

 

Reinigung

(Teil 1 nach Ceisiwr Serith, Teil 2 nach Ian Corrigan in Übersetzung von Ishtar vom Sternenkreis?)

Möge ich rein sein, damit ich die Grenzen überschreiten kann. (Stirn mit Wasser benetzen)

Möge ich die Grenzen überschreiten, um dem Heiligen zu begegnen. (Lippen mit Wasser benetzen)

Möge ich dem Heiligen begegnen, um in allen Dingen gesegnet zu sein. (Herz mit Wasser benetzen)

Durch die Kraft des Wassers (Wasser aus dem Brunnen in alle 4 Himmelsrichtungen versprengen)

und den Rauch des Feuers (Feuerschale einmal im Kreis herumtragen):

Dieser Schrein ist hehr und heilig!

 

Mutter Erde anrufen

Ein Korb mit Äpfeln steht zu meinen Füßen,

rund und duftend, und dein Bild steigt vor mir auf:

Wie sonst selten wird uns in dieser Zeit der Ernte bewusst,

wie du uns täglich hältst und ernährst,

wie du alles Leben auf diesem Planeten hältst und ernährst.

Mutter Erde, ich bitte dich:

Halte mich auch in diesem Ritual

und lass mich sicher in dir ruhen,

so wie du es immer tust.

Amen!

 

Bardische Inspiration (Ogmios)

Lied: Gefesselt von deinen Worten

 

Zweck

Heute ist ein besonderer Tag im Jahreskreis.

Ein halbes Jahr lang war es nun länger hell als dunkel.

Seit Mittsommer ist das Licht langsam wieder weniger geworden

und heute halten sich Tag und Nacht die Waage.

Darum feiere ich heute:

Ich feiere das Gleichgewicht zwischen Licht und Dunkel,

die Rückkehr von Dunkelheit und Kälte, wenn sich alles zurückzieht und zur Ruhe kommt,

die Zeit, in der wir alle Kräfte für das kommende Jahr tanken und uns erneuern.

Sei mir willkommen, dunkle Jahreszeit, in deiner Kühle, die Klarheit und Ruhe bringt

und lege deine Dunkelheit um mich wie eine sanfte, kuschelige Decke.

 

Wiedererschaffen des Kosmos

Am Anfang war das große Nichts, das Urmeer voller Chaos, voller Potential: Alles war möglich! Und dann verbanden sich die Elemente zu Feuer und Eis, und aus Feuer und Eis entstand das Land, und über dem Land erhob sich der Himmel.

Und auf dem Land wuchs der Weltenbaum, mit den Wurzeln tief in der Erde, die bis an die Quellen im Erdinneren reichen, und den Ästen, die hoch um Himmel aufragen und so alle Reiche miteinander verbinden.

Hier stehe ich nun, in der Mitte von allem:

Mit dem Land unter meinen Füßen, dem Himmel über meinem Kopf und dem Meer, das mich umgibt!

Und hier in der Mitte fließt dreifach das Wasser: Das Wasser der Weisheit und Inspiration, der nährende Regen, der vom Himmel fällt und das Wasser und Blut in mir. (Opfergabe an das Wasser)

Und hier in der Mitte brennt eine dreifache Flamme: Das Feuer der Schöpfung, tief im Erdinneren, das Feuer der Sonne, warm und lebenserhaltend, und das Feuer von Herdflamme und Lebenswillen in mir. (Opfergabe an das Feuer)

Und hier in der Mitte wächst der Weltenbaum, der in alle Reiche ragt: Mit den Wurzeln in der Tiefe, mit der Krone hoch im Himmel und dem Stamm hier in dieser Welt. (Opfergabe an den Baum)

Oben und unten, und ich dazwischen.

Um mich und in mir, und ich mittendrin.

Davor und danach, und ich jetzt.

Ich öffne meine Augen uns sehe mich um,

und sehe das Heilige mitten unter uns,

und sehe mich in der Mitte des Heiligen. (nach Ceisiwr Serith)

 

Hüter der Tore anrufen und Tore öffnen (Cernunnos)

Cernunnos,

du hütest die Übergange, du wachst über die Grenzen.

Ich rufe dich, er zwischen den Reichen wandert:

Richte deinen Blick auf mich, wenn ich heute den Kindred begegne.

Wache über mich, wenn ich fremde Pfade gehe.

Sei als Vermittler an meiner Seite, wenn ich die Tore öffne.

(Gabe an Cernunnos)

Nimm das Wasser und lass es zum heiligen Brunnen werden, das Tor, durch das ich meinen Vorfahren begegnen kann.

(Lied: Cernunnos, öffne die Tore)

Nimm die Flamme und lass sie zum heiligen Feuer werden, das Tor, durch das ich den Göttern begegnen kann.

(Lied: Cernunnos, öffne die Tore)

Nimm den Baum und lass ihn zum Weltenbaum werden, das Tor, durch das ich den Naturgeistern begegnen kann.

(Lied: Cernunnos, öffne die Tore)

Durch deine und mit deiner Magie: Mögen die Tore sich öffnen!

 

Die Kindred einladen

Vor dem heiligen Brunnen stehe ich, im Zentrum der Welt, und rufe meine Vorfahren!

Seid mir an meinem Feuer herzlich willkommen,

Vorfahren des Blutes, des Geistes und des Herzens,

ihr, die hier vor mir wart, ihr, die den Weg bereitet habt!

Ich bitte euch: Teilt euer Wissen mit mir und nehmt im Gegenzug meine Gaben an.

(Opfergabe an die Vorfahren, Lied: Ruf an die Kindred Strophe 1)

Vor dem Weltenbaum stehe ich, im Zentrum der Welt, und rufe die Naturgeister!

Seid mir an meinem Feuer herzlich willkommen,

Cucullati, Hüter des Hauses, und ihr, die diesem Land innewohnt!

Ich bitte euch: Teilt euer Wissen mit mir und nehmt im Gegenzug meine Gaben an.

(Opfergabe an die Naturgeister, Lied: Ruf an die Kindred Strophe II)

Vor dem heiligen Feuer stehe ich, im Zentrum der Welt, und rufe die Götter!

Seid mir an meinem Feuer herzlich willkommen,

Leuchtende, Hüter der kosmischen Ordnung!

Ich bitte euch: Teilt euer Wissen mit mir und nehmt im Gegenzug meine Gaben an.

(Opfergabe an die Götter, Ruf an die Kindred Strophe 3III)

 

Gott des Anlasses (Hercules Magusanus)

Viel wissen wir nicht mehr über dich, Magusanus.

Du warst der Stammesgott derjenigen, die früher hier lebten,

der Cugerner und Bataver.

Deine Heiligtümer fanden sich hier überall verteilt am Niederrhein.

Die Römer verglichen dich mit Hercules.

Ich vergleiche dich mit Thor und Teutates,

den rastlosen eifrigen Beschützern der ihnen anvertrauten Stämme.

Mit ihnen ziehst du im Wagen über die Felder

und bringst die regenspendenen Frühsommergewitter.

An ihrer Seite stellst du dich Gefahren in den Weg,

die deinem Volk drohen.

Diese Gabe ist für dich, Magusanus,

eine Gabe von den Nachfahren deiner einstigen Schützlinge.

Nimm sie als Zeichen meines Respekts,

als Zeichen meiner Wertschätzung.

(Gabe an Hercules Magusanus)

Wie meine Vorfahren möchte ich

meinen Bund mit dir bestätigen,

mein Band mit dir festigen.

Sei an meiner Seite, Magusanus,

wenn sich mir Hindernisse in den Weg stellen,

und schütze meine Familie vor den Gefahren,

die auf sie zukommen.

Wenn wir fest zusammenstehen,

und du wie früher über dein Volk wachst,

dann wird uns nichts so schnell umwerfen.

 

Hauptopfer

Lied: Sehet mich

 

Omen

Ich habe euer Lied gesungen,

die Worte über euch weitergetragen.

Nun schweige ich und lausche,

was ihr mir sagen habt!

(Omen ziehen)

 

Segen

Ich bitte euch nun, Kindred:

Seht diesen Kelch in meinen Händen. Ich habe ihn mit (Federweißem) gefüllt. Ich bitte euch nun: Füllt ihr ihn mit eurem Segen, damit ich, wenn davon trinke, gesegnet werde mit Gesundheit, Wohlstand und Weisheit.

3x AWEN singen, Kelch dabei von oben nach unten schrittweise absenken und zum Schluss wieder anheben:

Siehe, das Wasser des Lebens!

Annahme und Bestätigung des Segens

Ich habe auf euer Wohl getrunken, Kindred, und euren Segen erhalten: Möge er in mir überfließen und die berühren, die mir begegnen. Möge der Funke in mir wachsen und überspringen auf die, die meinen Weg kreuzen.

 

Kernarbeit

Von Alters her gelten Nüsse als Früchte der Weisheit. In der irischen Mythologie ist es die Haselnuss, deren Früchte ins Wasser fallen und so den Lachs ernähren, der die ganze Weisheit in sich trägt. Heutzutage werden Nüsse als Futter für das Gehirn beworben. Und erinnert nicht das Innere der Walnuss ein wenig auch an ein Gehirn?

Diese Walnuss hier (in die Hand nehmen; wenn ihr mit mehreren seid, könnt ihr sie auch reihum gehen lassen) stammt von einem Baum, dessen Vorfahre schon meine Vorfahren mit Früchten versorgt hat. Sein Ahne stand im Garten meiner Großeltern, und manchen Spätsommer haben wir damit verbracht über den Rasen zu laufen und Nüsse aufzusammeln, die Oma dann getrocknet und geknackt hat.

Walnusslikör, Walnusskuchen, Walnussbrot – die Liste der Rezepte, die wir in den vielen Jahren ausprobiert haben, und die durch die ganze Familie gegangen sind, ist schier endlos.

Heute stehe ich hier, weil ich die Tradition fortsetzen möchte: Auch wenn der alte Baum vergangen ist und sein Nachfahre nicht alt werden kann an dem Ort, wo er steht, so soll es doch einen weiteren Nachfolger geben. Ich lege diese Nuss in die Erde, reich an Nährstoffen, und rufe zu euch, Kindred:

Ihr Vorfahren!

Diese Nuss ist Teil eures Vermächtnisses an mich. Ich übergebe sie der dunklen Erde, damit sie wächst und eines Tages selber Früchte hervorbringt. Ich bitte euch: Wacht über sie, damit sie einst Teil unserer Verbindung sein kann!

Ihr Geister!

Diese Nuss übergebe ich euch zu treuen Händen. Ich bitte euch: Unterstützt meine Arbeit mit der euren, damit diese Nuss eines Tages ein stolzer Baum wird, der Himmel und Erde miteinander verbindet!

Ihr Götter!

Diese Nuss ist Teil meines Vermächtnisses an meine Nachfahren. Ich bitte euch: Lasst euer Licht auf sie scheinen und segnet sie, damit sie eines Tages für meine Kinder das bedeuten kann, was ihre Vorfahren für mich bedeuteten!

Topf halb mit Erde füllen, Nuss hineinlegen, mit Erde bedecken und etwas gießen

Lied: Tree Wassail von Anne Hill (das bezieht sich zwar auf Apfelbäume, aber ich finde, es passt trotzdem)

Den Blumentopf mit etwas Weihwasser aus der heiligen Quelle besprenkeln und mit Weihrauch bewedeln:

Ich segne die Erde, die dich umgibt.

Ich segne das Wasser, dass dich ernährt.

Ich segne den Himmel, dessen Licht dich wärmt.

Ich habe den Segen der Kindred für dich erbeten und ich werde meinerseits über dich wachen.

Wachse und gedeihe, kleiner Baum! Willkommen in unserem Garten!

 

Dank und Verabschiedung

Kindred, ich danke euch für eure Gesellschaft und euren Beitrag.

Hercules Magusanus, ich danke dir!

Ogmios, du hast mich inspiriert. Danke!

Götter, Naturgeister und Vorfahren:

Meine Liebe geht mit euch, so wie euer Segen mich begleitet,

bis wir uns wiedersehen.

Lebt wohl!

 

Tore schließen

Cernunnos,

du hast mein Tun begleitet, als ich die Tore geöffnet und mich mit den Kindred getroffen habe.

Zwischen den Welten wanderst du und begleitest mich auf meinem Weg.

Ich danke dir und bitte dich ein letztes Mal um deine Unterstützung, wenn ich die Tore nun schließe:

Lass das heilige Feuer wieder zur Flamme werden!

Lass den heiligen Brunnen wieder zur Wasserschale werden!

Lass den Weltenbaum wieder zum einfachen Baum werden!

Lass alles sein, wie es vorher war, bis auf die Magie, die hier geschah!

Durch deine und mit deiner Magie: Mögen die Tore sich schließen!

 

Mutter Erde verabschieden

Mutter Erde, Lebensspenderin, Netzweberin,

du, dich mich mit dem ganzen Leben auf der Erde verbindet,

du, durch die ich nie alleine stehe, mag es auch anders aussehen:

Ich danke dir für deine Unterstützung in diesem Ritual.

Nimm zurück, was ich nicht gebraucht habe,

als Zeichen meiner Liebe und Dankbarkeit.

Möge es dich heilen und dir neue Kraft verleihen!

 

Abschluss

Mein Ritual nähert sich dem Ende.

Ich habe den Kosmos wiedererschaffen und in seiner Mitte gestanden.

Ich habe die reiche Ernte gefeiert und meinen Dank dafür überbracht.

Ich habe das Band zu Magusanus neu geknüft und meine Familie unter seinen Schutz gestellt.

Ich habe meinen Bund mit den Kindred bestätigt und gefestigt.

Ich habe eine Familientradition fortgesetzt.

Nun gehe ich, allein, doch als Teil des großen Ganzen.

Die heilige Quelle ist versiegt, doch in mir fließt sie weiter.

Das heilige Feuer ist verloschen, doch in mir brennt es ewig.

Der Weltenbaum mag schwanken, doch ich stehe fest verwurzelt in dieser Welt.

Dieses Ritual ist nun beendet. Amen!

Mabon 2015: Kernarbeit

11. September 2016

Kernarbeit: Erntedank

Diese Kernarbeit entstand in Anlehnung an einen Ritualvorschlag von Ceisiwr Serith. Seine Idee war meines Erachtens eher auf die USA zugeschnitten, aber das Konzept gefiel mir, und ich habe mich bemüht eine für Europa passende Version auf die Beine zu stellen. Ich habe es schon 2014 verwendet, für dieses Jahr aber noch einmal komplett überarbeitet.

Benötigt werden außer dem übliche Ritualzubehör:

Proben verschiedener Getreidesorten, Mehl, ein Maiskolben (z.B. dekoriert wie auf dem Bild unten), eine Kette aus Herbstblättern oder aufgefädelten Rosskastanien, 1 Stift zum Daraufschreiben)

 

Mabon-Maiskolben 2014

Während des ganzen Sommers haben wir schon ernten können,

und frische Lebensmittel haben unseren Tisch reich gedeckt.

Ein paar Beispiele habe ich mitgebracht.

Heute ist es an der Zeit danke zu sagen für alles,

was wir bekommen haben.

(Wofür bin ich dankbar? Auf die Blätter des Mobiles schreiben und das Mobile dann in einen Baum hängen)

Lied: “Ich möchte einfach danke sagen” oder ein anderes Erntedanklied

(Mehl, Körner und Mais hochhalten)

In meinen Händern halte ich verschiedene Getreidesorten: Weizen, Roggen,Mais, Dinkel, Hafer:

Getreide, das schon unsere Vorfahren angebaut haben,

Getreide, das mein Volk seit Generationen ernährt.

Ich segne dieses Getreide.

Möge es weiterhin reiche Frucht bringen und zum Segen für uns werden.

Ich bring die gesegnete Gabe herfür

und hänge den Maiskolben an meine Tür.

Bleib dort und segne unser Haus,

und alle, die da gehen ein und aus!

Bleib dort, bis die Welt im Dunkel versinkt

und die Nacht von Samhain beginnt!

Das Mehl eine Gabe an das Land sei:

Gegeben in Liebe und Dankbarkeit.

Flieg mit dem Wind über das Land,

vermisch dich mit Stein und Wasser und Sand.

So sei es! Amen

(das Mehl in die Luft blasen, den Maiskolben nach dem Ritual an die Haustür hängen, die Körner, wenn möglich verwahren und im Frühjahr aussäen. Wenn sie angehen sollten, kann man daraus später eine neue Corn Dolly machen)

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Mabon-Ritual 2016: Kernarbeit

11. September 2016

Kernarbeit: Wir ziehen uns einen neuen Familienbaum heran

Ich liebe Walnüsse! Und noch besser: Der Rest der Familie auch! Walnüsse gab es bei uns zu Hause immer reichlich. Als meine Oma mütterlicherseits vor einigen Jahren starb, musste der große Walnussbaum in ihrem Garten einer Umbaumaßnahme weichen. Glücklicherweise hatte dieser Baumriese einen Ableger, der seinen Weg in meinen Garten fand. Aufgrund unglücklicher Umstände steht besagter Baum aber an einer nicht sonderlich geeigneten Stelle, so dass auch er in einigen Jahren vermutlich weichen muss. Letztes Jahr hat er endlich angefangen, Nüsse zu tragen. In diesem Jahr will ich mir von einer dieser Oma-Baum-Nüsse einen Ableger heranziehen, der dann später einen vernünftigen Platz in unserem Garten finden soll.

Wer diese Kernarbeit verwenden will, muss den Text für sich persönlich umformen.

Benötigt werden außer dem normalen Ritualzubehör:

1 Blumentopf

Pflanzerde und ggf. etwas eigener Kompost

Wasser und Gießkanne

1 Walnuss (oder vorsichtshalber 2-3)

evt. kleine Opfergaben für die Kindred

Von Alters her gelten Nüsse als Früchte der Weisheit. In der irischen Mythologie ist es die Haselnuss, deren Früchte ins Wasser fallen und so den Lachs ernähren, der die ganze Weisheit in sich trägt. Heutzutage werden Nüsse als Futter für das Gehirn beworben. Und erinnert nicht das Innere der Walnuss ein wenig auch an ein Gehirn?

Diese Walnuss hier (in die Hand nehmen; wenn ihr mit mehreren seid, könnt ihr sie auch reihum gehen lassen) stammt von einem Baum, dessen Vorfahre schon meine Vorfahren mit Früchten versorgt hat. Sein Ahne stand im Garten meiner Großeltern, und manchen Spätsommer haben wir damit verbracht über den Rasen zu laufen und Nüsse aufzusammeln, die Oma dann getrocknet und geknackt hat.

Walnusslikör, Walnusskuchen, Walnussbrot – die Liste der Rezepte, die wir in den vielen Jahren ausprobiert haben, und die durch die ganze Familie gegangen sind, ist schier endlos.

Heute stehe ich hier, weil ich die Tradition fortsetzen möchte: Auch wenn der alte Baum vergangen ist und sein Nachfahre nicht alt werden kann an dem Ort, wo er steht, so soll es doch einen weiteren Nachfolger geben. Ich lege diese Nuss in die Erde, reich an Nährstoffen, und rufe zu euch, Kindred:

Ihr Vorfahren!

Diese Nuss ist Teil eures Vermächtnisses an mich. Ich übergebe sie der dunklen Erde, damit sie wächst und eines Tages selber Früchte hervorbringt. Ich bitte euch: Wacht über sie, damit sie einst Teil unserer Verbindung sein kann!

Ihr Geister!

Diese Nuss übergebe ich euch zu treuen Händen. Ich bitte euch: Unterstützt meine Arbeit mit der euren, damit diese Nuss eines Tages ein stolzer Baum wird, der Himmel und Erde miteinander verbindet!

Ihr Götter!

Diese Nuss ist Teil meines Vermächtnisses an meine Nachfahren. Ich bitte euch: Lasst euer Licht auf sie scheinen und segnet sie, damit sie eines Tages für meine Kinder das bedeuten kann, was ihre Vorfahren für mich bedeuteten!

Topf halb mit Erde füllen, Nuss hineinlegen, mit Erde bedecken und etwas gießen

Lied: Tree Wassail von Anne Hill (das bezieht sich zwar auf Apfelbäume, aber ich finde, es passt trotzdem)

Den Blumentopf mit etwas Weihwasser aus der heiligen Quelle besprenkeln und mit Weihrauch bewedeln:

Ich segne die Erde, die dich umgibt.

Ich segne das Wasser, dass dich ernährt.

Ich segne den Himmel, dessen Licht dich wärmt.

Ich habe den Segen der Kindred für dich erbeten und ich werde meinerseits über dich wachen.

Wachse und gedeihe, kleiner Baum! Willkommen in unserem Garten!

Die Mutter Erde anrufen – warum und wie?

28. April 2016

Nemeton 2016 - Mutter ErdeMutter Erde – das klingt freundlich, etwas kindlich naiv vielleicht. Man hat sofort ein kuscheliges Gefühl der Geborgenheit. Hier wird bedingungslos Liebe geschenkt, sie ist immer da für den, der sie ruft. Sie ist einfach da, so lange es irgendwie geht.

Erdmutter – das klingt schon ernsthafter, erinnert an die Venus von Willendorf, die dicken kleinen Statuen aus früheren Zeiten, mit ein bisschen Distanz darin.

Mutter des Landes – nein, damit ist nicht Frau Merkel gemeint. 🙂 Das Land hatte früher seine eigenen Gottheiten, je nachdem wo man sich gerade befand. Göttinnen mit eigenen Namen, eigenen leicht variierenden Eigenschaften und Ausprägungen, eigenständig handelnd. Häufig waren sie verbunden mit den großen Flüssen, die die Region durchzogen. Bei diesen Göttinnen wurde nicht selbstverständlich davon ausgegangen, dass sie einem bedingungslos zur Verfügung standen, sondern man behandelte sie als Wesen, die sich durchaus auch zur Wehr setzen konnten und würden, wenn man sie nicht respektvoll behandelte.

Mutter Erde – ich bleibe mal bei diesem Titel, weil er mir am meisten zusagt – ist aber noch mehr als das. Die Wikinger hatten das Konzept von einem Schicksalsnetz: Alles ist miteinander verwoben, und wenn ich an einem Faden ziehe, indem ich eine bestimmte Handlung ausführe, dann hat das auch Auswirkungen auf andere Teile des Netzes bzw. sogar auf das ganze Netz. Insofern bekommt der Grundsatz: ‚Tu, was du willst, solange du keinem Schaden zufügst‘ noch mal eine besondere Bedeutung. Ich verstehe mich als Teil eines größeren Ganzen, und was ich tue, beeinflusst die Entwicklung des Ganzen. Die Erde als Planet, auf dem wir leben, ist (derzeit noch) einzigartig in ihrer Bedeutung für das Überleben der menschlichen Spezies, da uns ja die Möglichkeiten fehlen, mal eben das Sonnensystem zu wechseln und uns auf einem anderen Planeten niederzulassen. Es empfiehlt sich daher ganz dringend für uns, mit diesem einen Planeten, den wir haben, schonend umzugehen und die Beschränkungen in Bezug auf die Ressourcen, die vorhanden sind, zu respektieren. Passiert häufig leider nicht so wirklich, wenn der Geschäftssinn das Verantwortungsgefühl überwiegt.

Ich halte die Erde allerdings nicht für ein rachsüchtiges Wesen: Wo man früher vielleicht von göttlicher Strafe gesprochen hat, sehe ich eher eine Konsequenz aus ablaufenden Prozessen, die nicht unbedingt denjenigen treffen, der ‚am falschen Faden gezogen hat‘. Wenn ich immer mehr Wasser in ein Litermaß gebe, dann wird es irgendwann überlaufen. Vielleicht werde ich selbst dabei nass, vielleicht aber auch die wichtigen Unterlagen, die jemand dort abgelegt hat, wo ich mein Litermaß hingestellt habe.

Eines Tages sind die Kompensationsmechanismen nicht mehr ausreichend, dann geschieht eine Katastrophe: Die Häuser, die im Boden verschwinden, weil die Bergwerke zu intensiv gegraben haben, die Lawine, die die Schifahrer verschluckt, weil die Hänge zu kahl sind, die überfluteten Felder und Stadtteile, weil der Fluss begradigt wurde und die Deiche nicht mehr halten…

Welches Fazit ziehen wir nun daraus?

Im Ritual

  • machen wir uns bewusst, dass wir durch die Erde miteinander verbunden sind
  • erinnern wir uns ihrer Funktion als unsere Ernährerin, als der Lebensraum, in dem unser Leben überhaupt erst möglich ist
  • zeigen wir der Erde, dass wir dies zu schätzen wissen und drücken ihr unseren Dank und Respekt dafür aus
  • wollen wir der Erde etwas für ihre Leistung, bewusst oder unbewusst) zurückgeben

Darum bitten wir sie am Anfang des Rituals darum, dass sie uns Halt gibt und uns im Hier und Jetzt verankert, und danken ihr am Ende für ihre Unterstützung.

Anm.: Ich spreche normalerweise danach noch ein paar spontane persönliche Worte und mache ein Geschenk aus Körnern, Samen oder einem Lied.

 

Gebete, um die Mutter Erde zu rufen

an Beltane:

Mutter Erde,

du lässt dich von warmen Sonnenstrahlen einhüllen,

du badest in den Regenschauern, die über das Land fegen,

bis dein Leib schwer ist von Feuchtigkeit

und so Nahrung und Halt bietet

für die Samen und Keimlinge,

die in dieser Zeit so unbändig ans Licht drängen.

Ich bitte dich:

Halte mich in diesem Ritual,

wie du auch den Pflanzen Halt gibst.

Lass mir bewusst sein,

dass ich in dir wurzle wie sie und durch dich mit allem verbunden bin,

was lebt.

Amen!

 

an Litha/Mittsommer:

Auf dem Feld vor meinem Haus wiegen sich die Ähren im leichten Wind,

so, als ob du dein goldbraunes Haar für mich schüttelst.

In dieser Zeit, wo die Kraft der Sonne am stärksten ist, bietest du uns Halt,

Mutter Erde,

einen Moment des Atemholens zwischen Säen und Ernten.

Schenke mir auch in diesem Ritual die Gewissheit,

festen Boden unter den Füßen zu haben,

so wie du es immer tust.

Amen!

 

an Lughnasadh/Lammas:

Braun der Boden, Mutter Erde,

krümelig in der Sommerhitze.

Blau der Himmel, Mutter Erde,

wolkenlos und unendlich.

Grün die Wiesen, Mutter Erde,

wogendes Gras in vollem Saft.

Ich bei dir, Mutter Erde,

geborgen in deiner Hand,

wenn ich über das Land schreite,

wenn ich zwischen den Welten wandle,

als Teil deines allumspannenden Netzes.

Amen!

 

zu Mabon/Herbst-Tagundnachtgleiche:

Ein Korb mit Äpfeln steht zu meinen Füßen,

rund und duftend, und dein Bild steigt vor mir auf:

Wie sonst selten wird uns in dieser Zeit der Ernte bewusst,

wie du uns täglich hältst und ernährst,

wie du alles Leben auf diesem Planeten hältst und ernährst.

Mutter Erde, ich bitte dich:

Halte mich auch in diesem Ritual

und lass mich sicher in dir ruhen,

so wie du es immer tust.

Amen!

 

zu Samhain:

Kühl streicht der Wind über meine Haut,

kühl streicht er über deine Haut, Mutter Erde.

Nebelschwaden hüllen dich ein

und verbergen dich oft vor meinem Blick.

Tautropfen glitzern auf den Spinnwebfäden,

die sich zwischen den Gräsern spannen,

die sich zwischen den Ästen spannen,

die sich zwischen mir und der Welt spannen:

Zeichen für das große Netz des Lebens,

in dem wir alle miteinander durch dich verbunden sind,

durch den Raum und durch die Zeit.

Nicht gefangen, nicht hilflos,

sondern als denkende, fühlende Wesen mit Verantwortung füreinander.

Halte uns, Mutter Erde,

sei unser Anker im Hier und Jetzt,

wenn sich die Schleier zwischen den Welten öffnen

und Zeit und Raum keine Rolle mehr spielen.

Amen!

 

zu Jul/Mittwinter:

Tief hast du dich in dich selbst zurückgezogen,

Mutter Erde,

und doch hast du wie jede gute Mutter immer ein Auge auf deine Kinder:

Auch in der längsten Nacht des Jahres, wenn alles still und starr zu sein scheint,

können wir darauf bauen, dass du für uns da bist

und uns hältst, so wie immer.

Mag auch Schnee dich mit einer Decke überziehen,

mag unwirtliches Wetter uns in die Häuser treiben:

Wir wissen: Du bist da draußen,

immer da,

und sammelst frische Kräfte,

um nach der langen Dunkelheit neues Leben hervorzubringen.

Sei auch in diesem Ritual bei uns und halte uns in deiner Hand.

Amen!

 

zu Imbolc:

Schneeglöckchen kündigen das neue Leben an, Hamamelis und Krokusse:

Der erste Blumenschmuck, ein Farbklecks nach den tristen dunklen Tagen.

Noch hat die Kälte dich fest im Griff,

aber schon werden die Tage länger

und die Sonnenstrahlen kitzeln dein Antlitz

und locken dich aus dem Winterschlaf.

Vor dir sind wir versammelt,

verstreut über den ganzen Planeten,

doch miteinander durch dich verbunden,

und weben dein Netz.

Du bist der Grund, über den wir schreiten,

achtsam und leichten Schrittes,

das Sicherheitsnetz, das uns hält,

im Ritual, wie auch im ganzen Leben.

Amen!

 

zu Ostara/Frühlings-Tagundnachtgleiche:

Wir stehen überwältigt vor deiner Pracht,

die sich gerade Bahn bricht,

Mutter Erde,

die Fülle des neuen Lebens,

die unsere Sinne erfüllt mit

Düften und Farben.

Erde im Wandel,

sich immer wieder verändernd,

immer wieder erneuernd

und doch unser fester Ruhepunkt:

Erde im Gleichgewicht,

uns immer wieder verankernd im Hier und Jetzt,

im Leben und im Ritual.

Amen!

 

 

Mabon 2015 – Ein paar Impressionen…

26. September 2015

Füllhorn - MabonkalenderUnser Kalender 2015 auf halber Strecke

Mabon-ALtar 2015Nemeton zu Mabon 2015:

Vorne rechts ist der kleine Hirsch als Symbol für Cernunnos, meinen Torhüter, links am Baumstamm lehnt der Ziegel mit dem Bild der Erdmutter, im Hintergrund steht der kleine Matronenschrein.

Mabon-Altar 2015 IIBaum, Feuer und Muschel mit Wasser als Heiligtümer, dazu Räucherwerk und ein paar Sonnenblumen im Körnerglas als Dekoration, ein Beutel mit Oghamsteinen, der Kelch mit frischem Federweißem, ein selbst gebackenes Füllhorn mit Obst und Getreide als Geschenk an die Kindred und eine Dankeskette aus Rosskastanien

Füllhorn Mabon 2015Mabonkalender - KerzengläserKerzengläser aus dem Mabon-Kalender, zusammen mit meinem jüngeren Sohn gebastelt

Füllhorn Mabon 2015Mabon-Maiskolben 2014

Der vom großen Sohn verzierte Maiskolben von 2014

Mabon-Kalender für kleine Heiden

13. September 2015

Dies ist der letzte Kalender aus dem Jahreskreis, den ich erstelle. Damit ist für jedes Hochfest ein Kalender vorhanden, von sehr umfangreich (Mittwinter) bis hin zu kurz und knackig. In den nächsten Jahren werde ich sicherlich noch das eine oder andere ergänzen oder überarbeiten, aber für 2016 habe ich andere Projekte geplant.

Doch nun zum Kalender…

Hier findet ihr Bildmaterial, um den Kalender optisch zu begleiten. Das eigentliche Material ist im DIN-A4-Format, aber wenn ihr die Früchte doppelt ausdruckt und jeweils eine davon als Anhänger an die Textrollen macht, lässt sich der Zusammenhang gut herstellen.

Mabon-Kalender – Bildmaterial

 

In welcher Reihenfolge ihr die Sachen macht, ist euch überlassen.

Mabonkalender – Beginn der dunklen Jahreszeit

Hier findet ihr einen Bastelvorschlag für Kerzengläser und ein Lied.

Mabonkalender – Erntezeit

Hier gibt es ein leckeres Rezept für Ofengemüse vom Blech mit Kräuterquark, wobei mir vorhin aufgefallen ist, dass ich keine Anleitung für den Quark begefügt habe. Aber da haben die meisten ja selbst etwas. Ansonsten:

500 g Magerquark, Salz, Pfeffer, kleingehackte Kräuter nach Belieben, etwas Olivenöl und granulierten Knoblauch gut verrühren, abschmecken, fertig…

 

Mabonkalender – Fest der Elemente

Ich finde, dass man in dieser Zeit zu jedem Element etwas Besonderes finden kann. Man muss nicht alle Elemente an einem Tag durchziehen, sondern dieses Kalenderblatt lässt sich gut über mehrere Tage einsetzen.

 

Mabonkalender – Two Powers Meditation für Kinder

Die Two Powers-Meditation kenne ich vom ADF. Ich habe sie so umgeschrieben, dass sich sich auch für ältere Kinder (Schulalter) gut einsetzen lässt. Kleinere Kinder können oft die Augen nicht lange geschlossen halten.

Es geht heute darum, die Balance zwischen den Gegensätzen zu halten.

 

Mabonkalender – Zeit für Geschichten

Geschichte 1 erzählt den Mythos von Demeter und Persephone. Sie erklärt, warum im Winter nichts wächst.

Mabonkalender – Zeit für Geschichten II

Geschichte 2 ist die bereits früher im Blog vorgestellte Geschichte vom Drachen und den Leuten, die NEIN sagten. Sie soll die Kinder ermutigen, sich nicht von dummen, gefährlichen Leuten, die nicht über ihren eigenen Tellerrand hinausgucken können, den Mund und das Denken verbieten zu lassen. Manche Gefahren muss man bekämpfen, sonst ist man nachher selbst irgendwann das Opfer.

 

Mabonkalender – Erntedank

Und zu guter Letzt beschäftigen wir uns mit der Frage, wofür wir heute eigentlich noch Danke sagen und wie. Die Erklärungen dazu sind eher etwas für die älteren Kinder, aber bei der Bastelarbeit können auch die kleineren Kinder mitmischen.